Bilderbuch Paso de Agua Negra

Unser Bilderbuch zur Fahrt über den Paso Agua Negra. Bis auf sagenhafte 4.778 Meter führt der Paso Agua Negra hoch in die Anden. Oben erwartet uns ein tolles Farbenspiel und die meterhohen Büßerschneefelder. Naja, und auch ein bisschen Höhenkoller: kaum ein paar Schritte gegangen, setzt die Schnappatmung ein.
Mit Alex und Markus machen wir ein kleines Picknick oben auf dem Scheitelpunkt und genießen den Ausblick. Unglaublich, dass wir so hoch oben sind!

Paso de Agua Negra

Der Paso de Agua Negra. Wenn man, so wie wir, eine Panamericana-Reise macht, meistens entlang des Straßennetzes, manchmal aber auch ein bisschen rechts und links über den Tellerrand schauend, dann plant man vorher, welche Orte man besuchen will, was man sehen möchte. Das Programm von Ushuaia bis Alaska ist stramm, es bleibt nicht die Zeit in Südamerika jeden Stein umzudrehen. Vieles, was in Reiseführern beschrieben steht, stellt sich hinterher eh als fauler Apfel heraus (so unser Paradebeispiel Gaiman).

Einer der Punkte, den wir auf keinen Fall auslassen wollten, ist der Paso de Agua Negra. Keine Sehenswürdigkeit im eigentlichen Sinn, sondern eine von vielen Möglichkeiten, die Anden zwischen Chile und Argentinien zu überqueren. Vor der Reise wussten wir nicht, dass die Anden-Pässe zu den Highlights unseres Trips gehören würden. Der Paso Tromen o Mamuil Malal zum Beispiel oder auch der Paso Roballos. Der Agua Negra war aber von Anfang an ein Muss.

Paso de Agua Negra – die schönste Verbindung in Südamerika

Irgendwann haben wir mal Bilder vom Pass im Internet gesehen: staubige Straßen, rote Berge und weiß-gelbe Eisfelder, die Büßerschneefelder. Es war ein bisschen Liebe auf den ersten Blick. Und wie das mit so einer Schockverliebung im Internet ist, man muss sich irgendwann Auge in Auge gegenüberstehen und sehen, ob es nur spontanes Aufflammen ist oder gar eine gludernde Lot, eine lodernde Glut.

Der Paso de Agua Negra verbindet Chile und Argentinien, irgendwo nördlich von Santiago de Chile. Er ist der höchste befahrbare Pass zwischen Chile und Argentinien und steigt an seinem Scheitelpunkt bis auf 4.778 Meter an. Wegen der hohen Höhe ist der Pass meistens nur von Dezember bis März geöffnet, manchmal auch nur im Januar und Februar. Immer dann, wenn es keinen Geröllabgang gab und wenn die Straße, die Schotterpiste auf chilenischer Seite überhaupt befahrbar ist.

Auf dem Weg nach Vicunja, unserem Ausgangspunkt für die Passüberquerung treffen wir Alex und Markus, die seit Monaten mit ihren Fahrrädern in Südamerika radeln. Zum Abschluss der Reise sind sie mit einem geliehenen Pickup unterwegs. Eigentlich wollen sie ins Pisco-Tal, entscheiden sich aber spontan um und fahren mit uns am nächsten Tag den Pass hinauf.

Im Mini-Konvoi fahren wir bis zur Grenzstation auf chilenischer Seite. Die Zöllnerin begrüßt uns mit einem freundlichen „Guten Morgen“, als sie unsere deutschen Pässe sieht. Ja, bestätigt sie, wir müssen nicht formell ausreisen, sondern dürfen einfach die Pässe hinterlegen. Nichts ist los am Grenzübergang. Weder in die eine Richtung, noch in die andere. Das war wohl die zweitschnellste Grenzabfertigung auf unserer Reise.

Off Road. Nicht unanstrengend.

Fünfzehn Kilometer geht die Straße asphaltiert hoch. Wir befinden uns auf knapp 2.000 Metern Höhe, noch mehr als weitere zweitausendfünfhundert liegen vor uns. Auf der argentinischen Seite ist die Straße bis hoch auf den Pass geteert, man kann schnell fahren und viel verpassen. Chile schickt sich an, weite Teile „seines“ Passes auch zu verdichten, wir freuen uns diebisch, dass wir noch auf Rippio und Schotter fahren können. Nicht, weil das so schön ist, nicht weil es nicht unanstrengend ist, einfach nur, weil es zu viel mehr Zeit und viel mehr Muße zwingt.

Geschafft …. wir sind auf 4.778 Meter über dem Meer

Muße, um alle paar Kilometer einen Zwischenstopp einzulegen und die Landschaft zu genießen. Noch ist der Weg gesäumt von Kakteen, das zarte Bergbächlein bringt an seinen Ufern Grün zum Wachsen, die Berge fangen an, sich zu verfärben. Erst sind sie grau-braun, dann schimmern sie ein bisschen rot. Je höher wir kommen, desto bunter werden sie. Mal gelb wie Safranreis, mal grün wie ein bemaltes Osterei. Ein See, der sich irgendwo im Nichts auf Bergpässen nährt, schimmert erst grün, dann in sagenhaftem blau und hinterher rot. Wir haben keine Ahnung, wie diese Farbe zustande kommt, aber der See ist irgendwann einfach richtig rot …

Der Anstieg wird steiler, die Straße schmaler und der Verkehr dichter. In unsere Richtung bewegt sich fast niemand, entgegen kommen uns unzählige Autos mit argentinischen Nummernschilder, alle im Urlaub, alle auf der Flucht vor der Hitze an die Pazifikküste. Nur ein paar Autos quälen sich mit uns zusammen die einspurige Passstraße hinauf. Und manche geben auch auf. Stau auf dem Weg. Irgendwo jenseits der Viertausend. Ich steige aus, will sehen, ob ich wie auf der Carretera Austral wieder jemanden mit der Seilwinde bergen muss, und lege einen kleinen Zwischenspurt ein. Markus kommt seltsam gemächlichen Schrittes hinter mir her. Und schon wir mir klar, warum. Höhenluft. Schon nach wenigen Schritten fehlt mir der Atem. Komplett. Die Lunge zieht sich zusammen, saugt den Sauerstoff ein, der Puls schnellt in die Höhe. Das ist das also. Langsam!

Höhenrausch dort oben

Der liegengebliebene Suzuki wird später abgeschleppt, wir setzen unseren Weg weiter fort, Kurve um Kurve, vorbei an den ersten Eisfeldern. Und jeder Fotostopp wird gemächlicher. Die Luft wird dünner, leichte Kopfschmerzen machen sich schon bemerkbar, als wir 180 Kilometer hinter Vicunja den höchsten Punkt erreichen. Wahnsinn, 4.778 Meter. Noch nie waren wir so hoch und wir bezweifeln, so schnell nochmal auf diese Höhe zu kommen. Wir sind vom Agua Negra restlos begeistert!

