Kleiner Trip, große Einkaufsliste

Die letzten Tage waren wir ein bisschen in Europa unterwegs. Eigentlich wollten wir ja bis nach Dubrovnik fahren. Nicht nur wegen Game of Thrones. Auch wegen Antike, Mittelalter und Osmanischem Reich. Und wegen des tollen Wetters. Nun gut, das mit dem Wetter war dann halt doch nicht so toll und deswegen haben wir uns kurzerhand entschlossen, dem schönen Wetter hinterher zu fahren.

Aus Dubrovnik wurde dann an San Gimignano. Und Pisa. Und Sestre Levante. Da sitzen wir jetzt mit Blick aufs Meer und haben die ersten Tage im fast fertigen Defender hinter uns. „Fast“ fertig, weil ja hie und da noch ein bisschen was fehlt. Die klappbaren Sandbleche zum Beispiel. Oder die Kaninbenzister auf der anderen Seite des Hecks. „Fast“ fertig auch, weil wir in dieser Woche schon mal jede Menge ausprobieren konnten und gemerkt haben, dass halt doch noch nicht alles stimmt.

Die Handgriffe optimieren sich von selbst

Bei der Aufgabenverteilung ist der Weg vom real life zum Overlander gar nicht so weit. Manche Sachen ändern sich nicht, wie zum Beispiel die Verteilung Kochen vs. Spülen. Ich koche und kümmere mich um alles, was mit Nahrungsaufnahme zu tun hat, Michaela spült. War schon oft so, ist auch auf Reisen nicht anders. Und da fällt dann auf, wie sich die Handgriffe und die Ordnung im Defender im Laufe weniger Tage von selbst optimiert. Bevor wir losgefahren sind, haben wir die meisten Sachen ordentlich geplant und überlegt auf die vorhandenen Stauflächen verteilt. Hier die Klamotten von Michaela, dort meine. In eine Box mein elektronisches Spielzeug, in die andere die Messer und die Feuerutensilien. Und in die dritte den Kaffee und Tee. Natürlich steht der Spiritusbrenner sauber aufgeräumt im linken Fach, der Spiritus selbst im rechten. In der Theorie klingt das alles ganz logisch und perfekt. In der Praxis ist vieles davon echter Humbug.

Im Laufe der letzten Tage sind viele Sachen dorthin gewandert, wo wir sie brauchen oder erwarten. Natürlich liegen jetzt alle Utensilien für einen gescheiten Espresso möglichst nah beieinander: Kaffee, großer Löffel, Tassen, Feuerzeug; alles in einer Usefull Box. Und Der Spiritus steht im gleichen Fach, wie der Brenner. Nur die Milch für den Kaffee, die steht im Kühlschrank.

Apropos Kühlschrank. Noch so ein Ding, das sich uns angepasst hat. Ich bin ein Fan scharfer Messer, Buck-Knives und solche. Die lagen alle zusammen in einer Useful Box. Und das Brotzeitbrett war gut verstaut in einer Klappkiste. Jetzt liegt eines der Messer und ein Brett im Kühlschrank. Weil wir eben beides brauchen, wenn wir mal ein Brot schmieren wollen. Und da will man halt nicht jedes Mal Klappe auf, Teil raus, Klappe zu, nächste Klappe auf, Teil raus, Klappe zu …

Stauraum in rauen Mengen

Als wir den Stauraum geplant haben, haben wir uns zunächst Gedanken darüber gemacht, was wir alles mitnehmen wollen. Utopisch zu denken, dass das hinterher der Realität entsprechen würde. Es werden doch weniger Klamotten sein, als ursprünglich geplant. Und es werden doch mehr Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs sein. Ein Sieb für heiße Nudeln und rituelle Salatwaschungen haben wir schon nachgekauft. Kleine Müslischüsseln werden auch noch dazu kommen.

Wirklich glücklich sind wir mit den durchsichtigen Boxen von Ikea und den Zarges-Boxen.
Die Ikea-Boxen unterteilen die großen Kisten auf der rechten Seite, die auch als Sitzgelegenheit dienen. Drei große und drei kleine Boxen passen rein. Da ist alles schön sortiert und mit einem Handgriff aus der Kiste genommen. Kein Kramen und kein (oder wenig) Suchen. Weil die Boxen durchsichtig sind, weiß man auch direkt, was drin ist, ohne jede Box aufmachen zu müssen. Im linken Schrank („Hochschrank“) stehen die gleich Boxen in schwarz. Blöde Idee, weil ich halt doch nicht immer auf Anhieb weiß, ob in der einen Box jetzt die Gewürze sind oder die Tomaten.

Die zwei Zarges-Boxen sollten eigentlich aufs Dach. Eine für jeden als Refugium für die Klamotten, die wir gerade nicht benötigen. Und die große (sehr große!) Zarges-Box sollte eigentlich daheim bleiben. Ob die nun doch mit darf, steht gerade auf der Kippe. Aber klar ist jetzt schon, dass mindestens eine der kleineren Boxen (40701) ständig im Innenraum mitreisen darf. Da habe momentan ich einen Teil meiner Klamotten drin, die ich im Laufe der Zeit brauche, also immer griffbereit haben will. Was viel wichtiger ist, also für uns zumindest, ist die Nutzung der Box als kleiner Tisch. Zusammen mit dem Gestell unseres Outdoor-Klos, von manchem liebevoll „Kackstuhl“ genannt, ergibt die Box einen perfekten Beistelltisch, der innert weniger Sekunden startklar ist. Im Gegensatz zum Campingtisch, der erst aus dem Fach gekramt und zusammengebastelt werden muss, ist der „Zarges-Tisch“ mit zwei Handgriffen aufgebaut.

Wir brauchen mehr Steckdosen

Wie im richtigen Leben: Es mangelt immer an Steckdosen! Und jetzt können wir daran noch was ändern. Allein dafür hat sich der Trip gelohnt. Zwei USB-Anschlüsse im „Geheimversteck“, einer am Kühlschrank und einer am Zigarettenanzünder sind einfach zu wenig. Anders: Nicht zu wenig, sondern an der falschen Stelle.

Man sitzt im Auto, zuckelt irgendwo durch Patagonien und stellt fest, dass man ja eigentlich mal das Handy laden könnte. Geht aber nicht, weil das Navi einen Strom braucht. Im Fußraum auf der Beifahrerseite fehlt also mindestens ein Stecker. Und weil ich kein Fan von „dreimal abgeschnitten und noch zu kurz“ bin, sollten da lieber zwei Doppelstecker hin; also vier. Man kann ja nie wissen.

Gleiches gilt für das Defender-Heck. Man steht draußen, brät gerade ein Spiegelei oder zwei und möchte dabei einer zünftigen Musi lauschen. Geht aber nicht, weil die Teufelbox einen leeren Akku hat. Da geht man ja nicht hin und lädt den Lautsprecher vorne im Fußraum oder an der Kühlbox auf. Nein, da möchte man dann schon einen Strom in Griffweite haben.

Die Einkaufsliste wächst

Also mehr Steckdosen. Luxusprobleme. Ich weiß. Aber jetzt können wir noch was dran ändern. Wenn wir erst mal auf dem Schiff sind, dann wird’s schwierig mit den Boxen. Und mit dem Stromanschluss auch.

Deltabags für die Hecktüre, Klettverschlüsse, kurze Airline-Schienen hinten und innen am Schrank, USB-Steckdosen, Boxen und Kistchen, Handfeger, Fussmatten, Airline-Fittings, Oropax-Täschchen für die oberen Fenster, usw. Unsere Einkaufsliste ist nochmal riesig lang geworden.

Einmal Dubrovnik, bitte.

Das Haus ist geräumt und wir sind inzwischen offiziell WG-Bewohner. Zumindest für die nächsten Wochen. Und nachdem wir morgen unser kleines Häuschen an die neuen Eigentümer übergeben, nutzen wir die Chance (und den Resturlaub) und machen eine kleine Probefahrt nach Dubrovnik ans Mittelmeer.

Wir waren im letzten Jahr auf unserer Tour von Piran (Slowenien) nach Stargard (Polen) schon in Istrien und auf Krk. Leider aber noch nicht in Dubrovnik. Und da wollen wir – auch Dank Game of Thrones – vor der großen Reise nochmal unbedingt hin. Ein paar Tage Sightseeing und ein paar Tage Equipment-Test. Das Auto ist inzwischen fast fertig ausgebaut (Bilder folgen bald), sodass wir „El Gordo“ einem kleinen Härtetest unterziehen können: Klappt das Kochen mit dem Spiritusbrenner? Fehlt es noch an Geschirr? Wo müssen noch Haken, Sichtschutz, Helferlein angebaut werden?

Neben Durbovnik werden wir auch wieder einen Abstecher an den Lake Bohinj (Bohinjsko jezero) in Slowenien machen. Da waren wir auf gut Glück im vergangenen Jahr und waren absolut begeistert. Der Campingplatz öffnet zwar offiziell erst am 1. Mai – wir haben aber mal ganz freundlich gefragt und dürfen nun doch schon ein paar Tage vorher vorbei kommen; wahrscheinlich als einzige Gäste. Und weil wir diesmal auch die Drohne dabei haben, werden wir (hoffentlich) ein paar tolle Fotos und Aufnahmen „von oben“ mitbringen.

Besonders freuen wir uns auf die Sonne und das hoffentlich schöne Wetter. Und dazu in Dubrovnik ein bisschen Mittelalter und Osmanisches Reich schnuppern und jede Menge Kunst und Kultur bestaunen. Wer von Euch war schon mal in Dubrovnik und hat ein paar Tipps für uns?

