Ich packe meine Sachen …

16 Tage noch. Und irgendwie dann doch nur noch ein einziger. Heute räumen wir den Defender so ein, wie wir letztlich auf reisen gehen. Heute ist unser letzter Tag in Augsburg. Und ab morgen geht es dann über mehrere Etappen (u. a. Villingen-Schwenningen und Aachen) nach Hamburg aufs Schiff.

In den letzten Monaten, die wir hie und da unterwegs waren, zum Beispiel in Kroatien oder Italien, hat sich doch wieder einiges im Auto angesammelt, was da gar nicht hingehört. Batterien zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie viele Päckchen wir beim Ausräumen gefunden haben. Im Aldi an der Kasse: Vorsorglich Batterien mitnehmen. Im Baumarkt im Quengelregal: Batterien mitnehmen. Als ob es außerhalb Europas keine Batterien mehr gäbe …

Oder: Messer. Messer kann man ja grundsätzlich nie genug dabei haben, denkt der Mann. Er schneidet sich ja doch nur in die Finger, denkt die Frau. Deswegen musste ich mich schweren Herzens von zwei meiner Messer trennen. Mit uns fahren jetzt nur ein klassisches Buck Knife und das Rüdiger Nehberg-Gedächtnismesser, eine Dauerleihgabe von meinem Spezl.

Woran wir keine Abstriche machen, sind unsere Bücher. Wir können uns beide nicht mit E-Book-Readern anfreunden. Da kommt schon ein schöner Stapel zusammen. Das meiste sind natürlich Reiseführer und Lektüre für den Monat See. Was ausgelesen ist, lassen wir zurück. Und wir sind guter Hoffnung, dass wir unseren Büchervorrat unterwegs wieder irgendwo aufstocken können.

Und die restlichen Reiseutensilien werden jetzt so verpackt und verstaut, dass wir morgen, nach dem Frühstück losfahren können. Da draußen warten Abenteuer!

Hase, keine drei Wochen mehr …

„Hase, jetzt sind es offiziell keine drei Wochen mehr …“, sagte Hase gestern zu mir. Da waren es noch zwanzig Tage, bis es endlich los geht. Und heute steht schon eine eins vorne dran; 19 Tage noch.

Eigentlich gibt es wenig Spektakuläres zu vermelden. Wir packen langsam unsere Sachen, so wie wir sie mit aufs Schiff nehmen wollen. Das Auto muss für den Frachter seetauglich gemacht werden. Es dürfen also keine Sachen drin liegen, die herumfliegen können. Und auf dem Dach darf auch nichts befestigt sein. Wir müssen also unser Packkonzept, das wir uns für die Reise ausbaldowert haben, für die Überfahrt nochmal neu überdenken. In die Kabine auf dem Schiff wollen wir natürlich die spanischen Sprachkurse mitnehmen. Und die Reiseführer. Und die Kameras. Und sowieso und überhaupt. Letztlich alles Wertvolle, was so einsam und allein unter Deck wie lockere Beute in irgendeinem Hafen aussieht. Packen und umpacken steht also in den kommenden Tagen an.

In dem Beitragsbild (oben) sieht man, wie wir momentan hausen. Büro, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Rumpelkammer in einem. Während der ganzen Umräumerei schaut es doch a bisserl chaotisch aus. Meine Eltern fühlen sich wahrscheinlich an meine Jugend erinnert. So ähnlich unaufgeräumt muss es früher bei mir im Kinderzimmer auch ausgesehen haben. Und heute? Das ist fast unser gesamter Hausstand, der übrig geblieben ist. Und (nur) ein Teil davon, geht mit uns auf Reise.

Noch mehr nette Menschen

Nachdem in der vergangenen Woche der Artikel über uns in der Augsburger Allgemeinen erschienen ist, lernen wir immer öfter neue Menschen kennen. Ich finde es total nett, wie offen viele auf uns zukommen, beim Bäcker, auf dem Parkplatz, einfach so auf der Strasse, weil sie unser Auto erkannt haben. Viele nette Gespräche mit Menschen, an denen man sonst einfach so vorbeigehen würde. Wie die ältere Dame neulich auf dem Supermarktparkplatz die mit Tränen in den Augen sagte, dass sie so eine Reise früher auch mal gemacht hat. Mehr nicht. Sie war so schnell wieder weg, wie sie da war. Und trotzdem freuen wir uns darüber, wenn wir bei Menschen Gefühle auslösen, nur weil wir ein bisschen auf Reisen gehen …

 

„Sie fahren 50.000 Kilometer durch Amerika“

Am vergangenen Wochenende ist in der Augsburger Allgemeine ein toller Artikel über uns erschienen. Unter der Überschrift „Sie fahren über 50.000 Kilometer durch Amerika“ hat Miriam Zissler (vielen Dank nochmal!) unsere Erzählungen über die Reise fast in eine ganze Zeitungsseite gepackt.

Wir haben uns total darüber gefreut auch mal aus anderem Mund zu hören (zu lesen), wie unsere Reisevorbereitungen so gelaufen sind und worauf wir uns besonders freuen.

Kleine Anekdote am Rande: Während wir bei der Zeitung zum Interview waren, stand der Defender mit hochgeklapptem Dach allein rum und wurde offensichtlich nicht nur von Silvio, dem Fotografen der Augsburger Allgemeine, abgelichtet.

Ein paar Stunden später bekamen wir eine E-Mail aus Costa Rica mit der Einladung von Mark in sein Hotel (vielen Dank auch Dir nochmal, Mark wir melden uns, wenn wir auf dem Weg sind!). Wie er uns denn gefunden hat, haben wir gefragt. So einfach über das Internet oder über Facebook? Und mit seiner Antwort kam dann ein Foto unseres Reisemobils, das einer seiner Freunde in der Maximillianstraße gemacht hatte, während wir beim Interview waren. So klein ist die Welt …

 

Und wieder wird das Schiff verschoben

„Sie glauben doch nicht, dass Ihr Schiff wirklich am 06.09. fährt“, hat die Schiffsagentin gesagt. Und siehe da: es wurde der 08.09., dann der 10.09. und jetzt der 12.09. Wer unsere Seite auch auf Facebook ein bisschen verfolgt, der hat das ewig hin und her ja schon mitbekommen. Warum das so ist, erklären wir in diesem Artikel.

Der Countdown auf unserer Homepage läuft unaufhörlich in Richtung Abfahrt. Immer? Nicht immer, denn manchmal drehen wir ihn auch wieder ein paar Tage rückwärts. Immer dann, wenn sich der Schiffsfahrplan verschiebt. Seit der Buchung unserer Überfahrt bewegen wir uns immer wieder im Korridor 06. September und 31. Oktober. Aber warum ist das so? Gibt es keinen festen Terminplan, das geht doch bei Flügen und Kreuzfahrten auch?

Zunächst einmal liegt das daran, dass wir auf dem Schiff zwar mitfahren, das aber keine Schiffsreise ist. Im Grunde zählen wir und unser Auto schlicht und einfach als Fracht. Und als Fracht buchen wir eine Reise von Hamburg nach Montevideo auf einem bestimmten Schiff, der Grande Angola. Und wer Fracht ist, der hat nunmal keinen Anspruch auf ein bestimmtes Reisedatum. Und eigentlich auch nicht auf ein bestimmtes Schiff. Wir waren mal auf der Grande Sao Paolo gebucht und auch schon auf der Grande Buenos Aires. Nun ist es die Grande Angola. Und wird es hoffentlich auch bleiben.

Kleiner Abstecher mit dem Schiff nach Banjul?

Zurück zur Frage, warum sich das Abfahrtsdatum immer wieder verschiebt. Nun, die Grande Angola fährt immer auf der gleichen Strecke zwischen Hamburg und Südamerika hin und her. Und dabei versucht die Reederei natürlich mit so viel Fracht wie möglich zu fahren. Denn Leerraum auf dem Kutter kostet schlicht und einfach Geld bzw. ist Verschwendung. Stellt man sich vor, dass nun jemand aus Lissabon anruft und fragt, ob die Reederei noch soundsoviel Container oder hundertsiebzehn Mähdrescher von Lissabon nach Banjul mitnehmen würde, dann wäre die Reederei wohl mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie diesen kleinen Abstecher nicht machen würde: Lissabon und Banjul liegen ja quasi auf dem Weg. „Auf dem Weg“ ist natürlich relativ, weil das Schiff nicht so schnell schippert, wie der Flieger fliegt. Und deswegen dauert die Überfahrt von Hamburg nach Montevideo halt ein bisschen länger, als geplant. Und weil das Schiff immer im Kreis fährt, verschiebt sich damit auch der nächste Törn.

Ärgerlich ist das für uns nicht wirklich; wir haben es nicht richtig eilig. Auf die paar Tage kommt es uns nicht an. Ärgerlich ist das aber für diejenigen, die nicht wie wir auf dem Frachter mitfahren, sondern nach Uruquay fliegen. Denn je länger die in Montevideo auf ihr Reisemobil warten müssen, desto später geht die Reise los und desto höher werden die Hotelkosten; der Flieger wird ja nicht mitverschoben.

Auf dem aktuellen timetable kann man gut sehen, welche Route unser Schiff voraussichtlich nehmen wird. Die dritte und vierte Spalte zeigt die Grande Angola. Wir werden also voraussichtlich am 12.09. in Hamburg starten und am 16.10. in Montevideo ankommen. Vorausgesetzt, wir machen nicht noch einen Abstecher nach Singapur.

Unser Schiff fährt wieder mal später

Der Timetable unseres Frachters Grande Angola

 

Beitragsbild: Screenshot https://www.youtube.com/watch?v=TjyeLmm01Pk

Rückblick auf die Vorbereitungen

Als wir im September vergangenen Jahres mit der Buchung des Schiffes die Entscheidung getroffen haben, die Panamericana mit dem eigenen Auto zu fahren, da war uns überhaupt nicht bewusst, was uns bevor steht. Bis heute ist das immer noch so. Wir werden wohl erst hinterher wissen, auf was wir uns da eingelassen haben.

Wir sind anfänglich davon ausgegangen, dass die Reise ein riesengroßes Abenteuer wird. Bis wir uns mit dem Thema mal richtig ernsthaft auseinander gesetzt haben. So aufregend, wie anfangs befürchtet und gewünscht, wird es vielleicht gar nicht. Oder ist das nur der Tatsache geschuldet, dass wir seit fast einem Jahr nichts anderes mehr tun, als an die Reise zu denken und darauf hin zu arbeiten?

Hohes Verkehrsaufkommen auf der Panamericana

Rike schrieb als Kommentar in unserem Blog, dass die Panamericana langsam maintstream wird. Ja, irgendwie schon. Aber nicht nur dort tummeln sich viele Autoreisende. Irgendwo habe ich gelesen, dass 2014 rund 12.000 Overlander auf den Straßen und Pisten der Welt unterwegs sind. Davon natürlich auch jede Menge zwischen Ushuaia und Prudhoe Bay. Und die zu finden, ist gar nicht so schwierig. In einschlägigen Facebook-Gruppen herrscht ein reger Austausch zu allen Möglichen Themen: Sicherheit, Grenzübertritte, Übernachtungsplätze, Sehenswürdigkeiten, Werkstätten. Und wenn mal irgendwas schief gegangen ist, dann wird dort auch unkonventionell geholfen. Wir sind gespannt, wie viele der virtuellen Gesichter wir vor Ort treffen.

Landkarten, Reiseführer, Navigation

Man kann sich ja schon satt lesen.  Anfangs haben wir unzählige Reiseführer gewälzt. Und Landkarten studiert. Und must-see-Listen. Irgendwann wird dieses „das muss man gesehen haben“ zu viel. So viel zu viel, dass mir langsam die Lust auf die ganzen have-to’s vergeht. Deswegen stehen die Reiseführer für Bolivien, Ecuador und Mexiko jetzt erstmal wieder im Schrank. Sie dürfen natürlich mitfahren. Aber wir konzentrieren uns jetzt erstmal auf Uruguay. Und dann auf Argentinien. Vorher zu viel über Länder und Sehenswürdigkeiten lesen, das ist vielleicht gar keine so gute Idee. Das können wir viel besser machen, wenn wir vor Ort sind. Wir haben ja reichlich Zeit. Und hinterher nochmal nachlesen, was man angeschaut hat, ist vielleicht eh die bessere Idee.

Begegnungen

El Gordo at it's best

El Gordo at it’s best

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell man mit dem Thema Reisen mit anderen in Kontakt kommt; sei es ganz gezielt oder zufällig. Wenn wir heute mit unserem Landrover und der Panamericana-Beschriftung irgendwo auf einem Campingplatz oder in der freien Wildbahn stehen, vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht spontan in ein spannendes Gespräch verwickelt werden. Blogleser sprechen uns an, weil sie uns aus dem Internet kennen, manchmal winken uns wildfremde in der Stadt einfach so zu. Dass die Menschen in anderen Ländern freundlich und herzlich sind, das erzählt dir jeder Reisende. Wir machen die Erfahrungen auch in Deutschland – schön, sowas!