Der Wind pfeift ganz schön auf dieser Höhe und die Sonne brutzelt, wie sie kann. Eine kleine Brotzeit, ein Tomatensalat, ein Coca-Bonbon gegen den Höhenkoller. Mein Baseballcap weht der Wind davon und ich spurte hinterher. Mit bekanntem Erfolg. Zwar habe ich die Bemützung schnell wieder, dafür aber auch gleich einen ordentlichen Schwindel. Die Höhe, knapp fünftausend Meter, ist nicht zu unterschätzen. Und deswegen treten wir nach einer guten Stunde auch wieder den Rückweg an. Nicht den gleichen Weg zurück, sondern die andere Variante der einspurigen Passstraße. Und die hat es in sich.

Schnee und Eisfelder so hoch wie unser Auto. Fast zwei Meter ragen die Büßerschneefelder am Agua Negra in die Höhe, glitzern in der prallen Sonne, zeigen die Schönheit, Einzigartigkeit der Natur. Mich trifft es wie der Schlag. Das zu sehen, das live erleben zu können … Bilder zeigen nur einen Bruchteil der Wirklichkeit. Ich sehe viel mehr, als ich auf den Internet-Bildern gesehen habe, die uns erst hierher geführt haben.

Ich bin total geflasht. Höhenkrankheit? Sauerstoffmangel? Nachträglich ist mir egal warum. Ich bin so überwältigt von der Einzigartigkeit und Schönheit der Natur, vom Glück, das wirklich sehen zu können, dass ich von jetzt auf gleich heule wie ein Schlosshund. Bremsen, Warnblinker, Pause.

Das Glücksgefühl steigt in mir hoch wie das Thermometer in einem heißen Kochtopf. Tränen rinnen und ich bringe keine einziges Wort heraus. Schneuzen und heulen, dazwischen der Versuch, zu erklären. Es hilft nichts. Kilometer über Kilometer halten wir immer wieder an, ich heule, lache, weine, schweige. Ultimatives Glück!

Als wir viele Kilometer weiter einen kleinen Foto-Stopp einlegen, weiß Alex, wie es mir geht. Schön, dass sie dabei sein können, wenn ich das so erlebe, sagt sie. Schön, dass sie dabei sind, geteiltes Glück soll doppeltes sein, sagt man.

Ganz Argentinien will an den Pazifik

Der Weg schlängelt sich in der Hitze des Nachmittags den Berg herunter, nullkommasieben Grad pro hundert Meter wird es wärmer, sagt Markus. Der Temperaturanstieg spürbar und wir freuen und schon geraume Zeit auf den schnellen Grenzübergang, den zweitschnellsten unserer Reise. Bis wir um diese komische Kurve kommen, hinter der eine Schlange die Straße blockiert. Sie klappert nicht, sie rußt. Aus dem Auspuff der unzähligen Autos mit argentinischem Kennzeichen. Was morgens noch schnell und unbürokratisch vonstatten ging, sollte sich jetzt, in der Nachmittagshitze, zu einer endlosen Quälerei entwickeln.

Nicht so mit den Damen. Alex und Hase machen sich zu Fuß auf den Weg zum tausendeinhundert Meter entfernten Grenzpunkt. Und während wir, die Herren, die Autos bewachen, regeln sie mit weiblichem Charme und deutschen Pässen, wie wir über die Grenze kommen, nach Chile wieder einreisen dürfen.

Die Münder stehen offen, die Fragezeichen sind deutlich sichtbar, als wir mit zwei Autos und warnblickend an der ganzen Schlange vorbei Richtung Grenzerhäuschen rollen. Kein stundenlanges Warten, kein brüten in der Hitze, kein gelangweiltes Zeitvertreiben. Einfach durchrollen.

Der Grenzer erwartet uns mit unseren Pässen winkend, öffnet uns Freude strahlend die Schranke und entlässt uns in die chilenische Freiheit.

Paso Tromen o Mamuil Malal

Auf der südlichen Etappe unseres Panamericana-Trips haben wir unzählige Male die Anden überquert, von Argentinien nach Chile, von Chile nach Argentinien und immer wieder zurück. Wenige der Grenzübergänge sind dabei mit europäischen Grenzen vergleichbar. Die meisten sind mehr oder minder gut ausgebaute Bergpässe, ein Grenzerhäuschen hier, Niemandsland, und ein weiteres Grenzerhäuschen dort. Dazwischen bis zu achtzig Kilometer staatenlose Bergwelt.

Wie schon der Paso Roballos gehören die Fahrten über die Bergpässe immer zu den Highlights unserer Reise. Mangels Nähe zu Städten, Dank fehlender Infrastruktur, sind die Gegenden meist gänzlich unbewohnt. Nur ein paar vereinsamte Zöllner sitzen dort oben und vertreiben sich die Zeit bis zum nächsten Grenzgänger mit Blumen zählen oder dem Sortieren von Durchschlägen. Einzige Verbindung zur Aussenwelt ist ein CB-Funkgerät.

Auch wenn es nicht überall so einsam ist, wie am Paso Roballos, die Abgeschiedenheit geht einher mit wunder, wunder, wunderschöner Landschaft. So wie am Paso Tromen o Mamuil Malal. Von Bariloche aus führt die Straße über die Ruta de los 7 Lagos (Straße der sieben Seen) bis hinauf zum Grenzkamm.

Wüstenlandschaft auf argentinischer Seite, linker Hand immer den Vulkan Lanin (3768 Meter) im Blick, durch Araukarien-Wälder, die so aussehen, als hätten noch Dinosaurier an ihren spitzen Blättern geknabbert.

Nichts, was man wirklich in Worte fassen kann. Wer gerne fährt, wer roadtrippt, dem seien die vielen Pässe ans Herz gelegt. Der Paso Tromen o Mamuil Malal nur stellvertretend für viele andere. Nun gut, zuviel der schnöden Wort, lasset endlich Bilder sprechen.

 

Warum dauert das so lang?

Unzählige Bücher haben wir mitgenommen. Nicht digital, sondern so richtige Bücher mit Seiten und Buchstaben. Die wollten wir lesen und irgendwo wollten wir uns Nachschub schicken lassen; postlagernd oder so. Soweit der Plan, so wenig die Wirklichkeit. Dass wir nicht zum Lesen kommen, ist ein Symptom einer für uns unerwarteten Zeitrechnung.

Um es vorwegzunehmen: Unterwegs als Overlander auf der Panamericana und sicherlich auch in allen anderen Teilen der Welt zu sein, ist unglaublich zeitraubend. Alles, was man tut, dauert ungleich länger als daheim.