Am Freitag geht es los: Kleiner Zwischenstopp in Augsburg – Dubrovnik – Lake Bohinj – Oberschleichach – Aachen. Und zwischendrin der ein oder andere Zwischenstopp, wo es gerade passt. Die passenden Bilder dazu gibt es natürlich auf Facebook, Instagram & Co.

Offroad-Training zur Einstimmung

Mit Freelander und Discovery waren wir schon das ein oder andere Mal im Gelände unterwegs, allerdings immer nur aus Spaß an der Freude. Vor unserer Tour, die uns sicherlich auch einige Offroad-Strecken bescheren wird, wollten wir aber unbedingt nochmal unter Anleitung auch mit dem Defender in den Matsch und auf die Piste. Nicht nur, um das Auto, das ja im Gegensatz zu den anderen beiden über quasi keinerlei elektronische Hilfsmittel verfügt, besser kennenzulernen, sondern auch, um es mit dem kompletten Ausbau mal einem kleinen Quietsch- und Belastungstest zu unterziehen.

Die meisten meiner Trainings habe ich bisher bei Stefan und seinem Quadrofaktum-Team (ehemals Landyreisen) gemacht. Und als wir im vergangenen Herbst zusammen in Verdun unterwegs waren, hat mich Stefan auf das Allradler-Wochenende hingewiesen. Im Gegensatz zum normalen Offroad-Training, geht das Allradler-Training nicht nur über einen Tag (sondern zwei). Und neben dem eigentlichen Fahrtraining geht es auch noch um Seilwinde, kaputte Reifen, erste Hilfe, etc.

Luftbild des Offroad-Geländes im belgischen Dürler

Luftbild des Offroad-Geländes

Weil wir und schon so lange kennen und wir am Samstag einen Vortrag über unsere Reiseplanungen halten wollten, hat Stefan uns eingeladen, schon am Freitag zum Team-Treffen anzureisen und das Wochenende mit der Crew bei einem (oder zwei) Bier einzuläuten. Dem sind wir natürlich nur allzu gerne gefolgt. Das Wochenende startete also schon mal sehr entspannt.

Nicht mehr ganz so entspannt waren die folgenden zwei Tage. Sie waren vollgestopft mit Theorie und Praxis und jeder Menge Action. Gut war für mich schon mal die Wiederholung der ganzen Fahrtheorie. Nach dem technischen Training vor ein paar Wochen war es gut, jetzt nochmal das Fahr-Know-How aufzufrischen: Untersetzung, Differenzial-Sperre, Save Recovery. Die perfekten Grundlagen, um beim Fahren im Gelände eine ruhige Hand zu bewahren. Und obwohl ich den Offroad-Kurs eigentlich in- und auswändig kenne, war es doch wieder ein spannendes Erlebnis, die ganzen Tipps&Tricks nochmal neu (weil im anderen Auto) anzuwenden. Sei es die Verschränkungspassage, Neigungswinkel mit beladenem Auto oder die enormen Steigungen und Gefälle auf matschiger Piste. Mein persönliches Highlight: Abwürgen am Hang und Save Recovery. Ruhe bewahren, Rückwärtsgang einlegen, Handbremse lösen, Fussbremse lösen und dann den Motor starten. Ja, bei eingelegtem Rückwärtsgang im Hang. Muss man mal erlebt haben. Denn letztlich passiert nichts, außer, dass der Defender sicher und kontrolliert rückwärts den Berg wieder runter fährt.

Seilwinden-Workshop mit Jörg

Seilwinden-Workshop mit Jörg

Noch ein Highlight: Der Seilwinden-Workshop mit Jörg. Jörg nutzt als Förster seinen Defender und Seilwinden-Technik im Job. Er ist also vom Fach. Und das merkte man ihm auch deutlich an: Fakten, Fakten, Fakten über Material, Auto und Techniken. Jede Menge gelernt, jede Menge mitgenommen. Und hinterher war Jörg noch so freundlich, und hat uns sehr viele hilfreiche Tipps in Form einer Einkaufsliste für die Panamericana-Tour zusammengestellt. Schade, dass wir die Quadrofaktum Schwarzwald-Tour im letzten Jahr nicht mitmachen konnten; jetzt weiß ich, was wir verpasst haben.

Zurück zum Training: Neben der ganzen Fahrerei und Theorie kam natürlich auch die Quasselei nicht zu kurz. Knapp 60 Teilnehmer auf 21 Fahrzeugen. Da kommt jede Menge Reiseerfahrung zusammen. Seien es die zwei Heinsberger (sorry, dass ich Eure Namen nicht mehr parat habe), die über ihr halbes Jahr in Südafrika erzählt haben oder Barbara und Stefan, die beiden immer mal wieder Reisenden. Da waren ganz viele wertvolle Tipps für uns mit dabei! Und Michael, das fand ich ein ganz nettes Kennenlernen, der mit seinem Sprinter fast zur gleichen Zeit wie wir, mit der gleichen Reederei, ebenfalls in Montevideo anlandet um dann zumindest ein paar Monate in Südamerika zu verbringen. So klein ist die Welt. Wir freuen uns auf unser Treffen in Chile (oder sonstwo dort unten). Ich kann jetzt gar nicht alles und jeden hier einzeln namentlich aufführen. Es waren – insbesondere nach unserem Vortrag am Samstag abend – so viele nette Menschen und Kontakte da. Vielen Dank Euch allen für die vielen (wirklich guten!) Tipps und die netten Unterhaltungen. Das war ein Vorgeschmack auf unsere Reise: Jeder, der so eine Reise gemacht hat, hat uns von den vielen netten Menschen erzählt, die er kennengelernt hat. Das war also quasi diesbezüglich unser Anfang :-)

Und wenn ich gerade von netten Menschen schreibe und Euch hier in die Fotogalerie entlasse: Stefan, Elke und das ganze Team. Das war ein richtig geiles Wochenende. Vielen Dank Euch allen für die Erfahrungen, die wir sammeln konnten! Wir sehen uns wieder. Ihr müsst einfach nur die Lichtorgel einschalten ;-)

Dieselpartikelfilter in Südamerika

Legendär soll der Sprit in Südamerika sein. Legendär schlecht. Aus allen Ecken und Enden hört man, wie schwierig es sei, in Südamerika sauberen Diesel zu organisieren. „Dreckiger Diesel“ das hört sich erstmal schlimm an. Was es damit auf sich hat, das braucht erstmal ein bisschen Zeit, das herauszufinden, die guten von den richtigen Informationen zu trennen, die falschen von den wahren, die aktuellen von der veralteten. Hier der aktuelle Stand, wie wir ihn uns zusammengetragen haben.

Schlechter Sprit ungleich schlechter Sprit

Zwei Arten von schlechtem Sprit haben wir bei unseren Recherchen entdeckt. Die eine Variante, Verunreinigungen, ist relativ einfach zu erkennen, zu entdecken und zu beheben. Wenn man an einer beliebigen Dorftankstelle hält, dort, wo der Sprit aus dem verrosteten Ölfass gepumpt wird oder aus Benzinkanistern, da ist die Verunreinigung abzusehen. Da ist klar, dass Staub und Dreck und Metallteile, von mir aus auch Zigarettenkippen im Diesel schwimmen. Das sieht man, das erkennt man, das muss man nicht zwangsläufig tanken. Wenn es nun doch mal nicht anderes geht, dann helfen Milchfilterschläuche. Die filtern wenigstens den groben Dreck raus und der Tank bleibt verhältnismäßig sauber. Milchfilterschläuche gibt es im Landmaschinenhandel (bei Amazon oder beim Bauern um die Ecke). Und „gute“ Tankstellen, also moderne, halbwegs saubere Tankstellen gibt es inzwischen auch in Südamerika. Das ist alles gar nicht mehr so schlimm, wie manch einer weismachen möchte.

Die andere Variante des „schlechten Sprits“ betrifft den Schwefel-Anteil im Diesel. Gemessen wird der Schwefelanteil in ppm, parts per million. Also – vereinfacht ausgedrückt – wie viele Schwefelteile kommen auf eine Million Dieselteile. Die untenstehende Grafik der UNEP, dem Umweltschutzprogramm der vereinten Nationen, zeigt, wo es trüb im Sprit ist. Grundsätzlich ist das für ältere Fahrzeuge kein Problem, sonst würde in Südamerika kaum jemand mit einem Auto durch die Gegend fahren. Moderne Autos mit europäischer Abgasnorm – so wie unser Defender – würden aber zwangsläufig Probleme kriegen, wenn Dieselpartikelfilter (DPF) und Abgasrückführung (AGR) verrußen und um Säuberung bitten.

Unser konkretes Problem

Unser Defender, Baujahr 2014, ist mit Euro4 zugelassen. Dank Dieselpartikelfilter und Abgasrückführung ist der Dreck, der hinten aus dem Auspuff rauskommt, zwar sauberer, als bei älteren Modellen. Für die Panamericana-Reise ist das aber schlecht, wenn man ebendiesen schwefeligen Sprit bedenkt. Weil die Verbrennung nicht mehr sauber funktioniert und der ganze Dreck, der sich in Wohlgefallen auflösen sollte, im Partikelfilter kleben bleibt. So lange, bis der nicht mehr mag.

Jeder, nahezu jeder, den man fragt, hat einen guten Tipp parat. Der am häufigsten genannte: Kurz vor der Reise den DPF ausbauen und durch ein einfaches Rohr ersetzen. Mal abgesehen davon, dass man die Betriebserlaubnis für den Defender verliert, wenn der Partikelfilter auf einmal nicht mehr da ist, ergibt sich noch das Problem der Motorsteuerung. Die denkt dann nämlich, der DPF wäre kaputt und streikt. Bleibt also nur, den Dieselpartikelfilter aus der Motorsteuerung auszuprogrammieren. Und das ist gar nicht so einfach. Alldieweil das nicht jeder macht und es darüberhinaus bei der nächsten Inspektion bei der freundlichen Landy-Werkstatt erhebliche Probleme geben dürfte.