Die Overlander-Begegnungen sind immer wieder ein Highlight unserer Reisevorbereitung gewesen. Menschen, die die gleiche Strecke vor oder hinter sich haben oder ganz woanders auf dem Erdball unterwegs sind oder sein werden. Es scheint oft der gleiche Typus Mensch zu sein: Offen, neugierig, irgendwie geerdet. Und jeder hat wirklich gute Tipps und hilfreiche Anekdoten zu erzählen. Ganz im Gegensatz zu „diesem Internet“, wo sich auch der ein oder andere tummelt, der zwar einen „guten Tipp“ hat, aber noch nie aus seinem Dorf herausgekommen ist. Die Begegnungen mit den echten Overlandern drehen sich früher oder später immer um organisatorische Dinge wie Versicherungen und Impfungen, um Erfahrungen und Erlebnisse, genauso wie um die Sicherheit in Süd- und Mittelamerika.

Sicherheit

Natürlich haben wir die Sicherheitshinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gelesen. Natürlich haben Warnungen vor Menschenansammlungen in Paris oder Brüssel (die Warnungen gab es im Herbst 2015 tatsächlich) heute eine bitter-böse eigene Vergangenheit. Aber mal ehrlich: Wir würden auch nicht alleine des Nachts über den Cottbusser Platz in Berlin laufen. Vielleicht noch nicht mal zu zweit am hellichten Tag. Natürlich ist es immer eine Frage des eigenen Auftretens und der Wachsamkeit.

Aber wesentlich für deutlich weniger Sorgen sind und waren die Erzählungen derer, die auf der Panamericana selbst unterwegs sind oder kürzlich waren. Natürlich gibt es hie und da brenzlige Situationen. Durchaus ist die Gewaltbereitschaft in einigen Ländern höher, als in unserem beschaulichen Mitteleuropa. Aber in einem sind sich alle einig: Es ist bei weitem nicht so schlimm, wie es immer wieder zu lesen ist. Und letztlich erfährt man hier ja oft nur die Horrorgeschichten derer, die etwas zu erzählen haben (wollen); manchmal auch ein bisschen aufgehübscht. Wie erzählte mir neulich eine Freundin, die sich mit einem überfallenen Weltreisenden unterhalten hat, sinngemäß: Irgendwie hast Du aber auch das Gefühl, dass er an solchen Situationen nicht ganz unschuldig ist … Das hat sich während der ganzen Vorbereitungszeit nicht geändert: Wir lassen uns nicht verrückt machen!

Organisatorisches

Es gibt echt viel zu tun, wenn man sich so ein Jahr Auszeit im Ausland gönnt. Aber die meisten ToDos sind allein auf das Auto zurückzuführen. Verschiffung, Versicherungen, Autoumbau und –anpassungen, Stilllegung oder nicht in Deutschland. Viele Informationen die man vorab bekommt sind falsch oder veraltet. Da hilft es dann immer, den Kontakt zu Reisenden zu suchen und sich über den aktuellen Stand zu informieren. Beispiel Carnet de Passage: Der ADAC sagt, dass die Einfuhr-/Ausfuhrerklärung-Versicherung-Haumichtot in Südamerika notwendig ist. Vor Ort hat aber noch nie jemand danach gefragt; offizielle Stellen wissen nicht mal, was das ist. Wie so oft: zwei Ratgeber, drei Meinungen. Man muss sich halt selbst so durchwurschteln. Beispiel Versicherung: Vollkasko ist in Süd-/Mittelamerika offensichtlich unbekannt. Zumindest haben wir noch nie jemanden gefunden, der sowas hat oder anbietet. Jeder kennt nur jemanden, der jemanden kennt. Und auch die Haftpflichtversicherung abzuschließen ist nicht ganz so trivial von hier aus. Letztlich laufen alle Fäden immer bei Roby Speiser in Buenos Aires zusammen. Der vermittelt die Haftpflicht für einige Staaten über die Allianz in Argentinien.

Impfen, Behörden in Deutschland, Versicherungen konsolidieren (brauche ich ein deutsche Privathaftpflicht in Nicaragua wirklich?), Wohnung räumen und verlassen, Klamotten und technisches Equipment besorgen, Auto zur Probe packen, umräumen, neues Equipment einbauen, Auto wieder und wieder und wieder ausprobieren. Das letzte Jahr drehte sich neben dem Job fast ausnahmslos um die Reise. Und das mit großer Begeisterung.

Noch soundsoviel Tage

Um den Jahreswechsel 2015/16 haben wir angefangen, die Tage zu zählen. Wie viele Tage noch im Job, im Haus, bis zur Abreise. Anfangs erscheint das noch so sehr in weiter Ferne, da kommt noch nicht mal im Ansatz Reisefieber auf. „Och, das dauert ja noch ewig …“. Und irgendwann dann ist die Anzahl der Tage nur noch zweistellig. Dann kam der Tag, an dem wir in unsere Übergangs-WG gezogen sind, weil wir aus dem Haus raus mussten. Dann kam der letzte Tag im Büro. Dann kam der … ach, irgendwann geht alles so schnell und plötzlich. Jetzt sind es nur noch 29 Tage, bis wir mit dem Auto auf die Grande Angola fahren und 34 Tage über den Atlantik schippern. Übrigens ohne Internet. Das wird eine echte Prüfung.

Jetzt, wo es nur noch wenige Tage sind, da merken wir, wie gut wir seit elf Monaten geplant haben. Eigentlich ist alles erledigt. Es gibt nur noch Kleinigkeiten zu organisieren, überraschen sollte uns jetzt nichts mehr können – außer ein kaputtes Auto vielleicht. Die Vorfreude auf die Reise weicht allmählich der Erkenntnis, dass wir das wirklich machen: Ein Jahr unterwegs im Landrover, Freunde und Familie daheim lassen, mehr oder minder auf der Straße leben. Und dann wird es doch wieder zu dem kleinen Abenteuer, das eigentlich keines sein wollte.

 

Die letzten Kartons sind gepackt

Die letzten Utensilien und Sachen sind in Umzugskisten verpackt und im Auto verstaut. Alles, was wir in den vergangenen Wochen in unserer Aachener Übergangs-WG dabei hatten, kommt jetzt in unseren Augsburger Keller und wartet da darauf, dass wir irgendwann mal wieder zurück kommen.

Die kommenden Wochen, bis wir endlich in Hamburg auf unsere Fähre fahren dürfen, leben wir aus dem Koffer aus der Alu-Box; also genau so, wie im kommenden Jahr auf der Panamericana.

Karin hat gefragt, wohin wir jetzt fahren. Erstmal nach Augsburg: ausladen. Und dann geht es die kommenden Tage noch so ein bisschen auf Abschiedstour. Die wesentlichen Dinge sind erledigt, wir warten jetzt ein bisschen, dass die Zeit vergeht: Augsburg, München, Augsburg, Alpen/Österreich, Leverkusen, (Bonn), Oberschleichach, Augsburg, Villingen-Schwenningen, Aachen, Düren, Vrouwenpolder, Aachen, Bielefeld, Hamburg, Südamerika.

Jetzt geht es erstmal (zum letzten Mal) weg aus Aachen. Die Übergangs-WG ist aufgelöst. Nur noch die Matratze bleibt während unserer Reise in der Kaiserstadt. Und wir „hitten jetzt mal the Road“.

Noch 40 Tage …

Nur noch 40 Tage, bis unser Schiff ablegt.
Und ja, zugegeben, die Spannung steigt bei uns so langsam. Die vergangenen Monate waren vergleichsweise entspannt, jetzt jagt auf einmal ein Termin den anderen. In dieser Woche geht es zum Arzt, in die Werkstatt und auf Shoppingtour zu Decathlon nach Heerlen. Einmal noch in die alten Firma und bei jeder Gelegenheit mit Freunden treffen. Passiert ja so schnell nicht wieder.
Counting days, ja, wir sind ein bisschen aufgeregt und können es kaum erwarten, bis es endlich losgeht.

Countdown. Noch 40 Tage

Countdown. Noch 40 Tage.

Noch einmal in die Alpen

Einmal noch in die Alpen. Da geht es ja dann nahezu genauso hoch, wie in die Anden. Also so ein bisschen zumindest. Zusammen mit Dietmar, meinem Lieblingsschrauber und Defender-Mentor und Det ging es in den vergangenen Tagen nochmal in Richtung mitteleuropäisches Hochgebirge, um dort Nik und AWo zu treffen. Wer hier häufiger mitliest, dem sind die beiden bekannt: Die Herausgeber von Matsch&Piste sind erfahrene Offroad-Reisende und waren mit ihrer Landrover Serie2a in den italienischen Ostalpen unterwegs. Grund genug, um uns den beiden anzuschließen.

Auf dem Weg dorthin machen wir einen kleinen Abstecher an den Ammersee und nach Andex und ich versuche mich darin, den beiden – Dietmar und Det – den bayerischen Begriff für eine halbe Maß Bier beizubringen. A Hoibe. Wenn Dietmar es ausspricht, hört es sich an wie „ah Haaalbe“. Nicht schlecht. Zumindest die Basis ist geschaffen. Aber scheinbar braucht es noch ein bisschen Zeit, vielleicht auch noch eine Hoibe, bis das flüssig von der Zunge kommt.

Hoch auf den Monte Lisser

Wir sind unterwegs nach Nordost-Italien, quer durch die Alpen, in die Alpen. Von Selva di Gringo meandriert die manchmal nur einspurige Straße erst über erstaunliche Spitzkehren auf mehr als 1.000 Meter Höhe und wird dann von einem Hochplateau mit unendlichen Weiden und Wiesen abgelöst. Das, was wir letztlich bis auf 1.630 Metern mit unseren Autos zurückgelegt und uns auch ein bisschen den Berg hoch gequält haben, radelt so manch italienischer Opa in Rennradmontur ganz locker hoch. Natürlich ohne eine einzige Schweissperle auf der Stirn.

Schotterwege, noch ein paar Spitzkehren. Oben auf dem Monte Lisser angekommen bietet sich ein wahnsinniger Blick über Enego – Fernblick, Sonnenuntergang und das läuten der Kuhglocken. Atemberaubend. Hier oben in den Alpen zu sein, das kenne ich. Früher waren wir öfter mal im Karwendel. Halleranger Alm, Pfeishütte, diese Gegend. Von Berghütte zu Berghütte wandern, auf Innsbruck runter schauen. Auf der ein oder anderen Berghütte übernachten. Okay, das ist jetzt nicht so sensationell. Aber nicht nur hier oben zu sein, sondern mehr oder minder unter freiem Himmel zu übernachten, das nenne ich atemberaubend.

 

Vorher gibt es noch eine Grillung, ein Lagerfeuer und den nächsten Sprachtest. Aktueller Stand: „a hoalbe“. Das „a“ sehr kurz gesprochen. Nun denn, da müssen wir noch dran arbeiten.

Bevor sich der Vollmond über dem Monte Lisser breit machen konnte, hat der „El Gordo“ noch Bekanntschaft mit Lisa, Elsa und ihren 14 Freundinnen gemacht. Sie haben das Auto mal ordentlich angesabbert und und sich kräftig dran geschubbert. Wundert mich nicht: Dort oben gibt es keine Bäume mehr. Da schubbert sich die Kuh halt auch mal gerne an einem Defender. Würde ich auch tun, wenn ich Kuh wäre.

Sonnenuntergang am Monte Lisser in den Alpen

Sonnenuntergang am Monte Lisser in den Alpen

Als der Wecker um vier Uhr dreißig klingelte, sah es schon so aus, als ob das mit dem spektakulären Sonnenaufgang nichts werden würde. Überall Wolken an den Bergspitzen und reichlich Nebel in den Tälern. Nach eineinhalb Stunden im Klappstuhl hätte die Sonne prall am Himmel stehen sollen. Stattdessen war da nur ein knallroter Feuerball, der dann und wann mal zwischen den Wolken hervorlugte. Zeit für eine weitere Mütze Schlaf. Gute Nacht.

Und die war wirklich gut. Die frische Bergluft, die Stille und die doch ein bisschen anstrengende Tour am Vortag haben für einen ziemlich ruhigen und erholsamen Schlaf gesorgt.

