Rückblick auf die Vorbereitungen unserer Panamericana-Reise.
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Panamericana von Feuerland bis Alaska
Rückblick auf die Reise-Vorbereitung
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Rückblick auf die Vorbereitungen

Als wir im September vergangenen Jahres mit der Buchung des Schiffes die Entscheidung getroffen haben, die Panamericana mit dem eigenen Auto zu fahren, da war uns überhaupt nicht bewusst, was uns bevor steht. Bis heute ist das immer noch so. Wir werden wohl erst hinterher wissen, auf was wir uns da eingelassen haben.

Wir sind anfänglich davon ausgegangen, dass die Reise ein riesengroßes Abenteuer wird. Bis wir uns mit dem Thema mal richtig ernsthaft auseinander gesetzt haben. So aufregend, wie anfangs befürchtet und gewünscht, wird es vielleicht gar nicht. Oder ist das nur der Tatsache geschuldet, dass wir seit fast einem Jahr nichts anderes mehr tun, als an die Reise zu denken und darauf hin zu arbeiten?

Hohes Verkehrsaufkommen auf der Panamericana

Rike schrieb als Kommentar in unserem Blog, dass die Panamericana langsam maintstream wird. Ja, irgendwie schon. Aber nicht nur dort tummeln sich viele Autoreisende. Irgendwo habe ich gelesen, dass 2014 rund 12.000 Overlander auf den Straßen und Pisten der Welt unterwegs sind. Davon natürlich auch jede Menge zwischen Ushuaia und Prudhoe Bay. Und die zu finden, ist gar nicht so schwierig. In einschlägigen Facebook-Gruppen herrscht ein reger Austausch zu allen Möglichen Themen: Sicherheit, Grenzübertritte, Übernachtungsplätze, Sehenswürdigkeiten, Werkstätten. Und wenn mal irgendwas schief gegangen ist, dann wird dort auch unkonventionell geholfen. Wir sind gespannt, wie viele der virtuellen Gesichter wir vor Ort treffen.

Landkarten, Reiseführer, Navigation

Man kann sich ja schon satt lesen.  Anfangs haben wir unzählige Reiseführer gewälzt. Und Landkarten studiert. Und must-see-Listen. Irgendwann wird dieses „das muss man gesehen haben“ zu viel. So viel zu viel, dass mir langsam die Lust auf die ganzen have-to’s vergeht. Deswegen stehen die Reiseführer für Bolivien, Ecuador und Mexiko jetzt erstmal wieder im Schrank. Sie dürfen natürlich mitfahren. Aber wir konzentrieren uns jetzt erstmal auf Uruguay. Und dann auf Argentinien. Vorher zu viel über Länder und Sehenswürdigkeiten lesen, das ist vielleicht gar keine so gute Idee. Das können wir viel besser machen, wenn wir vor Ort sind. Wir haben ja reichlich Zeit. Und hinterher nochmal nachlesen, was man angeschaut hat, ist vielleicht eh die bessere Idee.

Begegnungen

El Gordo at it's best

El Gordo at it’s best

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell man mit dem Thema Reisen mit anderen in Kontakt kommt; sei es ganz gezielt oder zufällig. Wenn wir heute mit unserem Landrover und der Panamericana-Beschriftung irgendwo auf einem Campingplatz oder in der freien Wildbahn stehen, vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht spontan in ein spannendes Gespräch verwickelt werden. Blogleser sprechen uns an, weil sie uns aus dem Internet kennen, manchmal winken uns wildfremde in der Stadt einfach so zu. Dass die Menschen in anderen Ländern freundlich und herzlich sind, das erzählt dir jeder Reisende. Wir machen die Erfahrungen auch in Deutschland – schön, sowas!

Die Overlander-Begegnungen sind immer wieder ein Highlight unserer Reisevorbereitung gewesen. Menschen, die die gleiche Strecke vor oder hinter sich haben oder ganz woanders auf dem Erdball unterwegs sind oder sein werden. Es scheint oft der gleiche Typus Mensch zu sein: Offen, neugierig, irgendwie geerdet. Und jeder hat wirklich gute Tipps und hilfreiche Anekdoten zu erzählen. Ganz im Gegensatz zu „diesem Internet“, wo sich auch der ein oder andere tummelt, der zwar einen „guten Tipp“ hat, aber noch nie aus seinem Dorf herausgekommen ist. Die Begegnungen mit den echten Overlandern drehen sich früher oder später immer um organisatorische Dinge wie Versicherungen und Impfungen, um Erfahrungen und Erlebnisse, genauso wie um die Sicherheit in Süd- und Mittelamerika.