 

Bevor wir uns nun aber für den Ausbau entscheiden, wollten wir uns noch ein bisschen mehr umhören. Und da gab es viel, sehr viel zu hören. Nun, die meisten Tipps zum DPF und AGR kommen eh von Leuten, die sich in grauer Theorie bewegen. Unten in Südamerika waren die wenigsten mit aktuellen Baureihen.

Was der Südamerika-Experte sagt

Christian „Weindi“ Weinberger ist mit seinem Defender schon ein bisschen länger in Südamerika unterwegs und hat meine Frage nach seinen Erfahrungen so kommentiert:

Nach mehr als 2,5 Jahren in Südamerika kann ich dir folgendes sagen: Wenn es bei deinem Fahrzeug möglich ist das DPF auszubauen, mach es, es wird dir die Reise stark vereinfachen. Wenn du nur in Argentinien-Chile die Anden überquerst, wird es sich nicht so extrem auswirken, da du in diesem Fall nur kurzzeitig über 3200 Meter fährst, in Bolivien wirst du hunderte bis tausende Kilometer teils auf 4000 bis über 5000 Meter fahren, und da wird dir der DPF Probleme machen, weil er zu macht, das Freibrennen nicht mehr funktioniert. Du hast wenigstens noch Euro 5, Bei Euro 6 wird das Ganze noch komplizierter, weil man an diesen Fahrzeugen das Dieselpartikelfilter nicht mehr ausbauen und umprogrammieren kann, weil alles zu kompliziert vernetzt ist. Habe einen getroffen, der musste sein Fahrzeug (war ein Mercedes) zurück nach Europa verschiffen. Die europäische Motorelektronik wird auf maximal 3200 Meter programmiert, es gibt ja praktisch keine Straßen oberhalb von 3000 Meter in Europa. Baugleiche Fahrzeuge in Südamerika sind alle mit anderen Motoren bzw. anderen Programmierungen ausgestattet. Die Treibstoffqualität im Süden ist soweit ok. Halt immer schauen, das du an neuen großen, frequentierten Tankstellen tankst, damit kannst du Verunreinigungen durch rostige alte Tanks praktisch ausschließen, bei kleinen Dorftankstellen ists oft schlecht. Die schlechteste Dieselqualität hast du in Ecuador, dort ist er auch am Billigsten. In Peru bekommst du ausschließlich 5 %igen Biodiesel. In Brasilien, Argentinien und Uruguay gibt es 2 Dieselqualitäten, in den anderen Ländern nur einfachen LKW Diesel. Die Basisdiesel verfügen über keine oder wenig Additive, speziell so etwas wie bei uns der Winterdiesel ist hier unbekannt. Ich empfehle für die Berge von daheim 2-3 Liter Dieselfrostschutz mitzubringen, zb. Liqui Moli Fließ fit. Ist in Südamerika sehr schwer zu bekommen, wenn dann nur in Argentinien oder Chile, nachfragen bei einem Minen-Ausstatter zb. Normal beginnt Diesel in Südamerika ab minus 3 Grad zu versulzen. Ich kann es nicht bestätigen, da ich mit TD4 keine Erfahrung habe, aber ein Reisender mit TD4 hat mir gesagt, das der TD4 schneller Probleme bekommt, da die Durchlassöffnungen im Dieselfilter kleiner sein sollen als beim TD5. Einige Reisende die ich getroffen hab, haben zur Filterung des Kraftstoffes einen sogenannten SEPA Filter verbaut.“

Das hört sich schon ein bisschen entspannter an und lässt Hoffnung aufkeimen – wir sind ja nicht für den Rest unserer Tage in den Hochlagen der Anden unterwegs.

Was Landrover sagt

Um wirklich sicher zu gehen, habe ich kurzerhand Landrover eine Mail geschrieben und auch prompt eine Antwort bekommen. Landrover bietet unter dem Label Landrover Experience Reisen mit aktuellen Landrover-Modellen an, unter anderem auch in Bolivien und Peru. Auf die Erfahrungen und Technik auf diesen Touren habe ich in meiner Anfrage gebaut. Und der nette Landrover-Mann hat mir am Telefon sehr nett und ausführlich meine Fragen beantwortet. Das Gespräch lässt sich in dieser Aussage zusammenfassen:

„Wir nehmen (bei solchen Touren) keine Änderungen am Motor, am Dieselpartikelfilter, an der Abgasrückführung und der Motorsteuerung vor. Als einzige Maßnahme empfehlen unsere Techniker auf so einer Tour den Austausch des Kraftstofffilters in kürzeren Abständen vorzunehmen.“

Das ist die eine klare Aussage, die ich mir gewünscht hatte! Den Kraftstofffilter auszutauschen, dass geht relativ problemlos; das haben wir ja neulich gelernt. Was „kürzere Abstände“ sind, diese Info bekomme ich noch. Fazit: Unterm Strich sollten wir keine größeren Probleme erwarten dürfen, als in Europa. Und da hatte ich trotz vielfacher Vorhersage weder beim Freelander, noch beim Discovery welche. Beim Defender bisher auch nicht.

Dieselpartikelfilter und AGR – was wir jetzt tun

Unser Plan sieht jetzt wie folgt aus: Wir lassen den Dieselpartikelfilter dort, wo er ist. Wir bauen nichts aus und wir programmieren nichts um. Wir nehmen ein paar Kraftstofffilter als Ersatz mit und wechseln die je nach Land und Spritqualität mehr oder minder regelmäßig selbst aus. Und wir versuchen, ausschließlich den besten Diesel an den teuersten Tankstellen zu tanken.

Dafür haben wir einen Zusatztank eingebaut und fahren mit zwei Ersatzkanistern durch die Gegend. In der Summe führen wir 140 Liter Diesel mit uns herum. Das sollte für rund 1.000 Kilometer Strecke reichen. Und irgendwo auf dieser Strecke wird es schon eine „schöne“ Tankstelle geben. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir an jeder „schönen“ Tankstelle tanken werden.

Und sollte es dann doch so kommen, wie Weindi oben schreibt, wenn der DPF voll ist uns sich nicht durch gleichmäßiges Fahren freibrennen lässt, dann müssen wir uns halt doch eine Werkstatt suchen.

Wir sind da guter Dinge und lassen uns jetzt einfach nicht mehr verrückt machen!

 

Schwefel im Diesel in Südafrika

Schwefel im Diesel in Südamerika

Schrauberkurs im Mammutpark

Wenn man sich so durch die einschlägigen Defender-Foren (Landyfriends und Blacklandy) und die dazugehörigen Facebook-Gruppen liest, dann kann einem ja schon Angst und Bange werden. Zwei der typischen Fragen: „Was ist denn bei Euch schon alles kaputt gegangen?“ und „Ich habe ein kleines Problem. Wer kann mir helfen?“. Als bekennender Auto-Fahrer, nicht Auto-Versteher, stehe ich bei sowas meist wie der Ochs vor’m Berg. Da leuchtet ein Lämpchen im Cockpit … okay, das leuchtet nicht rot, dann kann es ja nicht so schlimm sein.

Ich bin in den vergangenen Jahren immer relativ neue Autos gefahren, maximal zwei Jahre alt. Die Chance, dass da etwas kaputt geht, war immer relativ gering. Deswegen habe ich mir beim Landy (aktueller KM-Stand: 15.207) auch keine Sorgen gemacht. Bis neulich auf der Autobahn wieder ein Lämpchen gelb geleuchtet hat und ich Bekanntschaft mit dem Notprogramm des Motors machen durfte. Mit 60 km/h über den Standstreifen der Autobahn. Auch eine neue Erfahrung für mich. Ein Sensor des Dieselpartikelfilters war wohl hinüber. Kann passieren. Man ist ja dank ADAC ruck-zuck in einer Werkstatt. Außer vielleicht, man ist gerade in Südamerika. Und deswegen haben wir beschlossen, uns ein bisschen schlau(er) zu machen und haben einen Schrauberkurs bei TC-Offroad gebucht.

Eingestellt waren wir auf zwei Tage unter dem Defender, schmutzige Hände, ölige Haare und Muskelkater vom Reifen-aufziehen. Weit gefehlt. Herausgekommen sind wir aus dem Schrauberkurs allein mit abgefrorenen Fingern und Füßen. Denn kalt war es im Zelt schon ziemlich.

Dass wir selbst nicht Hand angelegt haben, tat dem ganzen Kurs aber letztlich keinen Abbruch. Zuschauen allein hat schon zu der ein oder anderen Erkenntnis geführt. Wir wissen jetzt, was theoretisch alles kaputt gehen könnte. Ich und wir wissen, was wir vor der Verschiffung nochmal durchchecken lassen sollten. Und, auch nicht unwichtig, wir wissen, was wir nicht reparieren können. Für mich war es insofern ziemlich gewinnbringend, als dass die Schrauberteam rund um Stefan, Peter, Jörg und Niko das Auto entmystifiziert. Die vielen Schläuche und Behälter ergeben auf einmal alle einen Sinn. Dazu kommt, dass wir uns vorgenommen haben, unserem Haus und Hof-Schrauber bei der kommenden Inspektion mal grundlegend über die Schulter zu schauen; vielleicht lässt er uns ja auch ein kurzes Praktikum machen.

In jedem Fall hat das Wochenende im Mammut Offroad-Park in Stadtoldendorf jede Menge Spaß gemacht. Das war eine nette Truppe, es ist einiges hängen geblieben und wir freuen uns darauf, den ein oder anderen auf den bevorstehenden Veranstaltungen wiederzusehen.