Guliano und die alten  Männer

Der kommende Tag führte uns zum Fort Belvedere Gschwent. Ein altes Fort, ähnlich der Forts rund um Verdun. Gleiche Zeit (erster Weltkrieg), gleicher Unfug (Krieg), nur andere Parteien (Österreich und Italien), die sich gegenüber stehen. Runter vom Hochplateau mit Zwischenstopp in Foza. Im kleinen Alimentari von Guliano und seiner Tochter Lara gab es nicht nur reichlich Käse und Speck und Gemüse und Brot, sondern auch gleich ein echtes und herzliches Willkommen für uns Durchreisende. Guliano ließ es sich nicht nehmen und schnitt reichlich von seinem besten Speck herunter. Dazu gab es kalten Pinot; standesgemäß im Plastikbecher. Morgens um zehn. Davon wollte ich natürlich eine Flasche mitnehmen. Und nach hinlänglichen Erfahrungen im Bezug auf Weinabfüllung in Italien war mir klar, dass es den Wein nicht in der schweren und sperrigen Glasflasche gab, sondern in der wiederverwerteten PET-Wasserflasche. Die sind in Italien samt Wasser im Supermarkt billiger, als eine neue Glasflasche. So sagte uns das schon der Dingens (Namen vergessen) in Tropea, der darin immer sein Acqua di Calabria abgefüllt hat. Zwei Euro pro eineinhalb Liter Flasche. Zwei Euro, so wie auf dem Markt in Tropea alles zwei Euro kostete; unabgängig von der Menge: Ein Sack voller Tomaten? Zwei Euro. Ein Stück Käse? Zwei Euro. Ein Netz Zwiebeln? Zwei Euro. Und eine einzelne Tomate? Natürlich auch zwei Euro.

Im Alimentari von Guliano und Lara

Zurück in den italienischen Norden und in die Alpen. Guliano und Lara waren sehr begeistert von meinen kurzen Erzählungen über die Panamericana. Soweit man sich mit ein paar Brocken italienisch, gemischtem Kauderwelsch auf meiner Seite und ebenso unfertigen Sprachkenntnissen in englisch auf der anderen Seite nun mal unterhalten kann. „Unglaublich“, soviel habe ich dann noch rausbekommen. Sie folgen uns auf Facebook, haben sie gesagt. Wir sollen nach der Reise wiederkommen, haben sie auch gesagt.

 

Auf dem Weg zum Fort Gschwent haben wir nicht nur Bekanntschaft mit Kühen gemacht, die mitten auf der Straße stehen, sondern auch mit Schäferhunden, die sich ihr Revier verteidigend mit Anlauf auf den Defender gestürzt haben. Vorsichthalber habe ich das Fenster zu gemacht; wer weiß, ob die beiden Australian Shepherd nicht am Wochenende beim Agility-Training waren und ins Auto springen wollten. Wollten sie nicht, sie haben dann doch gekniffen.

Gekniffen war auch Det. Nicht in den sprichwörtlichen Hintern, sondern irgendwo in den Schlauch. Permanenter Ölverlust sorgten für eine Zwangspause irgendwo oben und auf halber Strecke. Man muss sich das so vorstellen: Man fährt eine gute halbe Stunde auf einer Schotterpiste durch den Wald. Hie und da ein Radfahrer, der sich den Berg hochschiebt. Aber sonst? Niemand. Oben, am Ende des Waldes, stehen wieder Kühe im Weg. Braune, nicht zu wenig. Und wir, besser gesagt Dietmar, Det und AWo liegen kopfüber im Motorraum des Discovery und versuchen das Leck zu finden und zu schließen. Kühe, überall KüheUnd genau dort oben in der Einsamkeit, da kommt ein kleiner, blauer Suzuki vorbei mit einem blauen Licht auf dem Dach. Drin sitzen zwei Carabinieri, stramm, mit sauberer und perfekt gebügelter Uniform. Dazu eine bunt verspiegelte Sonnenbrille. Sie bremsen, schauen bewusst kritisch durch die Seitenscheibe und geben gaaaanz langsam wieder Gas. So fliegt die Zeit dahin, während die Schrauber schrauben und die Schreiber schreiben. Eine halbe Stunde später. Ein kleiner grüner Suzuki kommt vorbei mit einem blauen Licht auf dem Dach. Drin sitzen diesmal drei Carabinieri, stramm, mit sauberer und perfekt gebügelter Uniform. Dazu eine bunt verspiegelte Sonnenbrille. Sie bremsen, schauen bewusst kritisch durch die Seitenscheibe, grüßen  lieblos bis unfreundlich, wie man das als Carabinieri wohl tun muss und geben gaaaanz langsam wieder Gas.

„Zeit für a Höbe“, sagt Dietmar. Ich bin ein bisschen froh, dass er eine kleine Flasche Wasser in der Hand hat. Während des Schraubens scheint mir der Konsum von kühlem Bier zwar angemessen, aber noch nicht angebracht. Das Auto will ja erstmal repariert sein. Wurde es auch. Die Schrauber unter den Männern, also die die nicht den Schreibern unter den Männern zuzurechnen sind, haben den Discovery wieder flott gemacht. Zumindest vorübergehend.

Die Schotterpisten ziehen sich hin. Kilometer lang immer wieder ein bisschen den Berg hoch. Und zwischendrin immer wieder Gatter, die Nik aus dem Führungs-Landy rausspringend öffnet und nach dem letzten Auto wieder schließt. In den Kurven stehen kurzzeitig verlassene Autos. Unweit davon finden sich Menschen, die hier oben ein wenig Abkühlung suchen. Sei es schlafend oder essend. So wie das ältere Pärchen, dass in der Kehre einer Serpentinenstraße nahezu eine ganz Küche aufgebaut hat. Einen Holztisch, zwei Stühle, Tischdecke. Die Szenerie erinnert ein bisschen an „Tischlein deck‘ Dich“. Ich hätte mich gut für ein Stündchen dazu setzen können. Und anschließend eine Traumstunde im Gras.

Und irgendwann kann man die Schilder nicht mehr ignorieren

Und irgendwann kann man die Schilder nicht mehr ignorieren

Es werden so vierzig oder fünfzig Kilometer gewesen sein, die wir in rund fünf Stunden absolviert haben. Immer wieder Zwangspausen, weil Pisten entgegen der Karten doch gesperrt sind. Wir könnten zwar durchfahren, entscheiden uns aber dagegen. Die Sperre wird schon ihren Grund haben. Also wieder zurück, Meter um Meter, Kurve um Kurve, Stein um Stein. Das geht schon ziemlich in die Knochen. Fahren auf Schotter schlaucht, weil man ja doch immer aufpassen muss, wo eine Rinne ausgewaschen ist und wo ein spitzerer Stein liegt. Zu spitz für die Reifen. Das hätte echt noch gefehlt heute.

Irgendwie waren sich alle einig, dass wir einen Campingplatz suchen sollten, um mal wieder duschen zu können. Die Nacht verbringen wir am Rande eines kleines Tales direkt am Wald. Ein perfekter Brutplatz für Mücken. So scheint es nicht nur, meine Füße schauen am nächsten Morgen aus wie eine verlassene Marslandschaft. Überall kleine, rote Erhebungen. Wahrscheinlich würde es dem Mars auch ziemlich jucken, wenn man an seiner Oberfläche kratzen würde.

Alberto und Carlos, vom Wein und zerbrochenen Zaun

Am Abend, also vor dieser zerstochenen Nacht, machen wir noch die freundliche Bekanntschaft mit den Campingplatzbewohnern. Szene 1, „der Zaun“, Klappe. Auftritt des Protagonisten, nennen wir ihn Alberto, 68. Alberto kämpft sich in kurzer Hose und ohne Hemd den Weg zu uns hinauf. Sechs Höhenmeter über eine kleine steile Treppe. Er sagt wenig, eher nichts, als er prüfend unsere Autos abschreitet und uns keines Blickes würdigt. Lediglich der Grill, auf den er mahnend zeigt, findet seine Beachtung. Er murmelt etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und geht weiter. Kommt wieder. Stellt sich mit einer Hand in den Hüften vor uns hin und deutet auf den kaputten Zaun ein paar Meter weiter den Hang hoch. Ein bisschen ehrfürchtig sitzen wir in unserem Stuhlkreis und verstehen kein Wort. Nun gut, wir denken irgendwann, wir verstünden, was er sagt. Er möchte mit uns den Zaun reparieren, durch den letzten Nacht jemand hinawe gebrochen sei. Das dauere nur eine halbe Stunde. Ein bisschen voreilig stimmt einer aus der Gruppe zu. Alberto zieht zufrieden von dannen. Er läßt sich am Abend nicht mehr blicken. Wahrscheinlich war unsere Übersetzung nicht ganz richtig.

Unverhofft. Carlos' Wein

Unverhofft. Carlos‘ Wein

Szene 2, „der Wein“, Klappe. Auftritt des Protagonisten, nennen wir ihn Carlos, 71. Carlos  kämpft sich in kurzer Hose und mit Unterhemd den Weg zu uns hinauf. In seiner rechten Hand hält er eine Flasche Rotwein. Noch bevor er uns erreicht, sagt er, dass er kein Wort Deutsch könne. Soviel war zu verstehen. Forsch kommt er auf AWo zu, verlangt einen Korkenzieher und deutet an, dass dieser edle Tropfen, ein Veronese, ein Geschenk von ihm an uns sei. AWo, von ihm direkt angesprochen, ist ein bisschen perplex und reicht ihm zwei Plastikbecher, die Carlos umgehend reichlich füllt, einen davon AWo in die Hand drückt, mit ihm anstößt, trinkt und verschwindet. Exakt so schnell. Neben der Flasche Wein hat er bei uns reichlich Redebedarf dagelassen: über die Gastfreundschaft in anderen Ländern. Ich dürfte spannenden Erzählungen über verschenkte Taschenlampen in Rumänien und Gastfreundschaft in Albanien lauschen. Und der Erinnerung an die Geschichten von David und Eva von ihrer Reise in den Osten. Stand heute sind es noch 47 Tage, bis unsere Reise losgeht. Die Erzählungen der Mitreisenden machen Lust aufs losfahren. Jetzt! Gleich!

Wahrscheinlich waren nach der Schottertour alle ein bisschen zu groggi. Den Sprachkurs haben wir an diesem Abend ausfallen lassen. Besser war das, es wäre heute keine „hoibe“ mehr geworden.

Einsame Momenten

Campingplatz am Fort Gschwent

Campingplatz am Fort Gschwent

Man spürt am nächsten Morgen gut, wie sehr auch das miteinander Reisen anstrengt. Fünf unterschiedliche Typen, durch die gemeinsame Tour auf einen begrenzten Zeitraum miteinander verwoben. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem jeder einmal Zeit und Platz für sich alleine braucht. Über den Campingplatz weht ein heißer Duft von Rühreiern, die Dietmar auf seinen heruntergeklappten Sandblechen brutzelt, während Det gute 20 Meter weiter hinter seinem Disco sitzt und in einem Reiseführer schmökert. Nik und AWo sind auch schon seit geraumer Zeit verschwunden und genießen fließendes und warmes Wasser; wer weiß, wann es die nächste Dusche gibt. Und ich sitze am anderen Ende unserer riesigen Parzelle und beobachte von meinem Hochsitz aus Alberto dabei, wie er im Trainingsanzug und Baseball-bemützt Chiara, den zigarettenschachtelgroßen Yorkshire-Terrier-Mischling über den Platz spazieren führt und nach dem Rechten sieht. Morgens, um kurz nach sieben.

Die Strecken werden immer besser

Was für Farben!

Was für Farben!

Am Donnerstag geht es im Konvoi weiter in Richtung Longarone. Der Stausee im Vajont-Tal wurde 1960 erstmals mit Wasser gefüllt. Im Oktober 1963 stürzte soviel Gestein vom Monte Toc in den Stausee, dass sich eine 70 Meter hohe Flutwelle auftürmte, die Staumauer überspülte und das unterhalb der Staumauer am Ende des Tals gelegene Örtchen Longarone vollständig zerstörte. Rund 2.000 Menschen sind damals gestorben. Heute ist der Stausee freilich kein Stausee mehr, sondern eine Gedenkstätte.

Der weitere Weg führt uns in Richtung Lago di Ca‘ Selva, einem Ruinensee gut 70 Kilometer westlich von Longarone. Die Strecke führt uns wieder über toll zu fahrende Strada Provinciale, Strada Stratale und Strada Regionale vorbei an eisblauem Wasser unzähliger Flüsschen und Seen. Eigentlich müsste man an jedem anhalten und mindestens die Füsse reinhalten.

Lago di Ca' Selva

Lago di Ca‘ Selva

Vor Redona geht es runter von der SR552, die uns am nächsten Tag noch über den Passo Rest führt. Heute geht es links auf die nächste Schotterpiste in Richtung Ca’Selva, über die Staumauer drüber und dann immer entlang des Ufers. Die Wege werden enger, die Abgründe neben der Beifahrertür tiefer. Die Strecke ist gut befahrbar, bis sie irgendwann im Gebüsch einfach endet. Umdrehen und wieder zurück. Im Lago di Ca‘ Selva wurde seinerzeit ein ganzes Dorf (bewusst) versenkt. Wenn das Wasser tief genug steht, dann schauen oben noch die Häuser und Kirchturmspitzen heraus. Das Glück, selbige zu sehen, haben wir zwar nicht, aber wer braucht schon diese Extra-Portion, wenn das Glück ob der tollen Strecken eh aus allen Poren rinnt?