Kochen auf Reisen

Beispiel kochen. Schnell macht sich der Unterschied zwischen dem heimischen Herd mit Induktionsfeld und unserem einflammigen Spirituskocher bemerkbar. Dort, wo sonst zwei oder drei Töpfe gleichzeitig blubbern, kochen wir heute alles nacheinander, in der Hoffnung, dass die Nudelsauce noch nicht kalt ist, wenn die Nudeln endlich eine annehmbare Bissfestigkeit erreicht haben. Ja, wird sich mancher denken, warum habt ihr dann nicht einen zweiflammigen Gaskocher mitgenommen? Weil jedes Gramm und jeder Kubikzentimeter Platz zählen und für die zwei Flammen einfach kein Platz im Auto war. Nichtsdestotrotz: Für den schnellen Kaffee zwischendurch haben wir uns tatsächlich noch einen kleinen Gasbrenner besorgt, geht halt doch schneller, als mit Alkohol. Apropos Alkohol: Daheim kommt Gas oder Strom wie selbstverständlich aus der Leitung, wir hoffen in jedem größeren Supermarkt, entweder Gas oder Spritius kaufen zu können. Momentan kommen wir immer gut hin, aber unser Notvorrat, die letzte Flasche oder Kartusche wurde auch schon mal angebrochen.

Einkaufen

So selbstverständlich, wie man im Aldi oder Edeka ins Regal greift, ist das Einkaufen auf Reisen nicht. Zum einen gibt es nicht alles, was man von daheim gewohnt ist. Wo steht beim Aldi die Milch? Weiß jeder! Ob sie hier im Mercado zu finden ist, ist nicht immer gesichert. Zudem bevorzugen wir die Tetrapacks (gibt es hier, ja!) mit Schraubverschluss, damit nichts überläuft, wenn es mal wieder auf Rüttelpisten unangemessen wackelt. Brotvorrat für drei Tage kaufen? Nicht hier, weil Du nicht weißt, ob es Nachmittags überhaupt noch Brot gibt. Obst und Gemüse auf Vorrat? Nicht in jeder Stadt und immer mit dem Blick auf den nächsten Grenzübergang, an dem die Mitnahme von Obst, Gemüse, Fleisch und Co. verboten ist. Hat man es trotzdem dabei, freuen sich die Zöllner und nehmen es Dir ab.

Findet man im Supermarkt hingegen „unsere“ Lebensmittel, also mal eine Tafel Schokolade, echten Orangensaft (nicht nur Nektar) oder ein Glas Pesto, dann ist das hier un-un-unangemessen teuer. Importierte Lebensmittel sind gerade in Argentinien unbezahlbar. Johnny Walker: 38 Euro, Nutella (kleines Glas): 6 Euro, Barilla Pesto: 7 Euro, Pfund Butter: 3 Euro. Und wer glaubt, Obst, Gemüse oder einheimische Lebensmittel seien billiger, den können wir beunruhigen. Für drei Bananen, eine Paprika und eine kleine (einheimische) Zucchini haben wir auch schon acht Euro bezahlt. Allein Brot, lokaler Wein und Fleisch sind hier in Chile und Argentinien unglaublich günstig. Beim Einkaufen heißt es also: Zeit mitnehmen. Der gewöhnliche Einkauf im Supermarkt oder mangels Supermarkt in mehreren kleinen Läden hintereinander nimmt schon mal eineinhalb Stunden in Anspruch. Suchen, auswählen, umrechnen. Alles braucht seine Zeit.

Waschen auf Reisen

Unsere Auswahl an Klamotten ist platzbedingt beschränkt, ergo ist unsere Waschfrequenz ein bisschen höher, als daheim. Aber wo wäscht man? Auf unserer bisherigen Route ist der Gang in den Waschsalon state oft he art. Waschmaschinen sind noch immer nicht in allen Haushalten zu finden, dementsprechend verbreitet sind die Salons, die gleich eine ganze Wäscheladung entgegen nehmen. Einmal alles bitte, morgen abholbereit, danke, 8 Euro. Die Suche nach dem Waschsalon, das Hinbringen und Abholen, alles dauert und ist nicht so schnell erledigt, wie mal eben eine Maschine anzustellen, den Trockner zu bedienen und hinterher zusammenzulegen. Von Handwäsche mal ganz zu schweigen.

Kein Handgriff zu viel

„Hase, wo ist denn …“, der meist gesagte Satz bisher. Egal was man tut, man muss erst suchen. So gut der Defender eingerichtet ist, so platzsparend und ausgeklügelt, er ist und bleibt ein schwarzes Loch. Egal was man braucht, es ist entweder verschwunden oder vermeintlich unerreichbar verstaut. Die Senseo daheim ist schnell bedient, Wasser ist im Tank, das Pad liegt griffbereit daneben, die Tasse im Regal darüber. Und Kaffee kochen auf Reisen? Gaskocher, Feuerzeug und Kaffeekanne holen. Wenn die Kanne schon mal sauber ist, dann ist garantiert das Gas leer. Und wo gibt’s Trinkwasser? „Ich geh’ mal schnell zum Fluss!“. Warten bis der Kaffee fertig ist, währenddessen Jagd auf die Tasse machen, die gestern Abend noch für den Rotwein herhalten musste. Ist natürlich nicht gespült. „Ich geh’ mal schnell zum Fluss!“. So geht die Zeit ins Lande, und während die Senseo schon acht Tassen ausgespuckt hätte, die Zeit für das Nachfüllen des Tanks aus der Wasserleitung hier ignorierend, da kommt aus der Bialetti oben nur ein Tröpfchen braune Sauce heraus, der Rest blubbert an der undichten Dichtung vorbei auf den Brenner. Erstmal sauber machen, dann nochmal von vorne. „Ich geh mal schnell zum Fluss!“.

Alles dauert, alles braucht seine Zeit

Jeder Handgriff dauert auf Reisen länger, als daheim. Und obwohl die Tage hier viel länger sind, es ist hell von fünf bis zehn, vergehen sie doch wie im Flug. Allein das Aufbauen und Abbrechen unseres täglichen Nachtlagers dauert fast zwei Stunden, bis alles gekramt, gespült, gepackt und zugeklappt ist. Und wenn wir dann mal zwei Nächte am gleichen Ort bleiben, dann ist auch endlich Zeit genug, um einen Blogbeitrag zu schreiben. Über die Zeit zum Beispiel, die hier viel zu schnell vergeht.

Fitz Roy und der lange Weg nach Chile

Torres del Paine, Perito Moreno und Mount Fitz Roy. Die drei sind wohl die bekanntesten Berge, Gletscher, Gebirsformationen in den südlichen Anden und gehören auch für uns zum Pflichtprogramm. Nach unserem Besuch im Nationalpark Torres del Paine und am kalbenden Gletscher Perito Moreno nun also der Mount Fitz Roy, der vor allem wegen seiner zackigen Silhouette bekannt geworden ist. Im indianischen nannte man den Berg ursprünglich „Chaltén“, den Rauchenden, weil die Wolken mit der Gipfelspitze oft eine symbiotische Beziehung eingehen und sich einfach nicht verziehen wollen. Heute heißt er Fitz Roy und die Stadt zu seinen Füßen nennt sich El Chaltén.