GPS-Tracking mit SPOT Gen3

SPOT Gen3 – GPS-Tracking und Notruf-System. Nein, für diesen Artikel werden wir nicht bezahlt ;-)
Die Atacama-Wüste erstreckt sich über satte 1.200 Kilometer entlang der Pazifikküste Chiles und Perus, vom Meer bis in die Hochlagen der Anden. Gebeutelt von Starkregenfällen und durchzogen von Gebieten, in denen es – so sagt man – seit Jahrzehnten kein einziges Mal geregnet hat. Landschaften, auf die wir uns unglaublich freuen. Und vor denen wir auch nicht wenig Respekt haben. Neulich bin ich im Internet über ein Bild aus der Atacama-Gegend gestolpert, das die nächste Tankstelle nach 684 Kilometern ankündigt. Okay, wir haben einen Zusatztank, das macht Hoffnung. Aber was tut man, wenn man mitten in der einsamsten Einsamkeit zwei Platten, aber nur einen Ersatzreifen hat? Was macht man, wenn der Defender von einer riesigen Käferschnecke (Polyplacophora) umgeschubst wird? Und was macht man, wenn uns nicht nur der Sprit, sondern auch der Whiskey ausgeht? Was ich hier so amüsant beschreibe, hat für uns doch einen ganz ernsten Hintergrund: Was macht man, wenn man nicht mehr kann, aber keiner da ist, der hilft?

Satelliten-Telefon oder GPS-Tracker?

Nachdem in den entlegenen Gebieten weder die Netzabdeckung für das Mobiltelefon ausreichend, noch irgendwo ein Wifi-Hotspot zur Verfügung stehen werden, bleiben nicht mehr so viele Alternativen. „Iridium“ schwirrt mir bei solchen Gedanken immer wieder durch den Kopf. Iridium ist ein weltweites Kommunikationssystem auf Basis von Satelliten. Die Mobiltelefone so groß wie die C-Netz-Geräte Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die Kosten für Telefon und Grundgebühr so teuer wie ein Kleinwagen in Südafrika. Das waren zumindest meine Erinnerungen.  Satelliten-Telefone sind für uns das falsche Mittel: Zu teuer in der Anschaffung, zu teuer im monatlichen Unterhalt. Und telefonieren wollen wir in der Wüste auch nicht. Bleiben GPS-Tracker.

SPOT Gen3

Von den kleinen SPOT-Geräten hatte mir Glander schon bei unserem Treffen bei Matzker erzählt. Seine Frau könne so immer nachverfolgen, wo er sich gerade aufhält. Keine schlechte Idee. Aber damit weiß sie immer noch nicht, wenn irgendetwas in die Binsen gegangen ist. Das aktuelle SPOT Gen3 verfügt über eine Reihe von Funktionen, die wie für uns gemacht scheinen:

  • fortlaufendes Tracking (auf öffentlicher oder geheimer Karte)
  • Check-in-Tracking mit Textmessage an definierte Kontakte
  • Help-Message an definierte Kontakt
  • SOS-Notruf an GEOS

Fortlaufendes Tracking

Mittels des fortlaufenden Trackings werden in vordefinierten Abständen von 2,5 bis 60 Minuten GPS-Positionssignale gesendet, die auf einer Google Map eingetragen werden. So lässt sich die aktuelle Position jederzeit nachvollziehen. Für jeden denkbaren Einsatz gibt es quasi die richtigen Tracking-Abstände: alle 2,5 Minuten für Extremsportarten (Klettern, Wüsten-Marathon, u. ä.) oder 60 Minuten für langsame Frachtschiffe auf dem Weg nach Südamerika. Das Tracking kann natürlich auch manuell abgeschaltet werden. Über einen Bewegungssensor kann das Tracking auch nur bei aktiver Bewegung eingeschaltet werden, sodass zum Beispiel nichts gesendet wird, wenn man beim dritten Bier in einer Strandbar sitzt. Auf der einen Seite muss das ja nicht jeder wissen, auf der anderen Seite spart das die Batterielebensdauer.

Check-in-Tracking mit Textmessage an definierte Kontakte

Mittels des Check-in-Buttons können die Geo-Position und eine vorher definierte Textmessage („Hey, alles okay, wir melden uns bald wieder“) per E-Mail und SMS an bis zu 50 vorher definierte Kontakte gesendet werden. Ja, warum ist das jetzt wichtig, wenn man die Position auch über das fortlaufende Tracking sehen kann? Ich denke da spontan an Naturkatastrophen, Anschläge oder ähnliches. Nicht immer hat man kurzfristig die Möglichkeit, sich daheim zu melden und zu beruhigen. Mit dem Check-in sendet man ein kurzes Lebenszeichen (literaly) nach Hause und alle können beruhigt(er) weiter schlafen.

Help-Message an definierte Kontakte

Nicht immer muss bei einem Notfall gleich die ganze Save and Rescue-Armada anrücken. Wenn das Benzin ausgegangen oder der Keilriemen gerissen ist, dann braucht es weder Krankenwagen noch Hubschrauber. Aber es kann trotzdem hilfreich sein, sich bemerkbar machen zu können. Auch bei dieser Funktion können Kontakte und eine Nachricht vordefiniert werden, die bei Knopfdruck eine Benachrichtigung erhalten.

SOS-Notruf an GEOS

Ähnlich der Seilwinde am Defender ist diese Funktion eine Art Versicherung für uns. Wenn (und weil) wir sie haben, werden wir sie nicht brauchen. Hoffentlich. Ein Knopfdruck auf den SOS-Button alarmiert das International Emergency Response Coordination Centre – IERCC in Houston, Texas. Die wiederum alarmieren lokale Rettungskräfte und koordinieren den Einsatz. Manchmal sieht am Hubschrauber mit dem großen orangen Aufkleber „SAR“ (Save and Rescue) auch über Deutschland am Himmel. Diese Jungs gehören dazu. Der Clou: Für einen minimalen jährlichen Aufpreis von 15 EUR (mehr zu den SPOT-Kosten unten) kann man eine Versicherung abschließen, die Rettungseinsätze bis zu 100.000 US-$ übernimmt. Wer sich einmal mit den Kosten für eine Hubschrauber-Flugstunde beschäftigt hat, wird das zu schätzen wissen.

SPOT Gen3 – der Gerät

Knapp so groß wie eine Zigarettenschachtel kommt SPOT Gen3 daher. Orange-schwarz, Spritzwasser geschützt und an einem Bändel mit Klettverschluss und Karabinerhaken. Eigentlich ist es selbsterklärend. Trotzdem empfehle ich dringend das SPOT Gen3-Erklärvideo (unten) – allein, weil es sehr lustig ist. Ich freue mich auf die Shiatsu-Massage!

So viel gibt es nicht zu erklären. Vielleicht zwei Hinweise. Die Anleitung spricht immer von freier Sicht auf den Himmel, damit die GPS-Ortung einwandfrei funktioniert. Das klappt natürlich auch im Auto oder in Gebäuden (dort zumindest am Fenster). Es dürfte aber auch klar sein, dass in Höhlen, Tiefgaragen oder in den tiefsten Urwaldtälern nicht zwingend eine Satellitenverbindung steht. Wer eine Bestätigung hierfür braucht, kann das an den rot oder grün blinkenden Status-LED ablesen.

Ein anderes Thema ist die Batterielebensdauer. Diese ist natürlich sehr stark davon abhängig, wie häufig ein Tracking-Signal gesendet wird und wie gut die Satelliten-Verbindung ist (klarer Himmel, Wolken, Hindernisse). Man kennt das ja vom iPhone: Ortungsdienste ziehen Saft, insbesondere, wenn man sich im Haus aufhält und nicht unter freiem Himmel. Als Beispielwert gibt der Hersteller an:

  • 8 Stunden aktives Tracking im 30 Minuten-Intervall bei 100% klarem Blick auf den Himmel: 78 Tage
  • 24 Stunden aktives Tracking im 5 Minuten-Intervall bei 50% klarem Himmel: 4,5 Tage
  • 8 Stunden aktives Tracking im 60 Minuten-Intervall bei klarem Himmel: 156 Tage

Dabei handelt es sich freilich nur um Richtwerte. Wer sich die gesamte Tabelle ansieht, wird aber schnell sehen, dass er ausreichend Zeit hat, bis die Batterien gewechselt werden müssen. Davon braucht das Gerät 4 AAA-Batterien (aka Micro), die es auch als Akkus gibt. Als Akkus können die Batterien gleich via USB-Kabel im SPOT Gen3 geladen werden. Und selbst ohne Batterien ist der SPOT Gen3 via USB-Kabel (zum Beispiel am Zigarettenanzünder) betriebsfähig. Wir werden auf Nummer sicher gehen und einfach ein zweites Pack Batterien einpacken.

Was kostet der SPOT Gen3?

Satelliten-Telefonie ist uns zu teuer. Also stellt sich die Frage, was denn der SPOT Gen3 kostet. Bei Amazon kostet er 155,58 Euro. Amazon hat damit das günstigste Angebot, das wir finden konnten. Damit hat man zunächst einmal das Gerät gekauft. Dazu kommt aber auf jeden Fall noch ein jährlicher Servicevertrag, den man nicht vergessen darf. Je nach Funktionen wird es mehr oder minder teuer, ein bisschen undurchsichtig sind die Vertragsoptionen schon. Der normale Basis-Servickostet 137,40 EUR zzgl. Steuern pro Jahr. Hierin enthalten ist das normale Tracking (5, 10, 30, 60 Minuten), das Check-in-Messaging und natürlich auch der SOS-Notruf. Das Tracking muss alle 24 Stunden manuell aktiviert werden. Als Erweiterung gibt es das Unlimited- oder Extreme-Tracking. Hier kann auch im zweieinhalb Minuten-Intervall und ohne manuelle Reaktivierung getrackt werden. Der Aufpreis beträgt ab 31,71 Euro zzgl. Steuern pro Jahr. Und es gibt die GEOS-Einsatzversicherung für schlappe 15,00 Euro zzgl. Steuern pro Jahr. Mehr zu den Preisen und Optionen gibt es in der SPOT-Preisliste.