Auf der Hälfte des Rückwegs runter zur asphaltierten Straße suchen wir uns einen Übernachtungsplatz; und werden, wenig überraschend, auch fündig. Home is where you park it – Übernachtung geht überall. Kaum ist das Lager aufgebaut, gesellt sich ein roter Volvo 240 mit Berliner Kennzeichen zu uns. Michael steigt aus und mit ihm Yimmi im Schlepptau. Der eine ist (nach eigenem Bekunden!) so etwas wie ein übrig gebliebener Althippie, der andere sein Terrier-Mischling an der langen Leine. Michael, wenn Du hier mitliest: viele Grüße!

Michael + Yimmi

Michael + Yimmi

Wir hatten so kurzerhand die Chance, wieder etwas für unser Karma zu tun und Punkte zu sammeln. Also haben wir die beiden – eher Michael als Yimmi – zum Bleiben, Grillen und Quasseln eingeladen. Entwickelt hat sich ein echt netter Abend, der mal ein bisschen Abwechslung in die sonst allgegenwärtigen Benzingespräche gebracht hat. Das Gewitter links und die paar Steine, die rechts vom Berg gefallen sind, haben uns nur unter Dietmars Markise vertrieben und enger zusammenrücken lassen. Positiver Nebeneffekt: Wir haben an diesem Abend sogar unseren Sprachkurs vergessen.

Rauch über dem Passo Rest

Passo Rest

Passo Rest

Passo Rest. Forcola die Mont Rest. Rest Pass. Egal wie man diesen Teil der SR552 in den karnischen Voralpen nun nennt. Man könnte ihn auch einfach „ziemlich geil“ schimpfen. Wer auf schmale Straßen, tolle Ausblicke und enge Spitzkehren steht, der sollte mal einen kleinen Ausflug hierhin machen. Einbahnstraße mit Gegenverkehr hat Det den Pass genannt. Nur kam der nicht, der Gegenverkehr. Vielleicht lag es am Wochentag, vielleicht ist der Pass grundätzlich kaum befahren, weil man ihn wahrscheinlich nur dann freiwillig fährt, wenn man ihn fahren darf und nicht muss. Wie dem auch sei, es war eine rechte Gaudi. Zumindest, wenn man über eine Servolenkung in seinem Auto verfügt. AWo nicht und das Leiden beim Lenkradeinschlag war ihm in mancher Kurve anzusehen. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Kaum eine schönere Straße, die ich bisher irgendwo gefahren bin und auch so ein bisschen der Höhepunkt unserer Tour durch die Alpen.

„Bei mir qualmt’s!“, knarzte es auf Kanal 29. Und in der nächsten Kurve kam schon weißer Rauch unter der weißen Motorhaube hervor. Die Überbrückungsreparatur war nur von vorübergehendem Erfolg gekrönt und das Provisorium löste sich in ebendieser Kurve irgendwo hinter dem Passo Rest in eben solchen auflöste. Rauch. Und es hat so geraucht, dass klar war, dass an dieser Stelle für Det Schluss sein würde. Und weil wir natürlich niemanden zurücklassen, haben wir uns an dieser Stelle nicht nur von Det, sondern auch von Dietmar getrennt. Die beiden kümmerten sich fortan um den kaputten Disco und einen geeigneten Übernachtungsplatz für zwei. Und wir drei Verbliebenen haben uns langsam auf den Weg Richtung Österreich aufgemacht.

Letzte Alpen-Etappe: Strada Panoramica

Letztes Highlight unserer Reise war eine spontane Abkürzung über die Strada Panoramica delle Dolomiti, vorbei an den drei Zinnen, eingerahmt von kahlen Felsen. Auf Facebook gibt es dazu das passende 360°-Panoramabild. Wie es wirklich war, lässt sich auf dem Bild kaum einfangen, genauso wenig, wie unser anschließendes Picknick an einem eiskalten Gletscherbach.

Was sich allerdings einfangen lässt, ist meine Begeisterung über die Tour. Es hat riesigen Spaß gemacht, uns von AWo durch die Alpen führen zu lassen. Je kleiner die Straße auf der Landkarte, desto größer die Chance, Land und Leute (und Kühe) kennenzulernen. Wie soll das erst werden, wenn wir erst mal auf der Panamericana unterwegs sind und nicht „nur“ auf der Panoramica?

Bedauerlich, dass wir die Tour nicht gemeinsam zu Ende bringen konnten. Auf dem Campingplatz unserer letzten Etappe, im Stubaital, waren wir nur noch zu dritt. Dementsprechend ist die Finalisierung unseres kleinen Sprachkurses auch ausgefallen. Alle sind wieder daheim, nur der Discovery steht noch irgendwo in einer kleinen Werkstatt gen Italien und wartet darauf, vom ADAC aufgelesen zu werden. Das kann nur ein bisschen dauern, bis zu vier Wochen haben sie gesagt.

Einziger Wermutstropfen unserer Tour: Wir konnten unseren Sprachkurs „Bayerisch Bierbestellung for Runnaways“ nicht zu Ende bringen. Ich befürchte, ich werde nie erfahren, ob Dietmar, wenn er mal allein auf Andex sein sollte, verdursten muss. Wenn ihr ihn irgendwo dort aufgreifen solltet, seid so gut und spendiert ihm was. Vielleicht a Hoibe. Oder wenigstens  an Schnitt.

 

» mehr Bilder von der Tour findest Du in unserem „Bilderbuch Alpen

Kartoffel-Hack-Auflauf aus dem Dutch Oven

Wer sich für Outdoor-Küche begeistert, der kommt um den Dutch Oven eigentlich gar nicht herum. Die Tradition, im gusseisernen zu kochen, geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Gerüchte sagen, Bud Spencer hätte seinen legendären Bohneneintopf gar nicht in der Pfanne, sondern auch im Dutch Oven gemacht.

Eigentlich kann man im Dutch Oven alles machen, kochen, backen, garen. Ein Spezialist für Outdoor Equipment hat mir neulich auf den Landyfriends Adventure Days einen Crash-Kurs im Kochen mit dem Ungetüm gegeben. Und weil der Kartoffel-Hack-Auflauf auch ganz prächtig sowohl im heimischen Backofen gelingt, als auch Outdoor, gehört das Rezept natürlich hier rein.

Zutaten:
+ 1kg Hackfleisch
+ 1,5kg Kartoffeln
+ 300g Bacon in Scheiben
+ Gemüse nach Wahl
+ BBQ-Rub (z. B. „Magic Dust“ von Ankerkraut)
+ optional: geriebenen Käse zum Überbacken
+ Olivenöl

Aufwand: Sehr wenig
Zubereitungszeit: 20 Minuten, 1,5-2 Stunden Garzeit
Rezept reicht für: wirklich viele Gäste

Zuerst den Dutch Oven mit Olivenöl einbalsamieren. Die Zutaten werden nun, so wie sie sind, im Dutch Oven geschichtet. Zuerst eine Schicht Bacon, dann Hackfleisch, eine dünne Schicht BBQ-Rub, eine Schicht Kartoffeln, in 0,5 cm dicken Scheiben. Und dann wieder von vorne. Bis alle Zutaten aufgebraucht sind. Als letzte Schicht, ganz oben, folgt bei Bedarf eine Schicht Käse, damit alles schön überbacken wird. Das „Gemüse nach Wahl“ kann als zusätzliche Schicht irgendwo eingefügt werden.

Für den Kessel kann man jetzt entweder ein Feuerloch graben oder den Kessel in eine Grillstelle stellen. Unter den Topf kommen 16 Grillbriketts. Exakt sechzehn bitte, die Chefköchin hat dreimal nachgezählt und ich habe geholfen. Topf drauf, Deckel zu, oben nochmal ein paar Briketts nachlegen. Und dann: warten. Je nach Hitze und Inhalt des Topfes vielleicht 1,5 bis 2 Stunden. Je dicker die Kartoffelscheiben, desto länger ist die Garzeit. Die Flüssigkeit aus den Kartoffeln suppt langsam durch und verhindert, dass der Bacon unten anbrät. Alles wird schonend gegart und schmeckt Dank BBQ-Rub richtig nach Outdoor.

Und wenn der Dutch Oven nicht so groß, schwer (10 kg) und sperrig wäre, dann würden wir ihn auch tatsächlich mit auf die Panamericana nehmen. Aber dafür ist nun (leider) wirklich kein Platz mehr!

Tipp: Mehr Rezepte für den Dutch Oven gibt es in der Dutch Oven-Fibel XXL von Anke Schultz

Visum und Reisebestimmungen USA und Kanada

Hier kommt der dritte und letzte Teil unserer Reihe über Visum/Visa und Einreisebestimmungen auf der Panamericana. Heute geht es um Kanada und die USA. Weitere Informationen haben wir für Mittelamerika und Südamerika zusammengefasst.

Was es zu beachten gibt, haben wir (mit Stand Juni 2016) auf Basis der Informationen vom Auswärtigen Amt, ADAC und den Konsulaten hier zusammen gefasst. Da sich gerade die Einreisebestimmungen immer wieder schnell ändern können, empfiehlt sich der vorherige Blick auf die Webseiten des Auswärtigen Amtes.

Visum und Reisepass: Was es in Nordamerika generell zu beachten gibt

Generell sollte der Reisepass beim Roadtrip über die Panamericana noch genügend leere Seiten haben. Dumm, wenn gegen Ende der Reise keine Seiten mehr frei sind. Der Ausweis muss häufig noch mindestens bis zum Ende der Reisezeit gültig sein, in manchen Ländern auch sechs Monate darüber hinaus. Es empfiehlt sich ein Reisepass, der noch mindestens ein Jahr gültig ist. In einigen Ländern benötigen Kinder inzwischen ebenfalls einen eigenen Reisepass. Der Eintrag im Pass der Eltern oder ein Kinderausweis reichen manchmal nicht aus. Deswegen empfiehlt sich auch hier ein eigener Reisepass pro Mensch.

Ein deutscher Reisepass, der bei einer Passbehörde gestohlen gemeldet, aber später wiedergefunden wurde, sollte nicht mehr benutzt werden, da die Ausschreibung in der internationalen Sachfahndung nicht rückgängig gemacht werden kann. Dies kann bei der Weiterreise zu Schwierigkeiten führen.

USA

Deutsche Staatsangehörige nehmen am Visa WaiverProgramm der USA teil und können als Touristen oder zum Transit im Regelfall bis zu einer Dauer von neunzig Tagen ohne Visum in die USA einreisen. Das gilt auch für die Einreise auf dem Landweg von Kanada oder Mexiko. Bei Einreise auf dem Landweg entfällt die Pflicht der Vorlage eines Rück- oder Weiterflugtickets sowie der elektronischen Einreiseerlaubnis (ESTA).

Auch die Erfüllung aller Kriterien zur Teilnahme am „Visa Waiver“ Programm begründet keinen Anspruch auf Einreise in die USA. Die endgültige Entscheidung über die Einreise trifft der zuständige US-Grenzbeamte.

Wer länger als 90 Tage innerhalb eines Kalenderjahres in den USA bleiben möchte, benötigt in jedem Fall ein Visum. Eine kurzzeitige Ausreise, zum Beispiel nach Kanada, unterbricht die 90-Tages-Frist; sie beginnt bei Wiedereinreise jedoch nicht neu! Das benötigte B1/B2-Visum kann im US-Konsulat in Berlin, Frankfurt oder München beantragt werden. Die Kosten belaufen sich momentan auf 144 Euro (160US-$), die bei Nichtgewährung des Visums nicht erstattet werden.

Nach der Online-Beantragung und der Gebührenzahlung kann wiederum via Internet ein Termin im jeweiligen Konsulat vereinbart werden. Vor Ort, wir waren in Frankfurt, müssen nach dem üblichen Security-Check (wie am Flughafen), mehrfach die Fingerabdrücke abgeben werden, der Reisende muss sich identifizieren und ein weniger als sechs Monate altes Passbild bereithalten. Zur Not kann man Fotos auch im Konsulat am Automaten machen. Im Nachfolgenden Interview wird Grund und Länge der Reise abgefragt, ggfs. wird man auch ein bisschen gründlicher durchleuchtet. Letztlich geht es um den Willen, die USA wieder zu verlassen. Da kann es hilfreich sein, auf die Familie, den Job nach der Rückkehr oder anderes zu verweisen, was Dich in Deutschland hält.

Tipp: In Konsulat darf man keine elektronischen Geräte mitnehmen. Smartphone, Fitnessarmband oder Apple-Watch sind nicht erlaubt und müssen im Auto bleiben. Wer am Kiosk im Konsulat einen Kaffee kaufen möchte oder noch Passbilder machen muss (6,- €) sollte Bargeld in der Hosentasche mitnehmen!

Unser Interview hat letztlich keine fünf Minuten gedauert. Die Zusage zum Visum haben wir direkt mündlich bekommen. Die Reisepässe mussten wir dort lassen. Nach wenigen Tagen kommen sie samt eingeklebtem Visum – das dann auch satte 10 Jahre gültig ist – per Post (Einschreiben!) an die im Onlineantrag angegebene Adresse.