Fitz Roy

Fitz Roy

El Chaltén am Fitz Roy

El Chaltén wurde erst 1985 just an dieser Stelle gegründet. Bis dato war sonst nichts am Fitz Roy. Ausser vielleicht die ewigen Grenzsstreitigkeiten zwischen Chile und Argentinien, die bis heute nicht endgültig beigelegt sind. El Chaltén ist also eine Retortendorf mit rund 1.500 Einwohnern, gegründet allein, um im Grenzstreit eine Statement abzugeben. Der gemeine El Chalténener an sich lebt vom Tourismus, mehr gibt es hier wirklich nicht zu tun. Wem als Ausflügler Torres del Paine zu groß und Perito Moreno zu überlaufen ist, der macht einen Ausflug zum Fitz Roy. Am besten aber mit dem eigenen Auto, denn öffentliche Verkehrsverbindungen sind kaum vorhanden, allenfalls ein Bustransfer von El Calafate (Perito Moreno). Wer denn, wie wir, mit dem eigenen Auto anreist, hat hoffentlich genug Sprit im Tank, denn die einzige Tankstelle am Ort, ein Container mit Zapfsäule, kann die jederzeitige Versorgung mit Sprit nicht garantieren. Wir zumindest haben noch Diesel bekommen, Benzin war leider ausverkauft. Und wer weiß, wenn der nächste Tanker hier anlegt …

Wie atemberaubend schön die Gegend hier ist, das brauchen wir wohl nicht zu wiederholen. Kein Deut weniger schön als die beiden anderen Attraktionen in der näheren Umgebung (mehrere hundert Kilometer entfernt zählt hier immer noch als „nähere Umgebung“), das Flair des Ortes ganz besonders, weil viele junge und ältere Trekker und Frischluft-Fanatiker sich rund um die Hauptstraße und den Zugang zu den Wanderwegen tummeln, alles und jeder immer im Schatten des mächtigen Bergs mit seinen Gletschern.

Wir verbringen die Nacht rund zehn Kilometer hinter dem Ort weiter rein im Gebirge auf einem kleinen Strom- und Internet-losen Campingplatz direkt am Ufer des Gletscherflusses und haben unglaubliches Glück, dass uns dort direkt ein paar der gefährdeten Südandenhirsche „Huemuls“ über den Weg laufen. Keine Attraktion für Europäer, Hirsche sind ja nun nichts seltenes. Außer vielleicht diese, davon soll es nur noch etwas mehr als tausend Exemplare geben.

Vom Fitz Roy auf die Carretera Austral

Unser Weg soll uns weiter entlang der Panamericana führen, wir müssten hier nur kurz über die Anden hopsen und könnten dort auf der Carretera Austral (Ruta 7) weiter fahren, die in Villa O’Higgins ihren Anfang nimmt. Die Carretera Austral gehört zu den Traumstraßen der Welt (sagt man im Allgemeinen so), für uns Grund genug, sie in unsere Reise einzubeziehen, nur leider nicht vom Start an. Villa O’Higgins ist zwar nur einen Steinwurf weit von El Chaltén entfernt, der einzige Grenzübergang dorthin ist jedoch nur für Fussgänger und Pferde passierbar, alldieweil eine Brücke nicht für Autos und andere Gefährte gemacht ist. Für uns heißt das, dass wir einen klitzekleinen Umweg von rund 700 Kilometern in Kauf nehmen müssen, über Gobernador Gregores (Karte), den südlichsten für Autos passierbaren Grenzübergang Paso Roballos nach Cochrane. Und dann sind wir immer noch 230 Kilometer nördlich von Villa O’Higgins.

10 Stunden für 420 Kilometer

Wir teilen uns die Etappe über die sagenumwobene Ruta 40 in zwei Tagesetappen ein, da absehbar ist, dass die zweite Etappe ein langer Weg wird. Die ersten knapp dreihundert Kilometer führen uns über die Panamericana, wie wir sie uns immer vorgestellt haben: Stock, Stein und stundenlanges Nichts. Kein Nichts, wie im östlichen Teil Patagoniens, sondern noch weniger. Vor allem kein Verkehr. Herrscht auf der Ruta 3 gen Süden noch reges Treiben, dominiert hier in Richtung Norden tote Hose. Vier Autos und kein einziger LKW kommt uns entgegen. Kein Wunder, was will man auch hier? Touristen kommen von Süden nach El Chaltén, wer ist schon so doof und fährt nach Norden, außer uns? Die Abwechslung zu den nahen Anden ist faszinierend, die Landschaft trotz ihrer Kargheit wunderschön und die Fahrt einem echten Roadtrip angemessen. Wir übernachten an der YPF-Tankstelle in Gorbernador Gregores windgeschützt zwischen ein paar Truckern, die von hier aus Richtung Atlantikküste unterwegs sind und stellen uns am nächsten Tag dem Pass.

Ruta 40 im südlichen Teil Argentiniens

Ruta 40 im südlichen Teil Argentiniens

Der Paso Roballos

Seit die Ruta 40 in weiten Teilen asphaltiert wird, stimmen  viele Straßenkarten und Navigationssysteme nicht mehr. Der Straßenverlauf wurde verlegt, Straßen umbenannt oder einfach geschlossen. Es dauert daher ein bisschen, bis wir den richtigen Weg auf die Ruta Provincial 103 finden, die es offiziell nicht mehr gibt, die langsam von Steppengras überwuchert wird und noch in keiner Karte auftaucht. Zähes Nachdenken und ausgedehnte Suche nach einem Loch im Zaun hilft und dem Defender bereitet es quietschend hörbar Schmerzen, wieder über Waschbrettpisten (Ripio) zu gleiten. Uns übrigens auch. Manche Löcher sind so unerkennbar und tief, dass wir Angst um unsere Unterhosen im Schrank haben. Wer weiß, ob die bei solchen Erschütterungen nicht auch irgendwann zerbrechen, wie unsere Weingläser.

Der Weg zur Grenzsstation am Paso Roballos ist eigentlich nicht weit von hier aus, aber im wahrsten Sinne steinig. Die Piste zieht sich in gähnender Langeweile vor uns hin und hier kommt uns nun wirklich kein Auto mehr entgegen. Über Stunden ist es nur ein einziger einsamer Estanciero, bei dem wir befürchten, dass er aus Freude über die ungewohnte Menschenansammlung gleich einen Unfall provoziert, so begeistert winkt er hinter dem Steuer seines Hilux durch die Scheibe. Mit zunehmender Strecke erklärt sich, warum Chile und Argentinien hier in der Gegend immer noch fortwährend um den Grenzverlauf streiten. Je weiter es nach Osten geht, desto schöner, grüner, überwältigender wird die Natur. Mit und mit wird das Steppengras zu Büschen und Bäumen, statt einzelner Heuschrecken laufen uns wieder Flamingos über den Weg und die karge Wüstenlandschaft wird zu einem atemberaubenden Farbenspiel mit azurblauen Seen, grünen, roten und gelben Felsformationen und vergleichsweise üppiger Vegetation.

So haben wir uns die Panamericana dann irgendwie doch nicht vorgestellt oder sie zumindest nicht erwartet. Die Fahrt über den Pass entlang der wirklich einsamen Grenzstation mit vier gelangweilten Zöllner, die wohl auch nicht so recht wissen, warum es hier überhaupt einen Grenzübergang geben sollte, dauert lang. Sehr lang. Über zehn Stunden sind wir letztlich unterwegs. Aber einmal mehr zeigt sich Südamerika von seiner schönsten Seite. Wer Zeit und Lust und ein eigenes offroadtaugliches Auto hier unten hat, der sollte sich den Weg über den Pass nicht entgehen lassen.