Wir haben uns für das Paket bestehend aus Basis-Service, Unlimited-Tracking und GEOS-Versicherung entschieden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 216,23 Euro pro Jahr, also 18,01 Euro pro Monat. Das ist ein sehr überschaubarer Preis, insbesondere im Vergleich zu einem Iridium-Telefon.

SPOT Shared Map

Neben dem SOS-Notruf und der Positionsmeldung gibt es noch ein kleines Gimmick, das wir sowieso für uns und für Euch gesucht haben: das Tracking auf Google Maps. Mit einer SPOT Shared Map kann man unsere öffentlichen Log-ins jederzeit nachverfolgen. Uns findet ihr auf dieser Karte. Entweder diesen kryptischen Link (http://panamericana.de/spotme) speichern oder oben in der Navigation „unsere aktuelle Position“ auswählen. Dort solltet ihr uns finden, sobald wir unterwegs sind.

Defender-Umbau – Phase 1

Unser Reisemobil ist ein Landrover Defender 110, Baujahr 2014, Erstzulassung März 2015. Mit dem Defender hat alles angefangen. Mit ihm bin ich im Mai 2015 einmal quer durch Europa gefahren. Damals gab es hinten drin noch ein klappbares Bett aus Multiplex-Platten. Unter den Platten war reichlich Platz für eine Zarges-Box und zwei durchsichtige Kisten mit Deckel von Ikea.

Defender Schlafplatz auf Multiplex-Platten

Erster Versuch: Defender Schlafplatz auf Multiplex-Platten

Ansonsten entsprach die Ausstattung damals der Serienausstattung des aktuellen Defenders. Keine weiteren An- und Umbauten. Serienreifen, Seriensitze, Serienlenkrad, Serienradio. Lediglich die hintere, dritte Sitzreihe war schon nicht mehr drin. Statt dessen zierte ein Dachträger das Dach – irgendwie mussten wir ja Camping-Tisch und -Stühle durch den Kontinent bringen. Als Matratze haben wir uns eine 12cm dicke Schaumstoffmatratze zuschneiden und beziehen lassen. 135×190 cm, also quasi schon Bettmaße. 12cm Dicke ist schon sehr komfortabel. Wer es weniger bequem haben möchte, kommt sicherlich auch mit 8cm aus.

Damit wir nicht die ganze Zeit im Schatten sitzen mussten (müssen), haben wir uns noch eine Markise besorgt. Zur Wahl standen die Luxus-Variante von Foxwing in L-Form (Seite + Heck) oder die einfache Variante, die „nur“ die Seite schützt. Preislich ein klarer Unterschied: Die Foxwing ist gut doppelt so teuer. Ich hatte nicht vor, im  Regen hinter dem Heck zu stehen, deswegen haben wir uns für die Awning von Nakatanenga mit 3 Metern Breite entschieden. Da ich zu  blöd war, die Verpackung ganz auseinander zu nehmen, habe ich das Montagematerial vermisst. Weil ich zufällig in Köln bei Matzker war, hat es der Zufall so gewollt, dass der im Januar verstorbene Chef Amadeus Matzker kurzerhand auf’s Dach gehüpft ist und die Awning selbst montiert hat.

Defender-Ausbau für die Panamericana

Es ist natürlich vollkommen utopisch, mit dieser Ausstattung ein Jahr auf der Panamericana unterwegs sein zu wollen. Wenig Staufläche, kein Sitzen im Auto, keine Heizung, Straßenbereifung und und und. Deswegen war schnell klar, dass der Defender gründlich aus- und umgebaut werden muss.

Hier gibt es jetzt einen Überblick über die Änderungen, die wir momentan gerade machen bzw. machen lassen – in Listenform. Auf die einzelnen Punkte werde ich sicherlich nochmal gesondert eingehen, hier geht es mal um einen groben Überblick.

Hubdach

Hubdach für den Landrover Defender

Hubdach für den Defender

Ein richtiger Schlafplatz, viel Stauraum, die Möglichkeit, das Bett ungemacht mit auf Reisen zu nehmen. Zuklappen, sichern, losfahren. Das geht nicht mit dem Multiplex-Bett und auch nicht mit einem Dachzelt. Außerdem wird das Dachzelt nicht geheizt. In Alaska könnte das arg kalt werden.

Wir haben uns verschiedene Systeme angesehen. Bei den meisten konnten wir den bereits montierten Dachträger nicht behalten. Letztlich ausschlaggebend für das Hubdach von Dietmar Knaack aus Grevenbroich („Schätzelein, isch hab Rücken!“) war der faire Preis, die Nähe und der nette Mensch. Das kann man gar nicht anders sagen! Dietmar hat selbst einen ausgebauten Defender und steht mit Rat und Tat (und Kaffee und Kuchen!) zur Seite.

Ins Dach passt fast haargenau unsere Matratze. Wir haben an den Seiten knapp 4 Zentimeter kürzen müssen. Aber es liegt sich prächtig. Das Dach macht den Defender rund 12 Zentimeter höher. Das macht sich beim Fahren schon bemerkbar, aber man gewöhnt sich schnell an den höheren Schwerpunkt.

Heizung

Die Standheizung kommt von Planar (Planar 2D12 2KW), einem tschechischen Hersteller. Ich hätte auch die Eberspächer oder eine webasto nehmen können. Ausschlaggebend war hier allein der Preis. 530,- Euro (statt über 1.000) finde ich ein valides Argument. Den Nachteil der Lautstärke kann man durch den Anbau eines Eberspächer Schalldämpfers bereinigen. Die Heizung heizt mit 2 KW nur den Innenraum (nicht den Motor). Die Steuerung erfolgt über ein Bedienteil, das wir in Griffnähe des Hubdaches einbauen.

Zusatztank

Der normale Füllstand im Defender hat  mir anfänglich ein bisschen Sorgen bereitet. In Südamerika gibt es nicht an jeder Ecke Tankstellen. Schon gar nicht die mit „gutem Diesel“. Und die Atacama ist auch größer, länger und breiter, als der normale Tank hergeben würde. Der GMB-Zusatztank für Landrover Defender ist (hoffe ich) eine gute Wahl. 45 Liter Zusatzvolumen reichen bei voller Beladung für 350 Kilometer (oder etwas mehr). Zusätzlich hat er den Vorteil, dass er keine zusätzliche Pumpe benötigt. Ein Teil weniger, das kaputt gehen kann.

Seilwinde

Die Seilwinde. Tja, braucht’s die wirklich? Gute Frage. Ich betrachte sie mal als Versicherung. Wenn man eine hat, wird man sie nicht brauchen. Hat man keine, dauert es nicht lange, bis man im Dreck stecken bleibt. Wir haben uns also für die „Versicherung“ entschieden und ein einfaches Modell genommen, das nicht ständiger Dauerbelastung standhalten muss. Die Seilwinde von Britpart (dieses Modell) kostete inkl Montage und Seilwindenstoßstange knappe 1.500,- Euro. Viel Geld für eine Versicherung. Aber was ist beim Defender schon günstig ;-) Wir werden sehen, wie häufig wir sie wirklich einsetzen werden. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Sie schaut ja auch ganz nett aus.

Weitere Ein- und Ausbauten

Neben der ganzen Fahrzeugtechnik gibt es natürlich auch noch das große Kapitel des Innenausbaus. Schränke, Staufläche und natürlich auch die Elektrik und Kühlung spielen für die Reise eine große Rolle. Dem Thema widme ich mich irgendwann in den kommenden Wochen, wenn alles eingebaut ist.

Testlauf: Nordkap

Ich brauche ja immer ein Ziel. Einfach so drauf los fahren geht nicht. Aber wenn ich ein Ziel habe, das ich erreichen möchte, dann kann der Weg gar nicht lang genug sein. Und weil ich vor der großen Reise nochmal eine Testfahrt machen wollte, habe ich mir halt ein kleines Ziel gesetzt. Nach Piran und Stargard im letzten Sommer kommt jetzt das Nordkap. Gut zwei Monate vor unserer Abfahrt nach Südamerika wartet also nochmal ein kleines Abenteuer auf mich. Ich werde mich von Augsburg über Travemünde und Helsinki auf den Weg zum Nordkap machen. Nochmals rund 2.300 Kilometer und 611 Seemeilen (1.132 Kilometer) lege ich auf dem Hinweg zurück. Lesen, nichts tun, Auto testen, Kamera-Drohne ausprobieren, Zeit für alles haben. Rückwärts geht es knapp 3.200 Kilometer mit der kleinen Ausnahme Öresundbrücke und der Fähre Rødby-Puttgarden komplett über Land in Richtung Aachen. Das wird nochmal ein ordentlicher Belastungstest für mich, für den Defender und für das komplette Equipment. Momentan habe ich folgende Reisedaten geplant:

11.07.2016 – Abfahrt Augsburg nach Travemünde
Übernachtung auf dem Campingplatz Ivendorf
12.07.2016 – Check-in auf der Fähre nach Helsinki
13.07.2016 – Abfahrt der Fähre um 3.00 Uhr
14.07.2016 – Ankunft in Helsinki um 9.00 Uhr
Helsinki-Sightseeing, Übernachtung auf dem Campingplatz Rastila
15.07.2016 – weiter Richtung Norden, Tagesetappe ca. 600 km
16.07.2016 – Ankunft in Riponiemi, Übernachtung bei Freunden, Tagesetappe: ca. 500 km
17.07.2016 – weiter zum Nordkapp, Tagesetappe 548 km, Übernachtung irgendwo, vielleicht auf dem Campingplatz Kirkeporten
19.07.2016 – Rückfahrt in Richtung Aachen immer entlang des baltischen Meeres bis nach Malmö, Tagesetappe rund 600 Kilometer. Geplante Ankunft in Malmö am 23.07.2016
24.07.2016 – Öresund-Brücke (webcam), Reststrecke bis nach Aachen: 833 Kilometer
25.07.2016 – Fähre Rødby-Puttgarden, weiter in Richtung Aachen
26.07.2016 – Ankunft in der Kaiserstadt

Das Jedermannsrecht (allemansrätten bzw. jokamiehenoikeus) erlaubt in Schweden, Norwegen und Finnland auch das freie Zelten/Campen in der Natur. Das Offroad-fahren ist, soweit ich das gelesen habe, nicht erlaubt. Aber das ist ja auch nicht Ziel der Reise. Übernachten im Dachzelt dürfte aber wohl kein Problem darstellen. Einen Campingplatz muss ich mir also immer nur dann suchen, wenn ich mich nach einer vernünftigen Dusche sehne. Den Rest habe ich ja eh dabei.