Ausführliche Informationen zum B2-Visum für die USA gibt es beim Auswärtigen Amt.

Tipp: Zwischen dem Stellen des Onlineantrags und dem Interview-Termin im US-Konsulat können gut und gerne vier Wochen vergehen. Dazu kommt dann noch die Zeit für den Rückversand der Reisepässe. Reisende sollten sich frühzeitig um ein Visum bemühen.

Kanada

Touristische Aufenthalte bis zu sechs Monaten sind für deutsche Staatsangehörige visumsfrei. Mit Wirkung vom 01.08.2015 wurde in Kanada das eTA-Verfahren (Electronic Travel Authorization) eingeführt. Deutsche Staatsangehörige, die von der Visapflicht für Kanada befreit sind, müssen spätestens ab dem 15.03.2016 im Vorfeld zwingend eine elektronische Einreisegenehmigung einholen, um auf dem Luftweg nach Kanada einreisen zu können. Für Einreisen auf dem Landweg ist dies nicht erforderlich.

Bei Ankunft in  Kanada erfolgt eine Einreisebefragung durch Beamte der Einwanderungsbehörde. Unabhängig von der Visumsfreiheit trifft auch in Kanada der Grenzbeamte die endgültige Entscheidung für die Einreiseerlaubnis oder -verweigerung.

Visum und Reisebestimmungen in Mittelamerika

Teil 2 unserer Inforeihe über Visum/Visa und Einreisebestimmungen auf der Panamericana. Diesmal geht es um alle Länder in Mittelamerika. Die südamerikanischen Länder unseres Roadtrips haben wir in einem Beitrag gestern schon zusammengefasst.

Was es zu beachten gibt, haben wir (mit Stand Juni 2016) auf Basis der Informationen vom Auswärtigen Amt, ADAC und den Konsulaten hier zusammen gefasst. Da sich gerade die Einreisebestimmungen immer wieder schnell ändern können, empfiehlt sich der vorherige Blick auf die Webseiten des Auswärtigen Amtes.

Visum und Reisepass: Was es in Mittelamerika generell zu beachten gibt

Generell sollte der Reisepass beim Roadtrip über die Panamericana noch genügend leere Seiten haben. Beim mehrfachen Grenzwechsel in Mittelamerika kommen im besten Fall eine ganze Reihe von Stempeln dazu – zu denen, die sich seit Südamerika schon im Pass befinden. Dumm, wenn gegen Ende der Reise keine Seiten mehr frei sind. Der Ausweis muss häufig noch mindestens bis zum Ende der Reisezeit gültig sein, in manchen Ländern auch sechs Monate darüber hinaus. Es empfiehlt sich ein Reisepass, der noch mindestens ein Jahr gültig ist. In einigen Ländern benötigen Kinder inzwischen ebenfalls einen eigenen Reisepass. Der Eintrag im Pass der Eltern oder ein Kinderausweis reichen manchmal nicht aus. Deswegen empfiehlt sich auch hier ein eigener Reisepass pro Mensch.

Ein deutscher Reisepass, der bei einer Passbehörde gestohlen gemeldet, aber später wiedergefunden wurde, sollte nicht mehr benutzt werden, da die Ausschreibung in der internationalen Sachfahndung nicht rückgängig gemacht werden kann. Dies kann bei der Weiterreise zu Schwierigkeiten führen.

Reisen im CA-4 Gebiet

Eine Besonderheit gibt es für Reisen im sogenannten CA-4-Gebiet (El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua). Die maximale Reisedauer von 90 Tagen gilt für diese vier Länder zusammen!

Panama

Bei einer Aufenthaltsdauer bis zu 180 Tagen wird kein Visum benötigt. Es muss entweder ein Rückflugticket nach Deutschland oder ein gültiges Weiterreiseticket (Land-/Luftweg) und eine gültige Aufenthaltserlaubnis für das Land der Weiterreise (ein Touristenvisum allein ist nicht ausreichend) vorgelegt werden. Des Weiteren sollte man bei der Einreise nach Panama nachweisen können, ausreichend finanzielle Mittel für den Aufenthalt mit sich zu führen. Dies bedeutet entweder 500,- US-$ in bar oder die Verfügbarkeit der entsprechenden Summe auf dem Kreditkartenkonto (per Kreditkartenkontoauszug nachweisbar).
Für die Ein- und Ausreise aus Panama auf Schiffen jeglicher Art (Frachtschiffe, Segelschiffe, Jachten, Katamarane etc.) gelten Sonderbestimmungen: Bei Einreise wird eine Einreisegebühr in Höhe von 100,- bis 200,- US-$ erhoben.
Achtung: Touristisch Reisende erhalten bei Einreise per Schiff lediglich ein Visum für 72 Stunden. Wer länger als 72 Stunden in Panama bleiben möchten, sollte sich unmittelbar bei der zuständigen Migrationsbehörde im jeweiligen Hafen informieren.

Costa Rica

Deutsche können nach Costa Rica zu touristischen Zwecken für bis zu 90 Tage mit einem Reisepass visafrei einreisen. Ein Anspruch auf die maximale Aufenthaltsdauer besteht nicht, häufig wird eine kürzere Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Die Entscheidung hierüber wird vom Beamten bei der Einreise auf der Grundlage des Rückflugtickets, Aufenthaltszwecks, finanzieller Leistungsfähigkeit etc. erteilt. Reisende müssen ein Rückflugticket/Anschlussticket und einen Finanzierungsnachweis für den Aufenthalt im Land vorlegen. Anträge auf Verlängerung der Aufenthaltsdauer können bei der Ausländerpolizei (Migración) gebührenpflichtig gestellt werden.
Reisedokumente müssen sich in gutem Zustand befinden. Nach costa-ricanischem Recht müssen die Dokumente nur für den Tag der Einreise selbst und den Folgetag gültig sein.
Bei der Einreise auf dem Landweg von Panama und Nicaragua sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sowohl der costa-ricanische Einreisestempel als auch der panamaische bzw. nicaraguanische Ausreisestempel im Reisepass angebracht werden. Gleiches gilt für die Rückreise. Ohne diese Stempel im Pass kann es zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Aus- und Weiterreise kommen, da die Ausländerpolizei in diesen Fällen die Möglichkeit eines illegalen Aufenthalts in Costa Rica prüft und zu diesem Zweck die Pässe bis zu einem Monat einbehält. Es können aus diesem Grund vorübergehende Inhaftierungen erfolgen.

Nicaragua

Für touristische Reisen von bis zu 90 Tagen ist kein Einreisevisum erforderlich. Bei der Einreise wird jedoch der Erwerb einer Touristenkarte verlangt. Diese kostet derzeit 10,- US-$, zuzüglich einer Einreisegebühr von 2,- US-$. Bei der Ausreise wird die Gebühr von 2,-US-$ ebenfalls verlangt.
Die maximale visafreie Aufenthaltsdauer beträgt drei Monate. Eine Verlängerung kann bei der nicaraguanischen Einwanderungsbehörde (Migración) beantragt werden. Die bei Antragstellung vorzulegenden Unterlagen hängen vom Einzelfall ab.

Belize

Ein Visum zur Einreise nach Belize für einen Besuch bis zu 30 Tagen ist nicht erforderlich; bei einem darüber hinausgehenden Aufenthalt bis zu sieben Monaten wird jedoch eine Genehmigung benötigt, die vor Ort beim Immigration Office des betreffenden Distrikts für derzeit etwa 50,- US$ pro Monat beantragt werden kann. Der Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel (75,- USD/Tag) müssen bei der Einreise vorgelegt werden. Die Ausreisegebühr beträgt derzeit 19,- USD für die Ausreise über Land. Eine Einreisegebühr wird aktuell nicht verlangt.

El Salvador

Bei Einreise auf dem Landweg reicht es aus, wenn das Reisedokument am Tag der Einreise noch gültig ist. Für die Einreise nach El Salvador benötigen deutsche Staatsangehörige kein Visum für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen. Bei der Einreise sollte darauf geachtet werden, dass die Dauer, die im Pass eingetragen wird, für den gesamten Aufenthalt eingetragen wird, um eine spätere Verlängerung der Einreisebewilligung zu vermeiden. Für Reisende im sogenannten CA-4-Gebiet (El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua) gilt die Sonderreglung, dass ein touristischer Aufenthalt von maximal 90 Tagen in diesem Raum zulässig ist. Bei Einreise von einem anderen CA-4-Staat erhalten Reisende oftmals keinen Aus- und Einreisestempel (Ausnahme derzeit Guatemala).

Honduras

Deutsche Overland-Reisende erhalten in der Regel bei Einreise an den Grenzen gebührenfrei eine Aufenthaltserlaubnis von 90 Tagen. Für Reisende im sogenannten CA-4-Gebiet (El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua) gilt die Sonderreglung, dass ein touristischer Aufenthalt von maximal 90 Tagen (im Gesamtraum!) zulässig ist. Bei Einreise aus einem anderen CA-4-Staat nach Honduras erhalten Reisende keine Aus- und Einreisestempel. Vorgschrieben bei Einreise nicht-zentralamerikanischer Ausländer auf dem Landweg ist die Zahlung einer Tourismussteuer in Höhe von 3,- US-$ bzw. des Gegenwerts in der honduranischen Währung „Lempiras“.

Guatemala

Für deutsche Staatsangehörige ist mit Reisepass ein visafreier Aufenthalt in der sog. „CA-4“- Region Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua bis zu insgesamt 90 Tagen möglich. Die Aufenthaltserlaubnis wird kostenfrei bei der Einreise erteilt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Reisepass mit einem Einreisestempel versehen wird. Eine Verlängerung von 90 Tagen kann bei der Einwanderungsbehörde beantragt werden.

Mexiko

Deutsche Staatsangehörige können ohne vorherige Einholung eines Visums einreisen. Sie erhalten bei der Einreise nach Mexiko an Grenzstellen eine Touristenkarte (genannt „FMT“). Bei Grenzübertritt wird die Karte gestempelt und der Gültigkeitszeitraum eingetragen. Dabei sollte auf die Gültigkeitsdauer geachtet werden, um späteren Aufwand zur Verlängerung zu vermeiden. Eine spätere Verlängerung auf bis zu sechs Monate kann bei der zuständigen Behörde in Mexiko (Instituto Nacional de Migración) beantragt werden. Jedoch besteht darauf kein Anspruch.
Die beim Reisenden verbleibende Ausfertigung der Touristenkarte sollte sicher verwahrt werden, sie muss bei der Ausreise aus Mexiko vorgelegt werden. Bei Verlust muss spätestens bei Ausreise gegen Gebühr eine neue Karte erworben werden (umgerechnet ca. 20 Euro).

Visum und Reisebestimmungen in Südamerika

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass man mit dem Pass der Bundesrepublik Deutschland die meisten Staaten ohne Visum bereisen darf. „Deutsche besitzen die mächtigsten Reisepässe der Welt“ stand in dem Artikel. Das ist – zumindest aus meiner Sicht – nicht ganz korrekt. Denn man muss zwar kein Visum in der jeweiligen Landesvertretung in Deutschland beantragen, sondern bekommt die Einreisegenehmigung in der Regel direkt vor Ort an der Grenze. Aber achtgeben sollte man trotzdem. Egal wo man es beantragt. Denn die Einreise kann mit entsprechenden Auflagen versehen sein. Und das jeweilige Visum oder die Aufenthaltsgenehmigung ist an unterschiedliche Bedingungen geknüpft.

Was es zu beachten gibt, haben wir (mit Stand Juni 2016) auf Basis der Informationen vom Auswärtigen Amt, ADAC und den Konsulaten hier zusammen gefasst.

Visum und Reisepass: Was es in Südamerika generell zu beachten gibt

Generell sollte der Reisepass beim Roadtrip über die Panamericana noch genügend leere Seiten haben. Beim Grenzwechsel zwischen Argentinien und Chile kommen im besten Fall eine ganze Reihe von Stempeln dazu. Dumm, wenn gegen Ende der Reise keine Seiten mehr frei sind. Der Ausweis muss häufig noch mindestens bis zum Ende der Reisezeit gültig sein, in manchen Ländern auch sechs Monate darüber hinaus. Es empfiehlt sich ein Reisepass, der noch mindestens ein Jahr gültig ist. In einigen Ländern benötigen Kinder inzwischen ebenfalls einen eigenen Reisepass. Der Eintrag im Pass der Eltern oder ein Kinderausweis reichen manchmal nicht aus. Deswegen empfiehlt sich auch hier ein eigener Reisepass pro Mensch.

Uruguay

Deutsche Touristen benötigen bei Einreise mit gültigem Reisepass für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen kein Einreisevisum. Grundsätzlich kann kurz vor Ablauf der 90 Tage eine einmalige Verlängerung des Aufenthalts bei der Einwanderungsbehörde in Uruguay beantragt werden.
Für eine weitere Verlängerung muss – je nach Aufenthaltszweck – eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis beantragt werden.