Perito Moreno

29,7 Quadratkilometer ist der Perito Moreno groß. Der größte Gletscher ausserhalb der arktischen Gewässer. Und, dank ausgeklügelter Lenkung der touristischen Strömungen und enormer Entfernung zum nächsten großen Flughafen wird das wohl auch noch ein bisschen so bleiben. Auch wenn die Gletscherdicke jedes Jahr um rund 13 Meter schmilzt. Die Rechnung ist einfach: 700 Meter Eis an der dicksten Stelle geteilt durch 13. In knapp fünfzig Jahren ist er weg, eher schneller, wenn wir so weiter machen, wie bisher.

Perito Moreno muss man live erleben!

Fotos vom Perito Moreno kennt man, wenn man sich für die Panamericana, die Anden oder Natur im Allgemeinen interessiert. Aber nach unserem Besuch hier ist klar: Wenn man den Perito Moreno nicht mit eigenen Augen gesehen hat, hat man ihn nicht gesehen. Und damit ist nicht einmal das Kalben des Gletschers gemeint, wenn Omnibus-große Eisbrocken abbrechen und mit donnerndem Getose in den Lago Argentino fallen. Nein, gemeint ist allein der Anblick etwas so Wunderschönem. Wie mag die Welt wohl vor hundert Jahren ausgesehen haben, als man zum Bestaunen der Natur nicht erst um den halben Globus reisen musste? Ja, natürlich gibt es die Wunder der Natur auch vor der eigenen Haustür, die kleinen, die, die man gerne jeden Tag übersieht. Aber manchmal braucht man erst etwas so großartiges, so beeindruckendes, so gewaltiges wie Perito Moreno, um die kleinen Dinge wieder ins Blickfeld zu schieben.

Nicht viele Menschen waren hier, als wir am Nachmittag den ersten Blick auf den Gletscher geworfen haben. Erstaunlich wenige eigentlich. Und doch war es ein bisschen überraschend, wie still und ruhig alle geworden sind. Die Menschen haben sich nur noch flüsternd unterhalten und das Erlebnis war jedem einzelnen im Gesicht abzulesen.

Satte zwei Meter schiebt sich der Gletscher jeden Tag in Richtung Peninsula Magellanes, die kleine Insel die ihm seit 1917 im Weg steht, seit er sich nicht mehr ausbreiten, wachsen kann. Das Knacken und Grollen im Eis ist so beeindruckend, als würde Perito Moreno mit seinen Besuchern sprechen, das nächste Kalben kurz mal ankündigen. Und unter der warmen Nachmittagssonne weht von Zeit zu Zeit für ein paar Augenblicke ein eiskalter Wind herüber, wie eine Erinnerung daran, das Gesehene ja nicht zu vergessen.

siehe auch: Bilderbuch

Bilderbuch Perito Moreno

Perito Moreno, der größte Gletscher ausserhalb der arktischen Seen. Wir sind so unglaublich fasziniert und begeistert. Wie schön kann Natur sein …? Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, hat es nicht gesehen!

Ushuaia – Ende der Welt

Ushuaia – Fin del Mundo – Ende der Welt. Und für uns der Start unserer Reise entlang der Panamericana. Ushuaia, die „Bucht, die nach Osten blickt“, ist die südlichste Stadt der Welt. Was sich sehr weit südlich anhört, ist gar nicht so tief, wenn man den Vergleich mit der Nordhalbkugel nicht scheut. Ushuaia ist weiter vom Südpol entfernt, als Moskau vom Nordpol. Nichtsdestotrotz kommt weiter südlich nicht mehr viel, zumindest keine Stadt. Und wenn man sich den Globus anschaut und vergleicht, wie weit nördlich das südafrikanische Kapstadt liegt, dann merkt man, so ist es zumindest uns gegangen, wie weit unten man ist. Von Montevideo aus sind wir mehr als 3.600 Kilometer gefahren, davon mehr als 3.000 Kilometer allein auf der argentinischen Ruta 3 durch Patagonien.

Fin del Mundo

Angekommen in Ushuaia ist der Besuch des „Fin del Mundo“-Schildes natürlich Pflicht. Ganz unscheinbar steht es da zwischen ein paar Bäumen direkt am Hafen. Und direkt in der „Innenstadt“. Ushuaia ist viel kleiner, als wir erwartet hatten, so überschaubar, weil es sich genau zwischen Meer und die Gletscher im Hintergrund zwängt. Die meisten Touristen reisen nach Ushuaia eben nur wegen des Stempels „Fin del Mundo“; geschickt spielt man hier mit der Marke. Selbige ist aber wohl auch der einzige Grund, warum es Touristen hierher verschlagen sollte.

Ushuaia findet man wohl entweder trostlos und hässlich oder putzig und bunt. Uns ist es ob des Wetters eher wie trostlos und hässlich vorgekommen. Aber das lag zum einen natürlich daran, dass es uns voll erwischt hat: ein paar Tage Husten, Schnupfen, Heiserkeit (um es mal harmlos zu umschreiben). Zum anderen wurde es überraschend kalt und nass im feuerländischen Frühling. Die Temperaturen fielen auf tagsüber null Grad und wenn es nicht gerade geregnet hat, dann hat es geschneit. So wurde leider nichts aus unserem geplanten Ausflug in den Nationalpark oder einer Wanderung am Gletscherrand. Das Gefängnismuseum war geschlossen, der Fin del Mundo-Zug wollte nicht so fahren, wie wir uns das gedacht haben. Ushuaia scheint im November noch nicht auf Besucher eingestellt zu sein. Nun denn, dann halt beim nächsten Mal. Am Ende der Welt kommt man ja immer mal vorbei.

Ushuaia – alle Jahreszeiten an einem Tag

Apropos Wetter: Ushuaia sei die einzige Stadt, in der man alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann, sagen die Einheimischen einhellig, so auch unser neuer Lieblingsmechaniker Arturo, der im Hauptberuf Reifen repariert, für uns aber eine Ausnahme macht und unsere Frontscheibe CarGlas-mäßig flickt, nachdem sie deutliche Spuren einer heftigen Kollision mit einem Miniaturfelsbrocken zu Tage trug.

Ushuaia liegt rund 200 Kilometer südlich von Rio Grande, einer kleinen Stadt am atlantischen Ozean, in der das Leben zu pulsieren scheint. Auf unserer Zwischenstation war selbst nachts um halb zwei keine richtige Ruhe im Ort, überall und irgendwo war immer was los. „Stadt Deiner Träume“, sei Rio Grande, da wundert es nicht, dass wenig Einheimische den Weg entlang der Sackgasse ganz in den Süden einschlagen.