Ich bin echt sehr gespannt. In den kommenden Tagen muss ich noch die beiden Fähren buchen. Der Rest ist ein bisschen „Fahren frei Schnauze“.  Und dann freue ich mich auf neue Landschaften, neue Leute und jede Menge imposanter Eindrücke vom Nordkap und der Umgebung. Und ich bin gespannt auf den Belastungstest für den Landrover. Klappt alles? Hält die Technik, fehlt Equipment, klappt die Stromzufuhr? Wenn ich zurück bin, dann habe ich noch einige Wochen, um zu verbessern und zu reparieren.

Falls sich jemand fragt, warum ich immer nur von „ich“ schreibe: Ich fahre allein. Michaela macht in der Zwischenzeit nochmal Urlaub für sich. Wir nehmen uns beide quasi nochmal eine Auszeit von und füreinander, bevor wir auf die lange gemeinsame Reise gehen. Insofern wird das auch ein Belastungstest für mich. 14 Tage ohne meine bessere Hälfte. 14 Tage „Einsamkeit“. Auch da bin ich gespannt.

Was gegen Seekrankheit hilft

„Das wird lustig“, sagte Ingo, ehemaliger Fregatten-Funker mit Übersee-Erfahrung. Das Wichtigste sei die Erkenntnis, dass man sich daran gewöhnt. Nun, wir werden 30 Tage Zeit haben, um uns an die Seekrankheit zu gewöhnen, wenn wir mit dem Schiff nach Uruguay unterwegs sind.  Trotzdem schadet es ja nicht, sich vorher schon mal ein bisschen schlau zu machen, was es mit der Seekrankheit so auf sich hat.

Was ist Seekrankheit eigentlich?

Seekrankheit ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eigentlich nur eine Sinnestäuschung. Im Normalfall bringt das menschliche Gehirn alles in Einklang. Alle Sinne, von den Augen bis zur Haut, machen die gleiche Erfahrung und melden diese wie gewohnt an das Gehirn. Bei der Seekrankheit ist das nicht so.

Befindet man sich beispielsweise unter Deck, dann sehen die Augen einen viereckigen Raum. Nichts ungewöhnliches also. Die Muskeln, Füße, Sehnen merken jedoch, dass sich der Raum bewegt und melden selbiges an das Gehirn. Wenn das mal nicht verwirrend ist. Das Gleichgewichtsorgan nimmt die Beschleunigungskräfte in verschiedene Richtungen war, obwohl die Füsse einen festen Boden melden. Die Verwirrung ist perfekt. So – vereinfacht ausgedrückt – entsteht Seekrankheit.

Dass sich das Gehirn daran gewöhnt kann man leicht feststellen, wenn man wieder von Bord ist. In manchen Situationen kurz nach einer Seereise meldet das Hirn schwankende Wände, wenn man abends im Bett liegt, ähnlich einem ordentlichen Rausch. Dann ist es genau umgekehrt: Das Hirn bringt die dann richtigen, falschen Signale durcheinander und suggeriert, dass es jetzt eigentlich eine schaukelndes Bett geben müsse.

Seekrankheit – die Symptome

Unterschiedlich stark sind die Symptome und auch noch bei jedem anders. Bei Frauen kommt es eher dazu, als bei Männern, bei Jüngeren häufiger als bei Älteren, bei Fetten eher als bei Fitten. Manche werden nur Müde, manche Füttern die Fische. Es lässt sich nicht klar definieren, die Wirkung ist letztlich bei jedem anders.

Was kann man dagegen tun?

Brillen mit künstlichem Horizont, Akupunktur, Vitamin C, Ingwer. Alles schon mal gehört, aber nichts hilft nachgewiesen und zuverlässig. Selbst Sliwowitz (Slivovic) soll angeblich helfen, nur die Dosis ist nie genau angegeben. Ob es am Ende die Seekrankheit oder der letzte Schnaps war, der zur Übergabe führte …?

Eine Reihe von Medikamenten gibt es. Die Wirkstoffe Dimenhydrinat, Meclozin, Scopolamin, Flunarizin und Cinnarirzin haben entweder Nebenwirkungen oder sind auf dem deutschen Markt gar nicht mehr erhältlich. Allein Dimenhydrinat, unter anderem enthalten in Vomex A, wird eine gewisse Wirksamkeit nachgesagt – aber eher gegen Übelkeit und Erbrechen, weniger gegen Seekrankheit an sich. Dimenhydrinat ist auch in Kaugummis der Marke Superpep enthalten. Die gibt es in der Apotheke. Vielleicht ist das eine Alternative.

Geheimtipp von der Bundeswehr

Scopoderm. Das ist der Wirkstoff, der in Pflastern enthalten ist, die man sich hinter das Ohr kleben kann. Das Wirkstoffdepot hält rund 48 Stunden an und setzt die Empfindlichkeit des Gleichgewichtsorgans herunter. Damit können zumindest aus dieser Ecke nur noch vermindert falsche Tatsachen an das Gehirn gemeldet werden; die Seekrankheit ist nicht mehr so schlimm. Blöd: Die Pflaster können durchaus Nebenwirkungen haben. Und im Gegensatz zu einer Fregatte der Bundeswehr sind auf einem RoRo-Frachter keine Ärzte an Bord. Zumindest ist das nicht die Regel. Und je nachdem, wie stark die Nebenwirkungen einsetzen, steht man dann vor ganz anderen Problemen. Wer also ein Pflaster gegen Seekrankheit mit an Bord neben möchte, sollte deutlich vorher mit seinem Arzt darüber sprechen und es einfach mal ausprobieren. An Land sind die Nebenwirkungen eh viel erträglicher.

Und was machen wir?

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, doch auf die Pflaster zu verzichten. Wir nehmen Superpep und Vomex A mit an Bord und hoffen auf wenig Seegang und wenig empfindliche Nerven. Und wenn gar nichts mehr geht, dann probiere ich das mit dem Slivovic nochmal aus.

Update: So war es wirklich

Nach 39 Tagen auf dem Schiff können wir jetzt aus erster Hand sagen, wie es wirklich war. Seekrankheit hat nicht zwingend etwas mit Seegang zu tun. Seekrankheit trifft auf, wenn sie will. Auch mal gerne erst, wenn man vier Wochen auf See war. Wir selbst sind zwar verschont geblieben, aber nicht alle unserer Mitreisenden. Wir hatten „Scopoderm TTS“-Pflaster dabei, die man hinter das Ohr klebt. Danach ist Ruhe. homöopathische halfen genauso wenig, wie Armbänder für die Handgelenke. Die Nebenwirkungen der Pflaster beschränkten sich bei unseren Versuchskaninchen auf leichte Kopfschmerzen. Die sind aber immer noch viel erträglicher, als die Seekrankheit.

Was macht man 30 Tage auf dem Meer?

Verschiffung nach Südamerika, was vielleicht passieren wird … Nachdem wir unsere RoRo-Verschiffung nach Montevideo gebucht haben, haben wir uns natürlich auch ein bisschen schlau gemacht, was in den rund 30 Tagen an Bord so alles passieren wird.

Zusammengefasst: Nichts. Oder zumindest nicht viel. Auf einem Frachtschiff zu reisen hat irgendwie so gar nichts mit einer Kreuzfahrt zu tun. Ganz im Gegenteil: Eigentlich gibt es nichts zu tun. Vielleicht ein bisschen auf dem Deck sitzen und links aufs Meer schauen. Und dann ein bisschen rechts aufs Meer schauen. Und dann wieder links. Kein Telefon. Kein Internet. Kein Fernsehen. Kein Radio. Die Verpflegung soll ausgesprochen gut sein. Die Crew, so um die 15 Mann, will ja auch bei Laune gehalten werden. Und die max. 12 Passagiere, die zusammen mit ihren Autos an Bord sind, natürlich auch. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind maximal 12 Passagiere an Bord, damit kein Arzt auf dem Schiff sein muss. Diese Kosten spart sich die Reederei natürlich gerne. Also weniger Passagiere, dafür kein Schiffsarzt. Zurück zur Verpflegung: zwei 4-Gänge-Menüs pro Tag. Dazu ein ausgiebiges Frühstück. Das kombiniert mit keiner Bewegung. 30 Tage lang. Gut, dass es wenigstens eine Tischtennisplatte und ein Laufband geben soll. Aber das ist auch von Schiff zu Schiff unterschiedlich.

eBook Frachtschiff nach SüdamerikaApropos unterschiedliche Schiffe. Unsere erste Bestätigung der Frachtschiffreise lautete auf die Grande Francia. Ein RoRo-Containerschiff der Reederei Grimaldi mit 197 Meter Länge. Geplante Abfahrt ab Hamburger Hafen: 25.09.2016. Schon zu Beginn wurde uns aber gesagt, dass sich das im Laufe des Jahres noch mehrfach ändern kann. Zum Beispiel letzte Woche. Jetzt sind wir auf die Grande Gabon gebucht; Abfahrt am 04.10.2016. 211 Meter lang, gebaut 2011, also quasi niegelnagelneu (aktuelle Posititon Grande Gabon).