Argentinien

Deutsche Staatsbürger können bis zu 90 Tage als Touristen visafrei nach Argentinien einreisen. Eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bis zu insgesamt sechs Monaten ist vor Ort möglich. Es besteht jedoch kein Anspruch darauf.

Chile

Für einen kurzfristigen Aufenthalt zu Tourismus- oder Besuchszwecken ist kein Visum erforderlich. Bei der Einreise wird an der Grenze kostenlos eine „Tarjeta de Turismo“ (Touristenkarte) ausgestellt, die zu einem Aufenthalt von maximal 90 Tagen berechtigt.

Wichtig: Die „Tarjeta de Turismo“ muss beim Verlassen des Landes zurückgegeben werden!
Bei Verlust oder Diebstahl muss daher vor Ausreise von der „Policía Internacional“ in Santiago bzw. in anderen Regionen von der „Policía de Investigaciones“ eine Ersatzkarte ausgestellt werden.

Der Aufenthalt kann gegen eine Gebühr von 100,- US$ einmalig um 90 Tage verlängert werden. Zuständig sind hierfür das „Departamento de Extranjería“ in Santiago bzw. in anderen Regionen die jeweilige „Gobernación Provincial“.

Bolivien

Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen touristischen Aufenthalt kein Visum. Sie können sich insgesamt 90 Tage pro Kalenderjahr visumsfrei in Bolivien aufhalten, wobei mehrfache Ein- und Ausreisen gestattet sind.

Bei Einreise wird in der Regel ein Einreisestempel mit dem Einreisedatum im Pass eingetragen, jedoch oft kein Gültigkeitsdatum. Die Grenzkontrollen sollten auf dem Landweg nicht einfach durchfahren werden. Bei der Ausreise fehlt dann der Einreisestempel und die Registrierung; im schlimmsten Fall risikiert man Strafzahlungen wegen illegalem Aufenthalt.

Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass deutsche Touristen zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für 30 Tage erhalten, die dann noch zweimal – für jeweils 30 Tage – bei der Migrationsbehörde kostenlos verlängert werden kann. Panamericana-Reisende, die sich länger als 30 Tage in Bolivien aufhalten und kein Gültigkeitsdatum bei Einreise in den Pass gestempelt bekommen haben, sollten sich daher zwecks Festschreibung der Gültigkeit, bzw. Verlängerung des Aufenthalts bei der Migrationsbehörde (migración) melden, um Schwierigkeiten bei der Ausreise zu vermeiden.

Peru

Touristen mit deutscher Staatsangheörigkeit können sich bis zu 183 Tage in Peru aufhalten. Die vorherige Beantragung eines Visums ist für einen touristischen Aufenthalt nicht erforderlich, dieses wird bei Einreise in Form einer Einreisekarte („Tarjeta Andina de Migración“) erteilt.

Bbei Einreise auf dem Landweg sollte unbedingt das Einreisedatum durch einen Stempel der Grenzbehörde im Pass und auf der Einreisekarte dokumentiert und sichergestellt werden, dass die Einreise auch in elektronischer Form im System erfasst wird. Andernfalls wird von einem illegalen Aufenthalt ausgegangen, der zu erheblichen Problemen bei der Ausreise und im ungünstigsten Fall zu einer kostenpflichtigen Abschiebung führen kann.

Da einige Grenzübergänge wie etwa in Puno (bei Einreise aus Bolivien) nachts nicht besetzt sind und folglich die o. g. Einreiseformalitäten nicht erfüllt werden können, sollte bei der Reiseplanung unbedingt darauf geachtet werden, dass die Einreise tagsüber erfolgt.

Ecuador

Für touristische Aufenthalte in Ecuador (bis zu 90 Tage pro Jahr) müssen deutsche Staatsangehörige vor Reiseantritt kein Visum einholen. Vom 1. Tag der ersten Einreise an wird das Jahr für den Aufenthaltszeitraum von 90 Tagen gerechnet. Es gilt also nicht das Kalenderjahr.

Die Einreise mit beschädigten Reisepässen kann zur Zurückweisung durch die Grenzpolizei führen. Der Einreisestempel ist obligatorisch, auch bei Einreise über die Landgrenze von Peru oder Kolumbien. Bei Verstoß gegen ecuadorianisches Aufenthaltsrecht muss mit empfindlichen Strafen gerechnet werden, bei fortgesetztem illegalen Aufenthalt auch mit Abschiebehaft. Der Pass oder eine Passkopie muss stets mitgeführt werden. Außerdem wird empfohlen, auch eine Kopie des Einreisestempels mit sich zu führen.

Kolumbien

Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen rein touristischen Aufenthalt in Kolumbien kein Visum. An den Grenzübergangsstellen wird von der Immigrationsbehörde „Migración Colombia“  per Stempel im Reisepass die Aufenthaltsdauer festgelegt. Reisende sollten daher bei der Einreisekontrolle die Grenzbeamten bitten, eine Aufenthaltsdauer zu genehmigen, die den angestrebten Aufenthaltszeitraum (+Puffer für ungeplante Aufenthaltsverlängerungen wie Pannen oder Krankheut) abdeckt, was in der Regel auch erfolgt. Die zunächst maximale Aufenthaltsdauer beträgt 90 Tage, verlängerbar um weitere 90 Tage.

Reisende, die über die genehmigte Aufenthaltsdauer hinaus im Land bleiben wollen, müssen rechtzeitig vor Ablauf des bereits genehmigten Zeitraums bei der Migración Colombia eine (gebührenpflichtige) Verlängerung beantragen. Migración Colombia ist in allen größeren Städten des Landes vertreten.

Und für andere Staatsangehörige?

Und wir sieht es für andere Staatangehörigkeiten aus? Für Schweizer, Österreicher oder Niederländer? Erzählt uns von Euren Erfahrungen und Tipps für die Reise in Südamerika hier in den Kommentaren!

Sitzecke und Notbett

Mit großem Staunen haben wir letzte Woche in Peißenberg den Offroad VW Crafter von Lisa aus München („Hallo, wenn Du hier mitliest!„) von innen besichtigt. Der Crafter, wie auch so man anderes großes Reisemobil bietet doch viel, viel, viel mehr Platz, als unser kleiner Defender. Hochdach, Sitzecke, Kochstelle, bequeme Liegesitze, Dachterrasse – was es nicht alles gibt. Aber manchmal, wenn man genau hinschaut, dann entpuppt sich der „kleine“ Defender zum wahren Raumwunder. Das sagen zumindest manche, die einen Blick in unser Reisemobil werfen.

Sitzecke – perfekt gepolstert

Auf unsere zwei Staufächer auf der Beifahrerseite haben wir uns vom Aachener Schaumstoffcenter zwei Sitzkissen passgenau anfertigen lassen. Wobei, es sind ja nicht wirklich zwei, sondern eher ein klappbares. Wie unsere Matratze im Hubdach besteht das Sitzkissen aus zwei einzelnen Kissen, die in der Mitte zusammengenäht sind. So lässt sich das Sitzkissen praktisch auf die Hälfte reduzieren und wir kommen an die Staufächer darunter, ohne immer das ganze Kissen herausnehmen zu müssen. An der rechten vorderen Ecke hat das Kissen zudem noch eine kleine Ecke, damit die Luft aus der Standheizung auch ordnungsgemäß ihren Weg in den Innenraum findet.

Im Bezug steckt ein Kaltschaum-Kern mit 6 cm Dicke. Das ist die Hälfte unserer sehr komfortablen Matratze im Hubdach; zum Sitzen sollte das locker reichen. Und für eine paar Nächte in unserem 1-Mann-Notbett ebenso.

Sitz- und Liegepolster für den Defender

Sitz- und Liegepolster für den Defender

Notbett für ein paar Nächte

Obwohl das Bett im Defender-Dach schon ziemlich großzügig bemessen ist, kann es ja durchaus mal sein, dass wir das Bett nicht gemeinsam teilen wollen. Sei es, weil einer krank ist oder weil man auf die Couch im Wohnzimmer verbannt wird. Soll ja alles schon vorgekommen sein. Zumindest für den ersten Fall, haben wir noch ein Notbett. Im Fußboden des Defenders ist eine Platte verlegt, die sich an einer Schlaufe ganz einfach herausgeben lässt. Auf zwei Schienen an den Staufächern rechts und am Schrank links kann die Platte genau auf Höhe der Boxen auf der Beifahrerseite wieder eingelegt werden.

Zusammen mit zwei weiteren Sitzpolstern, die in etwa die gleiche Breite und Länge wie die Sitzpolster auf den Stauboxen auf der Beifahrerseite haben, ergibt sich eine zusätzliche Liegefläche. Zumindest in der Breite. Nach hinten raus ist der Platz wegen der Kühlbox schon ein wenig eingeschränkt. Aber wer braucht schon so viel Platz für die Füße?

Das Notbett, wenn es oben mal zu eng wird

Variable Sitzkissen

Das Schöne an den klappbaren Sitzkissen ist die Variabilität. Sie können nahezu beliebig geklappt, gedreht und gestapelt werden. So sind sie (hoffentlich) nicht permanent im Weg. Und sie können zum Beispiel auch als Rückenlehne für die Sitzbank dienen. Oder als Outdoor-Matratze, wenn wir mal schnell irgendwo ein Sitzpolster brauchen und nicht gleich die Oztent-Stühle vom Dach holen wollen.

Erstaunt hat und schon, was man bei einem Schaumstoffspezialisten so alles machen lassen kann. Wir haben uns gemeinsam das Auto innen angeschaut, erzählt, was wir vorhaben und  Jacques vom Schaumstoffcenter hat alles absolut passgenau angefertigt, genäht und eingepasst. Das hat zwar seinen Preis, der nicht vergleichbar ist mit irgendeinem Sitzkissen aus dem Baumarkt, aber genau diesen Preis war es uns auch wert. Dafür haben wir jetzt auch genau das, was wir wollten. So kommen wir dann hoffentlich auch ganz gut mit unserem arg begrenzten Platz hin – gemütlich ist es jedenfalls schon mal!

Frisch- und Trinkwasser für unterwegs

Frisch- und Trinkwasser ist ein allgegenwärtiges Thema. Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir eben nicht an jeder Ecke Wasser der gleichen Qualität bekommen, wie in Deutschland oder Europa. Daheim sind wir es gewohnt und verlassen uns darauf, dass wir das Glas unter den Wasserhahn halten und erstklassiges, sauberes Wasser bekommen. Dass das schon in anderen europäischen Ländern nicht immer so sein muss, das kann man dann an der Häufigkeit der Toilettengänge abzählen.

Wenn Wasser nicht offensichtlich trinkbar ist („Água potável“), dann bleibt eigentlich nur die Desinfektion. Dafür nehmen wir Micropur mit. Micropur enthält Silberchlorid und Natriumdichlorisocyanurat. Letzteres setzt Chlor frei, das das Wasser innerhalb etwa einer halben Stunde (bis 2 Stunden) von den meisten Keimen, Bakterien und Viren befreien. Das funktioniert jedoch nur mit klarem Wasser, da sich die Verunreinigungen gerne an den Schwebstoffen festklammern. Demnach muss trübes Wasser zunächst gefiltert werden. So schlimm wird es aber hoffentlich nicht kommen.

Micropur ist letztlich ein Biozid und sollte entsprechend sorgsam verwendet werden. Daher setzen wir es natürlich nur dann ein, wenn wir kein Trinkwasser abfüllen können.

Trinkwasser-Vorrat im Armeesack

Wenn es denn mal eine gute Trinkwasser-Quelle (nicht, aber auch wortwörtlich) gibt, dann decken wir uns natürlich auch entsprechend ein. Dafür haben wir zwei Weithalskanister von Hünersdorff mit je 10 Litern Fassungsvermögen und einen Schweizer Armee Wassersack mit 20 Litern dabei. Beide sind für Trinkwasser geeignet, sodass unser Wasservorrat mit 40 Litern schon mal eine gute Grundlage hat.

Für den Schweizer Armeesack gibt es bei der Wasserziege (www.wasserziege.ch) einen genialen Duschschlauch. Der hat zwar seinen Preis, ist aber durch die Erwärmungsfunktion des Wassersacks echt sein Geld wert. Einfach zum Aufwärmen in die Sonne legen und dann duschen!

Dazu haben wir auch noch die beiden Zusatztanks, die wir außen mitführen. Einer davon ist für Diesel gedacht, der andere für Wasser. Das ist dann zwar nicht als Trinkwasser geeignet, aber duschen und waschen kann man damit.

Und wenn es gar nicht anders geht, also wenn wir kein Trinkwasser auf dem Campingplatz oder an der Tankstelle bekommen, dann müssen wir halt in den Supermarkt und uns dort mit möglichst großen Wasserkanistern eindecken.

Zusatztanks außen am Defender; einer ist für Wasser gedacht.

Zusatztanks außen am Defender; einer ist für Wasser gedacht.