Nichtsdestotrotz: Ushuaia ist einen Besuch wert. Die Natur auf dem Weg hierhin ist mehr als beeindruckend: Berge, Gletscher, Seen, Wälder und jede Menge klare, sauber Luft und ebensolche Gletscherbäche. Wer ein Faible für Natur hat, ist hier bestens aufgehoben. Und sowieso: Wer einmal entlang der Panamericana fahren will oder Feuerland besuchen möchte, der kommt um Ushuaia auf keinen Fall drum herum. Denn eines ist hier einmalig: Das Ende der Welt.

Unser Start auf der Panamericana

Zurück zum Thema: Nach der Verschiffung und der Tour durch Patagonien beginnt in Ushuaia unsere eigentliche Reise. Wir reduzieren die Reisegeschwindigkeit deutlich, vor uns liegen jetzt jede Menge Sehenswürdigkeiten, Länder und interessante Orte. Wir freuen uns auf jeden einzelnen Kilometer. Und bis Alaska sind es einige. Auf geht’s, Panamericana, let’s go!

Bilderbuch: Tierwelt Argentinien

Was uns so alles vor die Linse kommt. Leider sind die vielen bunten Vögel oft schneller, als wir mit dem Auslöser. Aber je größer die Tiere, die Seeelefanten, Seelöwen, Guanacos oder Nandus sind, desto besser lassen sie sich ablichten. Hier unsere Bilder der Tierwelt aus Argentinien.

Patagonien – unsere lange Reise durch Argentinien

Wenn mir jemand gesagt hätte, dass es windig ist in Patagonien, ich hätte es ihm geglaubt. Und wenn jemand gesagt hätte, dass es trostlos ist in Patagonien, dass es von den Nationalstraßen wie der Ruta 3 über hunderte Kilometer rechts und links keinen Weg ab gibt, auch das hätte ich geglaubt. Es reicht nicht mal, selbst in Patagonien gewesen zu sein, um zu erkennen, wie windig und wie trostlos es ist. Man muss Patagonien selbst durchfahren haben.

Als Michaela im Vorfeld der Reise sagte, dass es da (in Patagonien) nichts zu sehen gäbe, ich habe es ihr nicht geglaubt. Da muss doch irgendwas sein. Ja, die Peninsula Valdes gibt es, zwei versteinerte Wälder und den ein oder anderen Ort gibt es auch, Gaiman zum Beispiel. Aber so, wie wir es aus Europa gewohnt sind, sind die Städte halt nicht. Allen Städte fehlt der historische Ortskern, die Kathedrale, der angrenzende Marktplatz, um den sich schon seit Jahrhunderten alles geschart hat. In Argentinien, wie letztlich wohl überall auf dem amerikanischen Kontinent, gibt es das nicht, bleiben also de facto nur Flora und Fauna zur Anschauung.

"Altar" für Gaucho Gil am Straßenrand

„Altar“ für Gaucho Gil am Straßenrand

Fauna in Patagonien

Von der Fauna gibt es hier jede Menge. Ganze Bücher füllen die verschiedenen Vögel, die es zu betrachten gibt (wenn der Wind nicht zu stark weht), es gibt die Wale und Delfine, die Nandus, die Guanacos, die Gürteltiere, Pumas (mit viel Glück), Füchse, Stinktiere, Schlangen, Flamingos. Die Seelöwen, Seeelefanten und Seehunde. Alles Tiere, die man in unseren Breitengraden nur im Tierpark bestaunen (bemitleiden) darf. Und dass nicht nur auf Valdes oder in anderen Nationalparks. Wir haben auf unserer Fahrt entlang der Ruta 3 über rund 3.000 Kilometer so viele Tiere gesehen, dass es nur scheppert. Einen Puma leider nicht, aber auf der Strecke bisweilen alle 500 Meter eine Guanaco-Herde mitten auf der Fahrbahn. Auch deswegen dauert die Fahrt so lange: immer wieder bremsen, immer wieder anfahren. Nandus, Laufvögel, die gut getarnt am Straßenrand (oder drauf) stehen und ihrem Namen keinerlei Ehre machen: Sie stehen einfach. Die unzähligen (mehrere hundert) Seelöwen, gut versteckt und von der Straße aus nicht einzusehen, aber doch direkt daneben – wir haben sie nur durch Zufall gesehen, weil wir eigentlich nur das Meer fotografieren wollten. Und Vögel bis der Arzt kommt. Soweit die Fauna in Patagonien und natürlich auch nur der Teil, den wir im Vorbeifahren gesehen haben.

Guanacos

Guanacos

Flora in Patagonien

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Eigentlich wäre der Absatz hier zu Ende. Denn die Trostlosigkeit hängt stark mit dem Bewuchs der Landschaft zusammen. Es wird mit jedem Kilometer weniger. Nicht, dass es oben, zu Beginn der Ruta 3, viel sei. Trotzdem kommt danach nur noch noch weniger.
Aus wenigen Bäumen werden Sträucher. Aus Sträuchern werden weniger Sträucher. Und noch weniger. Und dann sind es irgendwann nur noch Grasbüschel. In der Rinne rechts und links neben der Fahrbahn sind sie noch grün und hübsch anzusehen; so hübsch wie ein Grasbüschel nun mal anzusehen ist. Aber weiter draußen, also jeweils ab 50 Zentimetern neben Asphalt oder Beton, da werden die Büschel grau und dunkelbraun und manchmal gelb. Aber meistens so trost- und farblos wie die Landschaft. Wie Karin schon sagte: Und irgendwann freust Du Dich, weil Du wieder einen Baum siehst.

Die Land und Leute

Die patagonische Landschaft ist platt. Sehr platt. Offensichtlich alles, was östlich der Anden liegt, ist in Argentinien platt. Über Kilometer, soweit das Auge reicht, gibt es keinen einzigen Hügel, von Bergen mal ganz zu schweigen. Große Teile der Landschaft zieht sich fast auf Meereshöhe oder auf rund 300 Metern dahin. Aber nicht abwechselnd, sondern über hunderte Kilometer gleichbleibend. Allein hinter Rada Tilly, einem kleinen „Ferienort“ für die reichen Ölarbeiter und –manager, die bei der Suche nach Wasser versehentlich auf Öl gestoßen sind. Rada Tilly liegt in einer kleinen grünen Talebene, hat ein paar wunderschöne Buchten, Strände, grüne Flächen. Aber sonst? Plattes Land soweit das Auge reicht. Kein Baum (siehe oben), kein Strauch (siehe oben) und nur ganz wenige Ortschaften. Was das Navigationssystem als „Großstadt“ deklariert, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als kleiner Ort, Ortschaften bestehen manchmal nur aus einem einzigen Haus, das an der Kreuzung zweier Nationalstraßen liegt. Auf Straßenschildern dann mit der Entfernung „0“ angegeben, damit man es auch ja nicht verpasst.

Mit wenigen Ausnahmen sind die Menschen in Patagonien (wie im übrigen Argentinien, so unsere Erfahrungen) ausgesprochen nett und freundlich. Fremde kommen nicht so oft hierhin, schon gar nicht außerhalb der Saison und ohne Reiseführer. Klar, unser Auto bringt uns schnell ins Gespräch, Land Rover sieht man hier fast nie. Und selbst ich mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen („Siiiiiii!“) kann mich gut durchwurschteln, weil jeder, den wir treffen, behilflich sein möchte.