30 Tage, voraussichtlich mit einem Zwischenstop an der Westküste Afrikas (Dakar) und einem in Brasilien. Brasilien vielleicht sogar mit Landgang. Ansonsten bleibt in diesem Monat auf See viel Zeit zum Lesen, vielleicht zum Spanisch Lernen, vielleicht zum Deck schrubben. Irgendetwas wird uns schon einfallen. Nicht vergessen: Mau-Mau-Karten mitnehmen.

Reise-Impfungen für Süd- und Mittelamerika

Impfungen sind für die Reise nach Süd- und Mittelamerika ein absolutes Muss! Mal abgesehen von den mehr oder minder angenehmen Krankheiten, die vor Ort lauern und durch das ein  oder andere Viech übertragen werden können, schadet es natürlich auch nicht, die auch in Deutschland üblichen Impfungen zu wiederholen bzw. aufzufrischen.

Impfplan

Je nachdem, wie lange die letzte Impfung her ist, sollte man sich auch richtig viel Zeit nehmen. Für meine Impfungen haben wir (der Arzt und ich) fast ein halbes Jahr eingeplant. Nicht, weil das soviel Spaß macht. Viel mehr, um eventuell auftretende Nebenwirkungen abgrenzen zu können. Ich würde zunächst eine Impfberatung empfehlen. Ob das jetzt beim Arzt ist oder bei einem Tropeninstitut passiert, ist fast egal. Mir war wichtig, dass mein Arzt selbst reiselustig ist und Impfungen für ihn nicht nur graue Theorie sind. Bei der Impfberatung wird dann – nach einem Blick in Euren Impfausweis – ein Impfplan erstellt. In diesem wird festgelegt, wann welche Impfung erfolgen muss.

Impfkosten und die Krankenkasse

Eigentlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Reise-Impfung. Zwar sind die Krankenkassen nicht dazu verpflichtet, die Kosten für Reiseimpfungen zu übernehmen; viele Kassen haben die Reiseimpfungen aber in ihren freiwilligen Leistungskatalog aufgenommen. Da Impfungen durchaus ins Geld gehen können, lohnt es sich ein Anruf bei der Krankenkasse auf jeden Fall. Die Impfstoffe für meine Impfungen kosten satte 593,- Euro. Dazu kommen noch die Arztkosten. Werden die Kosten von der Krankenkasse nicht übernommen, kann man die Impfstoffe auch in einer niederländischen Versandapotheke kaufen. Meine Medikamente sind dort rund 120,- Euro günstiger.

Meine private Krankenkasse übernimmt die Kosten für alle Vorsorgeimpfungen, die für die jeweiligen Länder laut Robert Koch-Institut vorgesehen sind. Der freundliche Kundenberater gab mir deswegen den Tipp, die Impfungen jeweils als Vorsorge-Impfungen vom Arzt ausweisen zu lassen. Dann übernimmt die Krankenkasse auch alle Kosten.

Notwendige Impfungen

  • Cholera
  • Diphterie
  • Gelbfieber
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Malaria
  • Meningitis
  • Polio
  • Tetanus
  • Tollwut
  • Typhus

Gelbfieber-Impfung ist obligatorisch. Denn ohne eine nachgewiesene Gelbfieber-Impfung kommt man gar nicht erst nach Südamerika. Wir müssen die Gelbfieber-Impfung schon vier Wochen vor der Verschiffung bei der Reederei einreichen. Besonderheit: Gelbfieberimpfungen dürfen nur an offiziellen, von der WHO genehmigten Impfstellen durchgeführt werden. Diese Bestimmung erklärt sich durch die extreme Empfindlichkeit des Impfstoffes. Wenn man also nicht zu mehreren verschiedenen Stellen oder Ärzten zum Impfen gehen möchte, dann sollte man vorher klären, ob der Wunscharzt eine offizielle Gelbfieber-Impfstelle (Übersicht Gelbfieber-Impfstellen) ist.

Auf die Malaria-Prophylaxe werden wir verzichten. Die Medikamente Malaron oder Malarex werden sowohl zur Vorsorge, als auch zur Behandlung genutzt. Man könnte nun während der gesamten Reisedauer jeden Tag Medikamente nehmen oder eben erst im Krankheitsfall. Unser Arzt hat uns zu letzterem geraten, der sog. Standby-Medikation. Beim geringsten Anzeichen von Malaria sofort Malarex nehmen und sich vor Ort in ein Krankenhaus begeben. Da Malaria sich wie eine Grippe anfühlt, können die ersten Anzeichen also schon Kopfschmerzen oder leichtes Fieber sein. Wenn dem so ist: Runter mit den Tabletten und ab in die Behandlung.

Innenausbau – erstmal skizzieren

Ein schöner Sonntag Nachmittag mit netten Menschen. So fängt’s an. Und hinterher ist man um einen nicht zu knappen Betrag ärmer, aber um jede Menge Tipps uns Erfahrungen reicher.

Ein kleiner Ausflug zu Dietmar und Heidi. Dietmar hat vor kurzem das Dach auf den Defender gebaut. Und er ist so freundlich, mit mir zusammen den weiteren Innenausbau nicht nur zu planen, sondern auch umzusetzen.

Unglaublich hilfreich sind seine (ihre) unzähligen Erfahrungen von eigenen Touren mit dem Defender. Was braucht man, was ist (vermutlich) Unsinn, an was habe ich nicht gedacht.

Zum Beispiel an ein besseres, vernünftigeres Fahrwerk. Rund 2,5 Tonnen Leergewicht wird der Defender nach dem Umbau haben. Und da ist ein anderes Fahrwerk vielleicht gar nicht mal so schlecht. Zumal man das geänderte Fahrverhalten seit dem Hubdach-Ausbau doch schon deutlich spürt. Das wird mit Zusatztank und Schränken nicht anders sein.

Neue Dämpfer hier, eine Lightbar dort. Oft nur Kleckeres-Beträge. Aber in der Summe. Ich mag gar nicht daran denken. Dann schon lieber an die nächste Reise. Vielleicht nach Finnland?

Rausgekommen ist unter anderem eine aktualisierte Einkaufsliste:

  • Standheizung
  • Kühlbox
  • Zusatzbatterie
  • 2 Solarpanel
  • Lightbar vorn
  • Arbeitsscheinwerfer hinten
  • Seilwinde (+ neue Stossstange)
  • Spannungswandler
  • Durchlauftank

Hier meine ersten beiden Skizzen vom geplanten Ausbau.

skizze-innenausbau-defender-1

skizze-innenausbau-defender-2

Länderverlosung

So richtig glücklich scheine ich mit dem Ergebnis der Länderverlosung nicht zu sein. Aber das Foto täuscht. Es hat keine Nieten gegeben!

Was es mit der Länderverlosung auf sich hat? Wir haben uns überlegt, ob wir uns gemeinsam in die komplette und komplexe Reiseplanung entlang der Panamericana stürzen oder ob wir uns gegenseitig zumindest ein bisschen überraschen wollen. Von der Arbeitsteilung mal ganz zu schweigen.

Der Plan (was wäre so eine Reise schon ohne die ganzen Pläne …?): Wir teilen die Länder entlang der Strecke unter uns auf und jeder wird Spezialist für die Länder, die er bekommen hat. Das Spezialistentum bezieht sich dabei natürlich nicht nur auf die Sehenswürdigkeiten. Die natürlich vor allem. Aber es gibt ja auch eine ganze Reihe anderer Dinge, die man bedenken und beachten muss.

Sei es die Einreiseformalitäten oder die Promillegrenze, die Bezugsquellen für Ethanol (für den Spirituskocher) oder die notwendigen Impfungen. Nicht zu vergessen die Übernachtungsmöglichkeiten, die Gepflogenheiten vor Ort und der Kontakt zur nächsten Landrover-Werkstatt. Und als wichtigste Aufgabe: Die Länderseiten auf www.panamericana.de. Hier werden alle wichtigen Informationen zu unserer Reise als Tipps & Tricks für Euch und andere hinterlegt. Und dafür braucht es natürlich auch Sammler und Schreiber.

Bei der Länderverlosung ist uns aufgefallen, dass wir eines der wichtigsten Länder am Rande der Panamericana bei der Planung bisher schamlos ausgelassen haben: Belize. Den knapp 300.000 Einwohnern möchten wir natürlich auch einen Besuch abstatten. Vielleicht nicht jedem Einzelnen. Aber doch wenigstens ein paar. Deswegen ist es auf unserer Länderliste jetzt erst dazu gekommen.

Ein Hubdach für den Defender

Im Defender zu schlafen ist nicht die schlechteste Idee, wenn man unterwegs ist. ImDefender meint damit nicht neben dem Defender im Zelt oder auf dem Defender im Dachzelt, sondern wirklich drin.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Man hat zur Not eine Heizung zur Hand. Sei es die „normale“ oder eine Standheizung. Im Zelt könnte man vielleicht ein kleines Lagerfeuer machen, das ist aber auch nur bedingt empfehlenswert.