Sicherheit

Natürlich haben wir die Sicherheitshinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gelesen. Natürlich haben Warnungen vor Menschenansammlungen in Paris oder Brüssel (die Warnungen gab es im Herbst 2015 tatsächlich) heute eine bitter-böse eigene Vergangenheit. Aber mal ehrlich: Wir würden auch nicht alleine des Nachts über den Cottbusser Platz in Berlin laufen. Vielleicht noch nicht mal zu zweit am hellichten Tag. Natürlich ist es immer eine Frage des eigenen Auftretens und der Wachsamkeit.

Aber wesentlich für deutlich weniger Sorgen sind und waren die Erzählungen derer, die auf der Panamericana selbst unterwegs sind oder kürzlich waren. Natürlich gibt es hie und da brenzlige Situationen. Durchaus ist die Gewaltbereitschaft in einigen Ländern höher, als in unserem beschaulichen Mitteleuropa. Aber in einem sind sich alle einig: Es ist bei weitem nicht so schlimm, wie es immer wieder zu lesen ist. Und letztlich erfährt man hier ja oft nur die Horrorgeschichten derer, die etwas zu erzählen haben (wollen); manchmal auch ein bisschen aufgehübscht. Wie erzählte mir neulich eine Freundin, die sich mit einem überfallenen Weltreisenden unterhalten hat, sinngemäß: Irgendwie hast Du aber auch das Gefühl, dass er an solchen Situationen nicht ganz unschuldig ist … Das hat sich während der ganzen Vorbereitungszeit nicht geändert: Wir lassen uns nicht verrückt machen!

Organisatorisches

Es gibt echt viel zu tun, wenn man sich so ein Jahr Auszeit im Ausland gönnt. Aber die meisten ToDos sind allein auf das Auto zurückzuführen. Verschiffung, Versicherungen, Autoumbau und –anpassungen, Stilllegung oder nicht in Deutschland. Viele Informationen die man vorab bekommt sind falsch oder veraltet. Da hilft es dann immer, den Kontakt zu Reisenden zu suchen und sich über den aktuellen Stand zu informieren. Beispiel Carnet de Passage: Der ADAC sagt, dass die Einfuhr-/Ausfuhrerklärung-Versicherung-Haumichtot in Südamerika notwendig ist. Vor Ort hat aber noch nie jemand danach gefragt; offizielle Stellen wissen nicht mal, was das ist. Wie so oft: zwei Ratgeber, drei Meinungen. Man muss sich halt selbst so durchwurschteln. Beispiel Versicherung: Vollkasko ist in Süd-/Mittelamerika offensichtlich unbekannt. Zumindest haben wir noch nie jemanden gefunden, der sowas hat oder anbietet. Jeder kennt nur jemanden, der jemanden kennt. Und auch die Haftpflichtversicherung abzuschließen ist nicht ganz so trivial von hier aus. Letztlich laufen alle Fäden immer bei Roby Speiser in Buenos Aires zusammen. Der vermittelt die Haftpflicht für einige Staaten über die Allianz in Argentinien.

Impfen, Behörden in Deutschland, Versicherungen konsolidieren (brauche ich ein deutsche Privathaftpflicht in Nicaragua wirklich?), Wohnung räumen und verlassen, Klamotten und technisches Equipment besorgen, Auto zur Probe packen, umräumen, neues Equipment einbauen, Auto wieder und wieder und wieder ausprobieren. Das letzte Jahr drehte sich neben dem Job fast ausnahmslos um die Reise. Und das mit großer Begeisterung.

Noch soundsoviel Tage

Um den Jahreswechsel 2015/16 haben wir angefangen, die Tage zu zählen. Wie viele Tage noch im Job, im Haus, bis zur Abreise. Anfangs erscheint das noch so sehr in weiter Ferne, da kommt noch nicht mal im Ansatz Reisefieber auf. „Och, das dauert ja noch ewig …“. Und irgendwann dann ist die Anzahl der Tage nur noch zweistellig. Dann kam der Tag, an dem wir in unsere Übergangs-WG gezogen sind, weil wir aus dem Haus raus mussten. Dann kam der letzte Tag im Büro. Dann kam der … ach, irgendwann geht alles so schnell und plötzlich. Jetzt sind es nur noch 29 Tage, bis wir mit dem Auto auf die Grande Angola fahren und 34 Tage über den Atlantik schippern. Übrigens ohne Internet. Das wird eine echte Prüfung.

Jetzt, wo es nur noch wenige Tage sind, da merken wir, wie gut wir seit elf Monaten geplant haben. Eigentlich ist alles erledigt. Es gibt nur noch Kleinigkeiten zu organisieren, überraschen sollte uns jetzt nichts mehr können – außer ein kaputtes Auto vielleicht. Die Vorfreude auf die Reise weicht allmählich der Erkenntnis, dass wir das wirklich machen: Ein Jahr unterwegs im Landrover, Freunde und Familie daheim lassen, mehr oder minder auf der Straße leben. Und dann wird es doch wieder zu dem kleinen Abenteuer, das eigentlich keines sein wollte.

 

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