Schweizer Armee Wassersack

Schweizer Armee Wassersack

Gnocchi-Pfanne

Gestern Abend haben wir ein bisschen für die Outdoor-Küche geübt. Bedingungen: es muss einfach, schnell und auch auf dem Spiritus-Kocher machbar sein. Herausgekommen ist eine total leckere Gnocchi-Pfanne, die wir Euch nicht vorenthalten möchten.

+ 400g frische Gnocchi
+ 4 TL Pesto
+ 150g Parmesan
+ eine handvoll Cherrytomaten
+ grober Pfeffer
+ Olivenöl

Aufwand: Sehr wenig
Zubereitungszeit: 10 Minuten
Rezept reicht für: 2 Personen

Die Gnocchi im Olivenöl in einer Pfanne auf dem Brenner oder offenen Feuer leicht anbraten, mit Parmesan und Pesto vermengen. Nochmal kurz anbraten, bis der Käse geschmolzen ist. Kräftig Pfeffern und mit ein bisschen grob geraspeltem Parmesan bestreuen. Darüber kommen noch die kalten Tomaten. Und dann: einfach aus der Pfanne essen.

Je nach Geschmacksrichtung kann man natürlich jedes im Supermarkt erhältliche Pesto nehmen; oder selbst eines machen. Dazu vielleicht noch ein kleiner grüner Salat. Schmeckt ziemlich lecker und ist in 10 Minuten fertig. Guten Appetit!

Landyfriends Adventure Days

Ein Pflichttermin vor unserer Abfahrt waren die Landyfriends Adventure Days im Mammutpark. Wegen unseres zusammen gesackten Terminplans konnte Michaela leider nicht mitkommen. Ich dürfte mich also allein ins Abenteuer stürzen. Wobei, so richtig allein ist man ja auf so einer Veranstaltung eh nicht. Außer vielleicht, Deutschland spielt gerade bei einer EM …

Circa 60 Autos waren angekündigt, gezählt habe ich nicht, aber es werden so um die 40 Landrover, zum größten Teil Defender, gewesen sein, die dem angekündigt schlechten Wetter getrotzt und den Weg nach Stadtoldendorf eingeschlagen haben. Stadtoldendorf? Warum trifft man sich denn da? Nun, wegen des Mammut-Offroadparks, in dem man nicht nur vortrefflich sein 4×4-Fahrzeug im Schlamm versenken, sondern auch campen, lagerfeuern und fachsimpeln kann. Und es gab natürlich jede Menge Autos zu bestaunen und Ideen, man am eigenen Fahrzeug umsetzen kann.

Der Rally Dakar-Defender auf den Landyfriends Adventure Days im Mammutpark

Der Rally Dakar-Defender auf den Landyfriends Adventure Days im Mammutpark

Landyfriends im Mammutpark

Mal ein kleiner Exkurs zum Mammutpark: Inzwischen haben wir viele Campingplätze gesehen. Und vielleicht liegt es auch daran, dass der Mammutpark eigentlich gar kein richtiger Campingplatz ist. In jedem Fall muss mal gesagt werden, dass es sich wirklich lohnt, dahin einen Abstecher zu machen, wenn man in der Nähe ist. Toll gelegen, sauber, aufgeräumt, mit Restaurant und Jeroen Jansen gibt sich wirklich alle Mühe, den Gästen den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen. Punkt. Exkurs Ende.

Zurück zu den LFAD. Ratschen, quasseln, lagerfeuern. Und zwischendrin immer mal wieder einen Kaffee aus der Kaffee-Flat, ein frisch gezapftes Bier oder ein Ausflug ins Gelände. Da war ich mit „El Gordo“ nun nicht. Vor der Reise wollte ich nichts mehr riskieren. Andere dafür umso häufiger und heftiger. Bis zur Unterkante Frontscheibe; sprichwörtlich.

Begegnungen

Die Landyfriends sind eine ziemlich eingeschworene Truppe. Die meisten kennen sich schon lange und seit vielen Jahren. Benzingespräche und Insider sind allgegenwärtig, tun der Stimmung aber keinen Abbruch. Und zwischen den Diskussionen über die richtigen Reifen, Steckachsen und Kreuzgelenke (was ja nicht so unbedingt meine Themen sind), bleibt immer noch viel Platz für Begegnungen und bleibende Erinnerungen.

So wie an Renate und Claus. Die beiden sind mit ihrem Defender im Osten unterwegs: Russland, Usbekistan, vor allem Mongolei, diese Richtung. Enorm spannend, was die beiden erzählt haben. Und jede Menge Tipps rund um erfolgreiche Bestechung von russischen Verkehrspolizisten haben sie gleich mitgeliefert.
Wir haben uns mal locker für 2018 in der Mongolei verabredet – man kann ja nie wissen. Das war definitiv eine der Begegnungen, die in Erinnerung bleiben – schön, Euch getroffen zu haben!

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Allein auf weiter Flur

Am Ende blieben viele Eindrücke. Auch ein ganz besonderer, weil einsamer. Sonntag Abend spielte Deutschland gegen die Slowakei bei der EM (3:0). Dementsprechend wurde es Nachmittags schlagartig leer im Mammutpark.  Ich bin noch eine Nacht länger geblieben, weil wir am Montag einen Termin beim Reise Know-How-Verlag in Bielefeld hatten (mehr dazu später). Ergo: Keiner mehr da außer mir, El Gordo und NDR2. Und WLAN gab es auch nicht. Als Fussball nur als Public Listening im Radio. Und endlich mal Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten, einem Blick in das Handbuch der Kamera zu werfen und den Sonnenuntergang zu genießen.

Landyfriends Adventure Days. Die gibt es jedes Jahr. Im nächsten Jahr ohne uns. Im übernächsten vielleicht auch noch. Aber 2019, da sind wir auf jeden Fall wieder mit dabei. Dann zu zweit. Ich freue mich drauf!

 

Zwischenbericht Reisevorbereitungen

Auf einmal geht alles dann doch ganz schnell. Nachdem die Reederei unser Schiff immer weiter nach hinten verschoben hat und wir statt wie geplant Mitte September nun Ende Oktober hätten abfahren sollen, haben wir mit ein bisschen Geschick und Muße umgebucht und fahren jetzt doch Anfang September. Aktuell zeigt der Timetable unseres Frachtschiffes Grande Angola den 6.9.2016 als Estimated Time of Departure an. Mal schauen, ob es dabei bleibt….

Mit einem Schlag ist uns dann klar geworden, dass doch nicht mehr so viel Zeit bleibt, um alles zu erledigen und alle Reisevorbereitungen zu treffen. Auf einmal sind es nicht mehr 130 Tage, sondern nur noch 80. Stand heute sogar nur noch 75. Irgendwie kommt es uns so vor, als hätten wir uns selbst überrumpelt. Kein Countdown in den zweistelligen Bereich. Zack, einfach 50 Tage weniger! Klar, wir freuen uns absurd kindisch – inklusive kleinem Tänzchen in der WG-Küche – darüber, dass es bald los geht. Aber es ist auf einmal so real geworden. Wenn Du Dich einmal auf einen Zeitplan eingestellt hat und ihn Dir selbst zunichte machst, dann hat das halt Folgen.

Wir haben also direkt angefangen, einzelne Sachen und Termine oder Verabredungen umzuplanen. Gerd und Vera nochmal in Berlin besuchen: (voraussichtlich) gestrichen. Willys Fernreisetreffen Anfang September: gestrichen. Besuch hier, Treffen dort: alles, was wir für September und Oktober geplant hatten: gestrichen. Total schade, weil wir uns ja doch gefreut hätten, den ein oder anderen nochmal zu sehen und wir wissen jetzt, dass das vielleicht nicht mehr klappen wird …

Und viele Dinge, die wir ganz gemütlich angehen wollten, lassen uns zwischenzeitlich in puren Aktionismus verfallen. Vieles lässt sich zwar regeln, nichtsdestotrotz will auch das gut geplant sein, weil wir in den kommenden Wochen immer zwischen Augsburg und Aachen hin- und herpendeln wollen oder müssen. Einige Sachen lassen sich halt hier oder dort nur vor Ort erledigen. Und wirklich doof wird es bei den Reisevorbereitungen immer dann, wenn wir die Sachen nicht selbst im Griff haben oder überrascht werden. Zum Beispiel mit der Drohne.

Drohne

Mit auf die Reise soll(te) unsere Kamera-Drohne (Phantom3) gehen, damit wir ein paar schöne Fotos von oben machen können. Klar, man darf nicht überall damit rumfliegen und wir wären nie auf die Idee gekommen, mit der Drohne über dem Machu Picchu oder mitten in der Stadt zu kreisen. Dass Drohnen aber gänzlich verboten sein könnten, damit hatte ich nicht gerechnet. Dank Francis‘ Übersicht „Drohnen-Gesetze in 78 Ländern“ versuchen wir uns jetzt mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der IHK abzustimmen, was wir in welchen Ländern dürfen oder zu erwarten hätten. Und die IHK verweist just heute auf die Aussenhandelskammern (Mehrzahl) aller Länder, die wir bereisen. Man kann sich vorstellen, was ich gerade denke …
Schade, wenn wir die Drohne nicht mitnehmen könnten. Momentan schätze ich die Chancen auf 30:70.

Versicherung Auto

Was für ein leidiges Thema. Eine Kasko-Versicherung für Süd- oder Mittelamerika zu bekommen, ist nahezu aussichtslos. Daran werkeln wir jetzt schon seit Monaten herum. Unzählige Ansprechpartner, kein Ergebnis. Heißt: Ist das Auto weg, dann ist es weg. Kein Ersatz.
Dazu kommt jetzt auch noch das Problem mit der heimischen Versicherung. Wir sind bisher davon ausgegangen, dass wir die deutsche Versicherung ruhend stellen können, sobald das Auto den Kontinent verlassen hat. Denn die Versicherung zahlt es nichts mehr, wenn wir uns in anderen Ländern befinden. Was vor kurzem noch einfach war, ist heute nicht mehr möglich. Und obwohl der Fall fast bis zum Vorstand des Versicherungskonzerns hocheskaliert wurde, lässt sich da niemand erweichen. Eigentlich müssten wir jetzt die Versicherung wechseln. Dafür bleibt aber keine Zeit. Wir suchen also noch nach einer vernünftigen Lösung.

Praktikum in der Landrover-Werkstatt

Darauf hatte ich mich bei der ganzen Reisevorbereitung mit am meisten gefreut. Ich wollte noch unbedingt ein einwöchiges Praktikum beim freundlichen Landrover-Schrauber machen. Der Schrauber meines Vertrauens ist Ingo und sein Team von der Landygarage Lubert in Düren. In wo? Düren! Mittig zwischen Aachen und Köln gelegen. Gut, das hört sich nicht gerade nach einem Mekka für Defender-Fahrer an. Aber der Weg zu Ingo hat sich für mich immer gelohnt. Zuerst wegen entsprechender Empfehlungen, heute fahre ich aus tiefster Überzeugung dahin!
Es spricht ja auch für sich, dass Ingo mir angeboten hat, ein kleines Praktikum bei ihm in der Werkstatt zu machen, damit ich unterwegs mehr am Auto tun kann, als Reifen wechseln und Wischwasser nachfüllen. Das muss ich jetzt auch noch irgendwie im Zeitplan unterbringen (siehe oben: pendeln).

Unsere Reisevorbereitungen: Getting things done

Das sind nur drei Dinge, die uns momentan bewegen. Natürlich gibt es auch noch so profane Aufgaben wie Klamotten kaufen, Auto testen (aus dem Nordkap sind die Alpen geworden), Technik im Auto verbauen (WLAN-Extender, 3G-Hotspot, etc.), packen, packen, packen. Und Freunde treffen. Es muss halt alles erledigt werden. Genauso wie vorher auch, nur in doppelter Geschwindigkeit. Denn was nicht erledigt ist, bleibt liegen. Sind wir erstmal auf dem Schiff, dann ist es zu spät.

Die Zeit läuft – noch 81 oder 135 Tage?

Der letzte Arbeitstag liegt hinter mir. Hinter Michaela schon lange. Hase1 kümmert sich schon seit geraumer Zeit vermehrt um die Reiseplanung. Für mich hat nun auch eine neue Zeitrechnung angefangen. Morgen habe ich nichts mehr zu tun. Zumindest nicht das, womit ich die letzten 18 Jahre meines Lebens verbracht habe: in und für meine Mitarbeiter, meine Kunden und meine Firma zu leben. Morgen früh kann ich aufstehen und nicht mehr ins Büro fahren. Vielleicht radle ich zum Bäcker. Vielleicht auch nicht. Vielleicht schaue ich Barbara Salesch im Wohnzimmer unserer Zwischen-WG. Vielleicht auch nicht. Vielleicht tue ich einfach mal nichts. Kaum vorstellbar.

Das ist tatsächlich kaum vorstellbar. Denn die Umgebungsvariablen unserer Reise ändern sich diese Woche vielleicht; und damit unsere gesamte Zeitplanung. Aber von vorn.

