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Tilbury, kurz vor London

Mittwoch, 14.09.2016, Tilbury. Rückblick. Das Schiff legt im Hafen an. Das ist schon eine Schau! Der Vorgang dauert mit dem Herablassen der Zugbrücke mehr als eine Stunde. Lord Blackfish hätte seine Brücke in Schnellwasser nicht zügiger senken können; andere Schiffe seien da viel langsamer, sagt der Koch, der heute mal die Brücke bedienen darf. Natürlich nur unter „Aufsicht“ des Chief Officers, der derweil ganz lässig in der Brüstung klemmt: Füße vorne durch, Arsch hinten durch und die Arme vorne wieder raus. Natürlich nicht ohne die obligatorische Zigarette im Mund.

Wir entschließen uns langsam ins Bett zu gehen, denn unsere Schicht in der Kombüse beginnt am nächsten Tag um fünf Uhr. „Anda notte won minute läiter“, sagt Nicola, der Koch. Also ab in die Kajüte, Füße auf den Tisch neben den Gin und dann in absehbarer Zeit ab ins Bett. Während ich schon ohne Beinkleid am Schreibtisch hänge und Hase sich die Hände für die morgige Küchenprozedur verschönert, klopft es an der Tür. Es ist neun Uhr Ortszeit. Oder zehn. So genau wissen wir nicht, wonach sich das Schiff richtet. Die für uns einzig relevante Uhr hängt in der Offiziersmesse. Und die ist auf einem anderen Deck.
Vor der Tür steht der Käpt’n, der 2nd Mate und ein anderer Herr. „The customs want to speak to you“, sagt der Käptn und wir bitten den Herrn von der „Black Gang“ zu einem kleinen Plausch hinein. Ausweise zeigen, Reiseführer erklären, Reiseroute besprechen. Aha, soso, so lange, irgendwelche festen Ziele? Reisen wir alleine oder kennen wir die Passagiere, die morgen noch an Bord kommen? Wirklich nicht? Keine Gruppe? Aha, soso. Schönen Abend noch und entschuldigen sie die Störung.

Dass der Zoll irgendwann überraschend auftauchen kann, dass hatte Roberto bereits angekündigt. Aber das war dann doch sehr plötzlich. Immerhin war er, der Zollmensch, so nett und hat gewartet, bis ich wieder eine Hose anhatte.

Halb zehn. Oder so. Time for bed now. Sachte, sachte, denn es klopft schon wieder an der Tür. Der Lademeister fragt, ob ich nicht mal schnell das auto „umshiften“ könnte. Tausend Fragezeichen. Nunja, sie müssen noch ein bisschen umladen heute Nacht ab eins und der Defender steht im Weg. Also mal schnell mit dem Aufzug unter Deck gespurtet und den Defender an Land gefahren. Was beim ersten mal noch für ein wenig Aufregung sorgte, ist jetzt schon fast Routine. Mit allen Lampen an durch das Dunkle der Grande Angola, über die Zugbrücke aufs Festland. Siehe da, der Landrover berührt wieder Mutterboden. Als hätte ich nie etwas anderes getan … Das scheint der Lademeister auch so zu sehen. Statt unter ständiger Security-Begleitung dürfen Robert und ich jetzt schon alleine Aufzug fahren und zu Fuß im Hafengelände unterwegs sein. Vielleicht sind um diese Zeit aber auch alle einfach ein bisschen faul und achten nicht so sehr darauf, was passiert. Freundlicherweise spielt der Hafenmeister dann kurz Taxi und erklärt, dass wir gar nicht morgen auslaufen. Und übermorgen auch nicht, also nicht wirklich. Dann wechseln wir nur das Pier im gleichen Hafen. Weite