Wenn wir denn jemanden treffen. Auf dem Land, raus aus den Ortschaften, sieht man keine Menschenseele. Klar, was wollen sie auch hier, draußen in der Flora und Peripherie. Auf unserer ganzen Fahrt haben wir einen einzigen Fußgänger gesehen. Und ein paar hundert Kilometer weiter einen einzigen Gaucho. Beide fernab jeglicher Zivilisation. Was auch immer die beiden da wollten. Vielleicht verstecken spielen.

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Wind in Patagonien

Man kann es nicht beschreiben. Jeder, der schon mal hier war, mit dem wir gesprochen haben, hat uns vom heftigen Wind erzählt. Vom dauerhaften Wind. Vom immer währenden Wind. Aber erstens glaubt man es nicht und zweitens muss man das erlebt haben.
Es ist kein laues Lüftchen, das da weht. Es ist ein permanenter Wind von 40, 50 oder 60 km/h der weht und weht und weht. Allein deswegen haben es die Bäume hier eher schwer. Und wenn sie doch mal wachsen, dann immer nur in eine Richtung. Jeder Baum und jeder Strauch hat eine kahle Seite. Da weiß man, woher der Wind weht.
Autofahren ist unglaublich anstrengend. Permanentes Gegenlenken, immer die Hand am Steuer, wachsam und wartend auf die nächste Böe. Und wenn keine Böe kommt, dann eben eine Guanaco-Herde im Querverkehr.

Der Benzinverbrauch explodiert von 10 Litern (bei dauerhaft 80 km/h) auf sagenhafte 17,6 Liter pro hundert Kilometer. Gut, dass der Sprit hier im Süden Argentiniens subventioniert wird. Umgerechnet 95 Cent kostet ein Liter EuroDiesel aktuell.
Es zieht sich hin und ist auf Dauer sehr anstrengend. Und wenn Du denkst, es kann nicht schlimmer kommen, dann steht da ein Schild das vor starkem Wind warnt. Denkste, das geht nicht? Geht doch! Das Schild lügt nicht, der Wind wird noch stärker.

Und egal, ob Du gerade keine Lust mehr zum Weiterfahren hast oder eine Pause machen willst: es geht nicht. Nirgendwo ein Unterstand, eine Tankstelle oder ein Parkplatz. Geschweige denn ein kleines Örtchen mit einem netten Cafe. Einfach nur Nichts. Und alle 150 Kilometer eine Tankstelle, die nicht nur zum Tanken, sondern auch zum Duschen oder Essen einlädt. Aber eben nur alle 150 Kilometer.

Jeden Abend die Suche nach einem halbwegs geschützten Platz. Der Wind wackelt so unglaublich am Auto, am Dachzelt, das kommt schon nah an unsere Flucht vor dem Zyklon in Uruguay heran. Nur weht der Wind hier immer so, Tag und Nacht und Nacht und Tag. Jeder Strauch, jeder Baum, jede Hauswand ist willkommen. Und selbst dann wackelt es im Dachzelt immer noch mehr, als auf dem Schiff, sagt Hase. „Approved by patagonien winds“, schreibe ich Dietmar, der das Hubdach gebaut hat. Wenn es diese Winde aushält, dann kann es nichts mehr erschüttern. Bisher hält es.

Die Straßen von Patagonien

Sie ziehen sich so endlos hin. Man muss schon gut mit sich selbst zurecht kommen. Denn selbst wenn Du zu zweit unterwegs bist, in dieser Einöde geht Dir irgendwann der Gesprächsstoff aus. „Hase, schau mal“ (gespielte Begeisterung), „was ist das für ein seltsames Tier, wow!“ (gesteigerte gespielte Begeisterung).
„Wo? Wo?“ „Da vorn, schau, ach ne, war nur ‚nen Strauch!“ Und dann kommt langes Schweigen. Und endlose Straßen. Und man ist mit seinen Gedanken allein. Hunderte Kilometer geht es einfach nur gerade aus. Einfach nur gerade aus.

Warum kleinste Kurven hier mit Warnschildern und Überholverboten angekündigt werden, versteht man irgendwann: die Konzentration lässt nach. Und wenn die Straßen mal nicht frisch geflickt sind, dann kann es schon mal mannshohe Schlaglöcher geben. Eigentlich keine Schlaglöcher mehr, manchmal fehlt einfach ein Stück Straße. Und wenn das so kommt oder eine „Curva Peligrosa“, dann mag es schon mal scheppern. Die Kreuze an den Straßenrändern lassen sich so vielleicht ganz gut erklären.

Es zieht sich hin und es wird nicht abwechslungsreicher. Kaum auszudenken, wie das in Zeiten ohne Auto und geteerter Straßen war. Man reitet stunden- oder tagelang einem einzelnen Hügel entgegen, des guten Überblicks wegen, und wenn man endlich oben angekommen ist auf dem scheiß Hügel, dann sieht man von oben nichts. NICHTS außer der gleichen Landschaft, durch die man schon seit Tagen oder Stunden geritten ist. Mit dem Autofahren und dem scheiß Hügel ist das übrigens nicht viel anders.

Bevor wir los sind, gab uns Hartmut, selbst erfahrener Patagonien-Erfahrer, den wichtigsten Tipp: „Lasst keine Tankstelle aus!“. Jaja, alter Hase und so, das hätte auch schief gehen können. Der Dieselverbrauch explodiert und dann kommt keine Tankstelle. Weit und breit nicht. Wir haben natürlich immer vollgetankt, an jeder YPF oder Petrobras, die auf dem Weg liegt. Aber selbst dann: Ohne unseren Zusatztank wären wir auf einer Etappe fast nicht durch gekommen, weil wir eine eine Tankstelle ausgelassen haben. Der hohe Verbrauch und die weite Entfernung zwischen den Tankstellen bringen den Standard-Defender an seine Reichweitengrenze. Nicht auszudenken, wenn man hier eine Panne hat.

Den Luxus betonierter oder geteerter Straßen gibt es freilich nur auf den Nationalstaßen oder Autovias. Nationalstraßen führen mal in Nord-Süd-Richtung oder von Westen nach Osten quer durch das ganze Land und sind mit wenigen Ausnahmen ihn „gutem“ Zustand, vielleicht vergleichbar mit belgischen Landstraßen. Autovias sind vierspurige „Autobahnen“, getrennt durch einen breiten Grünstreifen. Die argentinische Regierung hat angekündigt, in den nächsten Jahren 6.500 weitere Kilometer Nationalstraßen und 1.000 Kilometer Autovias zu bauen. Wenn man bedenkt, wie lang das Land ist, ist das nicht wirklich viel.
Nebenstraßen hingegen, also alles fernab der RNs und Autovias sind meistens nicht geteert, auch nicht innerhalb von Ortschaften. Das sind dann oft Waschbrettpisten, mit kleinen Querrillen, die von Fahrer, Beifahrer und Auto so ziemlich alles verlangen, was sie zu bieten haben. Da überlegt man sich zweimal, ob man die 50 Kilometer zum nächsten Nationalpark tatsächlich noch mitnehmen will. Nicht geteert, och nö, dann lass mal.
Natürlich kommt es dann zu einer kruden Mischung aus Sand und Wind. Nichts, was hier auf der Straße liegt, bleibt bei diesen Winden liegen, gerade kein Sand, der in alle Ritzen des Autos kriecht, fein und widerspenstig sucht er sich seinen Weg ins warme Defender-Innere, wo wir ihn dann bei jeder Gelegenheit wieder zu entfernen versuchen. Ohne Staubsauger? Fast unmöglich. Wie sehr wünsche ich mir manchmal den Teppichklopfer meine Omi zurück.