Die Grimaldi-Reederei und ihr Fahrplan

Anfang vergangener Woche hat uns Grimaldi mitgeteilt, dass unser Schiff (voraussichtlich!) erst am 31.10.2016 ab Hamburg abfahren wird. Das war ein echter Schock! Denn das ursprünglich angepeilte Abreisedatum lag Mitte September, also sieben bis acht Wochen früher. Ihr könnt Euch vorstellen, dass da auf einmal ganz viel Frust in der Luft lag!

Grimaldi Schedule

Grimaldi Schedule

Zum einen passt das überhaupt nicht in unsere Reisepläne. Eigentlich ist es ja egal, wann wir in Südamerika ankommen. Wir haben ja erstmal nichts vor. Aber wir können nicht „irgendwann“ nach Alaska fahren. Schon im September liegt die mittlere Temperatur in Prudhoe Bay (Alaska), dem Endpunkt unserer Reise  nur noch knapp über dem Gefrierpunkt (tagsüber!). Im Oktober kann es schon deutlich unter die -10°-Grenze gehen. Prudhoe Bay liegt auf dem 70. Breitengrad und damit ziemlich genauso nördlich wie das Nordkap; unter anderem bedingt durch die Nähe zur Eisgrenze des Nordpolarmeeres, ist es im Schnitt aber um einige Grade kälter. Die optimale Reisezeit für ganz Alaska insgesamt liegt in den Monaten Juli und August. Und das möchten wir natürlich nicht verpassen. Wenn sich nun unsere Abfahrt nach Südamerika bis Ende Oktober verschiebt, dann bleiben uns bei Ankunft in Montevideo Ende November nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr von Ushuaia bis Prudhoe Bay. Das hatten wir anders geplant.

Zum anderen feiere ich Ende Oktober meinen 40. Geburtstag. Und seit Beginn der Reiseplanung bin ich immer davon ausgegangen, meinen runden Geburtstag auf einem Frachtschiff mitten auf dem Atlantik zu verbringen. Nicht, dass das wichtig wäre. Aber gefreut habe ich mich schon darauf …

Aus 135 Tagen werden 81

Letztlich ist bis Ende Oktober noch soviel Zeit, dass wir fast davon ausgehen, dass auch der 31.10. nicht zu halten ist. Irgendwann im November wollten wir dann also doch nicht fahren. Also haben wir uns mit der Reederei in Verbindung gesetzt. Ein Telefonat und zwei E-Mails später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und versetzt uns in leichte Panik. Das aktuelle Angebot: statt Ende Oktober auf der Grande Sao Paolo könnten wir auch am 6. September 2016 mit der Grande Angola fahren.

Und das bringt uns jetzt wirklich durcheinander. Denn mit Anfang September hätten wir jetzt auch wieder nicht gerechnet. Zumal wir vier Tage später, am 10.09. mit Freunden und Familie eine kleine Abschiedsparty feiern wollten. Theoretisch wäre der neue Zeitplan toll! Unsere eigenen Termine haben wir bis Ende August geplant. Danach ist eigentlich gähnende Leere. Die freie Zeit im September wollten wir nutzen, um noch ein Praktikum in einer Landrover-Werkstatt zu machen, die letzten Formalitäten zu klären und hie und da noch ein paar Freunde zu einem letzten Glas Wein vor der Reise zu treffen. Das gerät jetzt alles ganz schön durcheinander.

Klar, wir rechnen auch nicht damit, dass der 06.09.2016 gehalten wird. Auch die Abfahrt der Grande Angola wird sich nochmal um ein paar Tage nach hinten verschieben. Insofern sollte wenigstens der Party nichts im Wege stehen. Und wenn doch, dann müssen halt alle eingeladenen ohne uns unsere Reise feiern. Auch nicht schlecht …

Für uns wird alles auf einmal sehr konkret. Raus aus dem Job und quasi schon rauf aufs Schiff. Diese Woche werden wir uns entscheiden. Alles, was noch niet- und nagelfest gemacht werden muss, wollen wir bis Freitag klären: Versicherungen, Krankenkassen, Reisedokumente. Und wenn am Freitag alles geregelt ist oder regelbar erscheint, dann stelle ich den Countdown auf der Startseite von 135 auf 81 Tage.

Abenteuer Allrad 2016

Abenteuer Allrad – das ist DER Treff für Overland-Reisende schlechthin. Im vergangenen Jahr waren wir nicht in Bad Kissingen. Nicht, weil wir den Termin verpasst hätten, sondern weil wir einfach noch keine Overland-Reisenden waren. Das ist inzwischen vorbei und deswegen war die Abenteuer Allrad in diesem Jahr Pflichttermin.

Abenteuer Allrad 2016

Zusammen mit Nik und AWo sind wir im Mini-Konvoi schon am Mittwoch Nachmittag angereist. Weil, man soll ja früh da sein, um ein möglichst nettes Plätzchen zu ergattern. Die Idee hatten wohl so einige. Denn trotz der Anreise am Vortag der Messe-Eröffnung lag unser Platz, an dem wir uns mit den Landyfriends treffen wollten, so ziemlich in der hinterletzten Ecke des Campgrounds direkt an der Saale. Letztlich tat die Lage unseres Parkplatzes dem ganzen Wochenende keinerlei Abbruch. Ganz im Gegenteil: da hinten war relativ wenige Durchgangsverkehr. Obwohl: Der ein oder andere hatte sich hierhin doch eher verfahren und musste dann mit dem Bulldog wieder rückwärts rausgezogen werden. „Ganz hinten“ war nur in einer Hinsicht schlecht: Die Dixie-Klos. Davon gab es deutlich zu wenige, in unserer Ecke nur vier. Und die waren auch relativ schnell voll. Voll und abgelegen von der nächsten geteerten Straße, dass sie offensichtlich nicht mehr geleert werden konnten. Wie mein Vater hie und da zu sagen pflegt: „Eigener Herd ist Goldes wert, eigenes Klo ebenso!“. Für uns also die beste Chance, unsere mobile Toilette auf Herz und Nieren zu testen. Vom Ergebnis möchte ich hier aber lieber schweigen. Nur soviel: Gut, dass es sie gibt :-)

Zurück zur Abenteuer Allrad: Über 60.000 Besucher sollen da gewesen sein. Über 1.200 Fahrzeuge auf dem Campground. Unglaublich. Das sind inzwischen Dimensionen … Auf der Messe tummeln sich allerlei Anbieter vom Fahrzeugausrüster (z. B. Nakatanenga oder gmb) über Reiseanbieter bis hin zu Fahrzeugbauern. Letztere waren – zumindest gefühlt – klar in der Überzahl. Natürlich können (bzw. müssen) sich Anbieter von Reisemobilen der Preisklasse um 250.000 Euro (u. a. Bliss Mobil oder Excap) die größten Stände leisten. Kleiner Anbieter gehen da dann leider schnell unter. So haben wir zum Beispiel keinen Stand gefunden, an dem wir uns mit Wasserkanister eindecken konnten. Aber alles in allem ist die Auswahl schon Ehrfurcht erregend!

„Nimm kein Geld mit!“

Nimm kein Geld mit!„, hat der Dietmar vorher noch leicht süffisant zu mir gesagt. „Nimm bloß kein Geld mit!„. Schon bei unserem ersten Besuch auf der Messe am Donnerstag sind wir nicht weit gekommen, ohne Geld auszugeben. Klar, das war auch Sinn der Sache. Auf Messen gibt es häufig Messepreise und man kann kräftig sparen. So sind wir endlich zu den begehrten Oztent-Stühlen gekommen. Den „Oztent King Goanna“ gibt es tatsächlich nicht bei Amazon zu kaufen … und auf der Abenteuer & Allrad musste der einzige Händler, der die Stühle verkauft hat auch schon am ersten Messetag nachschauen, ob er noch zwei übrig hat. Kurzum: Wir haben sie. Und wer einmal darin gesessen hat, der weiß, warum die Stühle so beliebt sind!

Was wir während der Messe ergattert haben:

  • 2x Oztent King Goanna Campingstühle
  • 1 Wassersack Schweizer Armee (20 Liter)
  • 1 Duschschlauch für den Wassersack (von Wasserziege.ch)
  • Staufach für den Defender von gmb (siehe Foto)

Bei den Stühlen und dem Staufach haben wir im Vergleich zu den normalen Preise echte Schnäppchen gemacht. Allein dafür hat sich die Anreise gelohnt – und damit waren dann auch die Spritkosten wieder drin.

Sooo viele nette Leute

Richtig gelohnt hat sich die Abenteuer Allrad aber nicht nur wegen der Einkäufe, sondern vor allem wegen der vielen netten Leute. Wir haben so viele nette und tolle Gespräche geführt, Freunde und Bekannte wieder getroffen und neue Freunde gefunden … das hat echt richtig viel Spaß gemacht. Und wir haben so viele Tipps bekommen, was wir (vielleicht) noch für unsere Reise gebrauchen könnten. Boah … wir sind ein bisschen geflashed!

Schade, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Wir hatten kaum die Gelegenheit, uns mit allen zu treffen, die wir treffen wollten. Weil man sich ja doch an jeder Ecke verquatscht und fachsimpelt und ratscht. So morgens um halb sieben auf dem Weg zum Dixie. Da kommt mir jemand mit der Aufschrift „Prudhoe Bay“ entgegen. Klar, dass ich die Chance genutzt habe, um mir ein paar Tipps für die letzte (offizielle) Etappe unserer Route zu holen. Und so wird aus einem „ich geh mal schnell zum Klo“ auch gerne mal ein einstündiger Ausflug.

Die Zeit verging viel zu schnell! Schade, dass wir nicht alle treffen konnten oder gefunden haben. Aber es war ja nicht das letzte Treffen. Wir finden schon noch ein paar Gelegenheiten!

Unser Fazit zur Abenteuer Allrad: Echt was los in Bad Kissingen. Wir haben die Zeit sehr genossen. Und selbst, wenn wir beim nächsten Mal nichts kaufen „müssen“, glaube ich, dass sich die vier Tage auf dem Campground allein wegen der vielen Begegnungen echt lohnen. Auf die Messe könnten wir (nach unseren Einkäufen) sogar verzichten. Abenteuer Allrad, wir sehen uns wieder! Sicherlich nicht 2017 und wahrscheinlich auch nicht 2018. Aber sobald wir wieder zurück sind, kommen wir auch wieder nach Franken!

Wer sich fragt, was es mit den Bildern aus Oberschleichach auf sich hat: Oberschleichach ist quasi direkt um die Ecke und ein Teil meiner Heimat. Natürlich haben wir die Chance für einen kleinen Abstecher genutzt, ein bisschen „Family Business“ und ein bisschen Zenglein.

Unsere Videos von der Abenteuer Allrad 2016

Sandbleche und Kanisterhalter

„El Gordo“, unser Reisemobil, hat heute noch zwei wichtige Ausstattungsdetails bekommen. Auf beiden hinteren Heckscheiben sind jeweils zwei Airlineschienen angebracht. Auf der Beifahrerseite sind dort zwei Halterungen für Reservekanister montiert. Pro Kanister können wir so nochmal zusätzlich 20 Liter Diesel mitnehmen. Insgesamt können wir dann maximal 163 Liter Treibstoff über die Panamericana schippern. Die Reichweite können wir damit unter optimalen Bedingungen auf rund 1.350 Kilometer ausreizen. Und das ist schon eine ganze Menge. Mit anderen Kanistern (für Lebensmittel geeignet) könnten wir so auch unseren Wasservorrat ausbauen. Einziges Manko: Die schöne Aussicht durch das Fenster ist damit ziemlich verbaut.

Auf der Fahrerseite sind in die Airlineschienen zwei Sandbleche eingehängt. Die dienen der Fortbewegung, wenn es zum Beispiel auf Sand mal nicht mehr weiter geht. Auf dieser Seite ist das Versperren der Aussicht egal, weil von innen ja eh die Schränke vor dem Fenster stehen. Mal abgesehen von der praktischen Seite der Sandbleche beim Fahren in schwierigem Gelände und der Tatsache, dass sie sich ganz gut am Auto machen, haben sie noch einen anderen Zweck. Dank der Klapphalter lassen sich die Sandbleche herunterklappen und bilden so einen kleinen Stehtisch. Das ist zum Kochen und Campen ziemlich praktisch. Wir haben das gleich mal mit einem kleinen Gin ausprobiert.

Ein besonderer Dank gilt – wie so oft – Dietmar! Dietmar hat heute mit mir am Defender gebastelt und dafür gesorgt, dass ich nicht alles falsch mache. Und ganz nebenbei haben wir noch die Kreuzgelenke gefettet (hört sich fast so an, als wüsste ich, wovon ich schreibe!) Nach den zahlreichen Basteleien und unseren Sonder- und Extrawünschen hat er auch gleich angedeutet, dass er nach unserer Abreise seine Handynummer ändert …