Ein weiterer Vorteil: Im Defender ist man vor Grizzlybären, Monsterheuschrecken und G-Klasse-Fahrern einigermaßen sicher.

Der Bettausbau, den ich bisher genutzt habe, ist an sich nicht die schlechteste Idee. Für längere Reisen (mehr als meine 4 Wochen), ist er aber nur bedingt geeignet. Denn er nimmt jede Menge Platz, den man vielleicht in Regenzeiten braucht. Und ein wenig Stauraum nimmt er auch.

Also habe mich mit Dietmar an einen Tisch gesetzt. Dietmar ist Metallbauer und baut halt auch am Defender rum. Zum Beispiel an meinem.

Und deswegen hat der Dicke vor ein paar Wochen ein ausklappbares Dach bekommen. Mit wenigen Handgriffen ist es hoch gehoben und bietet oben richtig viel Platz zum Schlafen. Auf den beiden Längsseiten ist es mit Fliegengittern versehen. Hinten raus kann man entweder das Fliegengitter drin lassen oder das Panoramafenster offen lassen … ich denke da an Sonnenuntergänge in der Wüste von Chile oder Polarlichter in Finnland (auch noch 2016?).

Bei der Auswahl des richtigen Hubdach-Anbieters war mir vor allem wichtig, dass ich den Dachträger drauf lassen konnte. Bei den meisten Varianten geht das nicht, sei es, weil ein neues Defender-Dach drauf kommt oder die Regenrinne modifiziert wird. Die Dietmarsche Variante behält das Original-Dach und die Regenrinne. Das Dach kann sogar beladen hochgeklappt werden, wichtig für die Expeditionsausrüstung und das Solarpanel.

Auf der Quadrofaktum-Tour nach Verdun (der Bericht folgt noch), wurde es von allen Seiten begutachtet. Und erst als ich heute (wieder mal) eine nette Begegnung mit quasi Fremden hatte, die sich das Ausstelldach ausführlich haben zeigen lassen, ist mir aufgefallen, dass das Hubdach doch gar nicht so gewöhnlich ist, wie ich bisher dachte. Sei’s drum.

Es ist noch nicht eingeweiht, weil noch die Mini-Idee und Zeit für eine kleine Tour fehlte. Kommt aber noch. Bis dahin müssen diese zwei Bilder reichen.

Hubdach Defender

Hubdach Defender

Routenplanung mit der Weltkarte

Zugegeben, die Routenplanung mit der Weltkarte ist ein bisschen altmodisch. Da wir aber (noch lange) nicht ins Detail gehen, reicht die Karte und das (falsche) Automodell durchaus aus. Momentan liegt unser Augenmerk auf der ganz groben Planung: Welches Land wollen wir überhaupt bereisen und zu welcher Jahreszeit sollten wir in welchem Kontinent sein.

Wir machen uns momentan noch  nicht mal Sorgen, ob wir Visa brauchen oder wie lange wir – egal ob mit oder ohne Visum – in welchem Land bleiben dürfen. Wetter ist viel wichtiger.

Unsere Planung hat sich insoweit gefestigt, als dass wir uns mindestens ein Jahr Zeit nehmen wollen. Grob liegen auf der Reise 36.000 Kilometer vor uns. Von Montevideo runter nach Ushuaia. Von dort aus hoch über Mexiko bis nach Alaska. Dort angekommen machen wir uns wieder auf den Weg in Richtung Osten. Ganz grob peilen wir Baltimore an, um das Auto wieder nach Europa zu verschiffen. Wissend, dass die Reise bis dahin einen durchaus anderen Verlauf nehmen kann, als den, den wir geplant haben, ist Prudhoe Bay erstmal unser primäres Ziel. Alles was dann kommt, wird sich sicherlich im Laufe der Reise zeigen. Wer weiß, vielleicht haben wir schon nach drei Monaten die Nase voll und kommen wieder zurück.

Unsere Länderliste:

  • Uruguay
  • Argentinien
  • Chile
  • Peru
  • Bolivien
  • Ecuador
  • Kolumbien
  • Panama
  • Costa Rica
  • Nicaragua
  • El Salvador
  • Honduras
  • Guatemala
  • Mexiko
  • USA
  • Kanada
  • Alaska (USA)

Wie kommt der Defender nach Südamerika?

Unsere vordringlichste Frage: Wie kommt der Defender nach Südamerika. Zwei Möglichkeiten gibt es, soweit bin ich schon:

  • Auto in den Container, Container auf’s Schiff, Schiff nach Südamerika. Und wir mit dem Flieger hinterher.
  • Auto selbst direkt auf’s Schiff fahren, Kabine beziehen, mit dem Schiff (und dem Auto) nach Südamerika fahren.

eBook Frachtschiff nach Südamerika Variante 2, alle mit dem Schiff, ist für mich die Interessantere. Knapp vier Wochen dauert so eine Überfahrt. Und das klingt für mich nach Entschleunigung pur. Vier Wochen ohne Telefon, ohne Internet, ohne Termine. Das klingt sensationell, wenn ich genauer darüber nachdenke.

Michaela findet die Idee nicht so prickelnd. Vier Wochen auf offener See, Stürme, vollaufende Schiffe, Untergang. Klingt ein wenig nach Katastrophenfilm. Nicht sonderlich erquickend. Die Alternative ist aber offensichtlich noch weniger lustig, wenn man Flugangst hat.

Wir beschließen, einen kleinen Ausflug nach Bad Königshofen in Bayern zu machen. Dort ist das jährliche Seabridge-Treffen. Seabridge ist ein Reiseanbieter, spezialisiert auf geführte Übersee-Reisen. Das treffen findet in den Thermen in Bad Königshofen statt. Das hätte mir zu denken geben müssen ;-)

Wir senken den Altersschnitt drastisch. Gefühlt sind wir halb so alt, wie die meisten Anwesenden. Aber irgendwie liegt das ja auch auf der Hand. Wer hat in unserem Alter schon soviel Zeit und Risikofreude, alles hinter sich zu lassen und mindestens ein halbes Jahr – so lange dauern die geführten Seabridge-Touren – alles hinter sich zu lassen. Wir schlagen uns also durch Diavorträge und Fragerunden. Immer wieder die Frage aus dem Auditorium, nach der Reiserücktrittsversicherung. Gibt es keine, wiederholen die Seabridge-Leute gebetsmühlenartig. Auch uns dämmert es so langsam, dass eine Überfahrt mit dem Schiff keine Spassveranstaltung wird, sondern eine Mitfahrt auf einem Frachtschiff. Keine Rücktrittsversicherung! Das Gute ist: Seabridge bietet nicht nur die geführte Tour an, sondern seine Dienstleistung auch als reiner Reisevermittler. Wir neigen also zur reinen Überfahrt ohne Händchenhalten.

Diavortrag beim Seabridge-Treffen

RoRo mit Seabridge

RoRo, Roll-on Roll-off, heißt das Verfahren. Man fährt das Auto selbst auf’s Schiff und bekommt eine Kabine mit oder ohne Fenster. Dann geht es über Dakar nach Montevideo in Uruguay. Und dort fährt man nach einer relativ kurzen Zollprozedur wieder vom Schiff runter. Vorteilhaft ist das verkürzte Zollverfahren. Ist das Auto im Container, dann kann das Ausschiffen schon mal ein paar Tage in Anspruch nehmen. Ist man selbst auf dem Schiff, dann kommt der Zöllner und alles ist in (angeblich) einer knappen Stunde erledigt.

Vorsichtig schleichen wir uns aus dem launigen Vortrag (der geneigte Leser mag hier zwischen den Zeilen stöbern) zum Beratungstisch. Wir würden gerne im kommenden Herbst, vielleicht, eventuell, also unter Umständen, nach Südamerika verschiffen; am Liebsten im September. Ungläubiges Schweigen auf der anderen Tischseite. „Tja, also, im September 2016, da wollen alle. Das wird schwierig!“ Wir hatten uns darauf eingestellt, uns in Bad Königshofen zu informieren. Dass wir die Verschiffung dort schon reservieren würden (müssen), damit hatten wir nicht gerechnet. Scheiß drauf! Worauf warten? Was überlegen? Wir haben die Reise reserviert. Jetzt wird’s ernst.

Den genauen Abfahrtstermin wissen wir natürlich noch nicht. Wir müssen den Schiffsfahrplan abwarten. Wir müssen uns lediglich für eine Kabine entscheiden. Mit oder ohne Fenster? Mit Fenster wird es deutlich teurer – aber wollen wir wirklich 30 Tage ohne Tageslicht in der Kabine sitzen? So eine Reise macht man wohl nur einmal. Dann auch bitte mit Fenster. Irgendwann im November werden wir die verbindliche Buchung bekommen. Und natürlich eine Rechnung. Und dann gibt es quasi keinen Weg zurück. Zumindest nicht im bildlichen Sinne.

Das Seabridge-Treffen war eine unerwartete Erfahrung. Wir hatten mit viel mehr Overlandern im Defender gerechnet. Weniger Reiseluxus, viel mehr Abenteuer. Das will ich den Anwesenden natürlich nicht absprechen. Aber viel waren froh, dass Seabridge eine geführte Tour anbietet. So ganz auf eigene Faust, das ist den meisten (anwesenden) dann doch zu viel Freiheit.

Natürlich hätten wir uns auch selbst um die Verschiffung kümmern können. Wir hätten mit der Reederei verhandeln und alle Papiere selbst besorgen können. Diesen kleinen Luxus gönnen wir uns. Denn schließlich soll unsere Reise nicht mit lauter bürokratischem Quatsch beginnen.