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Straßen in Patagonien

Faszination Patagonien

Und warum das Ganze? Patagonien gehört zu den Dingen, die man gemacht haben muss. Kein Bild, keine Erzählung, kein Film kann Weite, Wind und Wirklichkeit Patagoniens so herüber bringen, wie sie tatsächlich sind. Das liegt allein schon am Wind, der sich auf Fotos so schlecht zeigen lässt. Patagonien ist in seiner Einfachheit so unendlich faszinierend, dass man es selbst erfahren muss. Und nach weit mehr als 3.000 Kilometern in eine Richtung ist man um eine enorme Erfahrung reicher. Versprochen – auch wenn Patagonien nicht zur Panamericana gehört!

Gaiman

Gaiman: „Das herausgeputzte Dorf (…) präsentiert walisische Gemütlichkeit. (…) Man kann (…) stundenlang Tee trinken, (…) sich beim Spaziergang an den gepflegten Gärten, Rosenstöcken und niedlichen Häuschen erfreuen. Jeder scheint in dieser walisischen Musterkolonie vom Tourismus zu leben“.

So steht es im Reiseführer. Und weil wir gerne stundenlang Tee trinken (nein, eigentlich Kaffee, aber man kann ja mal eine Ausnahme machen) haben wir einen kleinen großen Abstecher von unserer eigentlichen Reiseroute gemacht und einen Ausflug nach Gaiman eingeschoben. Gaiman liegt ein paar Kilometer im Hinterland von der Atlantikküste entfernt. Eigentlich mitten im patagonischen Nichts. Büsche, Sträucher und Zäune. Mehr würde man landschaftlich nicht erwarten. Aber Gaiman liegt in einem kleinen windgeschützten Tal an einem Flüsschen, der Oleander blüht, die (vereinzelten) wilden Rosenstöcke auch und Bäume gibt es hier in rauen Mengen (wenn man den zahlenmäßigen Vergleich zu Restpatagonien bemüht).

Beim Rest des Ortes muss man aber die Frage erlauben, ob der Autor des Reiseführers selbst überhaupt hier war. Nun ja, vielleicht ist es eine Frage der Relation, ob man „walisische Musterkolonie“ nun so oder so betrachtet. Nach einem ausführlichen Ausflug in die Stadt wäre ich, soweit ich Waliser wäre, aber einigermaßen stinkig. Ich war noch nie in Wales, lehne meine Sichtweise an die Erzählungen anderer an, aber unter „walisischer Gemütlichkeit“ stelle ich mir etwas anderes vor. „Niedliche Häuschen“ haben wir ebenso wenig gesehen, wie gepflegte Gärten und wo die vermeintlich unzähligen Touristen überhaupt unterkommen sollen, ist mir jedenfalls ziemlich schleierhaft. Hotels haben wir keine gesehen, Ferienwohnung & Co., so wie sie in anderen argentinischen Städten an der Perlschnur aufgereiht zu finden sind: Fehlanzeige. Und unser Campingplatz auf dem Gelände der Bomberos (freiwillige Feuerwehr) ist an negativer Einstellung gegenüber Gästen kaum zu überbieten: Die Menschen nicht sonderlich freundlich, der Platz eine Mischung aus Schrott- und Campingplatz, zwei einsame Labradore, die in einer Ecke im Zwinger hinter Gittern ein lustloses, trauriges Dasein verbringen, die Banjos für Damas y Caballeros seit Wochen nicht mehr mit Putzmitteln in Berührung gekommen.

Gaiman und seine Sehenswürdigkeiten

Das Teemuseum der Stadt gibt es noch, die größte Teestube steht mitterweile zum Verkauf und die vielen Hinweise auf die walisische Herkunft der Einwohner scheinen auch mehr und mehr zu verschwinden. Allein den Leuten auf der Straße sieht man noch an, wo ihre Vorfahren geboren wurden. Die drei alten Damen, gepflegt im Strickjäckchen, mit Handtasche bewaffnet, hätten ihren Wegesplausch auch gut und gerne mitten in London halten können, der orange-rothaarige Mann mit dem breiten Lachen vor dem „pitoresken“ Bankgebäude kann seine Herkunft von der Insel auch nicht wirklich verleugnen. Der einzige Rothaarige, den wir bisher in Südamerika gesehen haben.

Es gibt eine Pferdefigur am Eingang zur Stadt, einen alten Eisenbahn-Tunnel von 1914, der geschlossen wurde und, tja, also, äh …. Oh, halt, da war noch was, Lady Di war mal hier und hat Tee getrunken. In einer der Teestuben, von denen es viele auch nicht mehr zu geben scheint. Also Lady Di, also die Di, war auch schon mal in Gaiman.

Gaiman – so unser Eindruck – ist nicht gemütlich. Es ist nicht niedlich und auch nicht sonderlich gepflegt. Okay, vielleicht haben wir einen falschen Tag in der Vorsaison erwischt, vielleicht ist Gaiman im argentinischen Sommer die Vorzeigekolonie walisischer Einwandererkultur. Vielleicht ist Gaiman aber auch nur das, was es im Reiseführer ist: eine Randnotiz auf Seite 320 in der Rubrik Ausflüge. Sehenswürdigkeiten: keine.

Unerhörtes und unbekanntes Argentinien

Unsere Rubrik „Unerhörtes und unbekanntes“ – Dinge, die uns aufgefallen sind, lustige, bemerkenswerte, interessante. Als kleine Anekdoten-Sammlung.

Einsam, einsam ist es in der Wüste

Einsam, einsam ist es in der Wüste

Aqui hay senal de celular – hier gibt es ein Funksignal. Über weite Strecken ist selbst die größte Einöde Patagoniens mit einem exzellenten Mobilfunksignal abgedeckt. Aber eben nicht überall. Und da, wo es auf längeren Strecken mal kein Signal gibt, da weisen dann entsprechende Schilder auf das Signal hin. Hier kann man telefonieren! Die Fahrspuren am Strassenrand weisen auf eine rege Nutzung hin. Soweit man denn von „rege“ sprechen kann, wenn nur alle halbe Stunde mal ein Auto vorbei kommt.

Guanacos crossing

Guanacos crossing

Guanacos crossing – so viele haben wir nicht gesehen, die über die Strasse springen, aber dafür gibt es zahlreiche Schilder die auf die Gefahr des Wild-/Guanaco-Wechsels hinweisen.

So richtig weit ist es ja nicht mehr.

Kilometerangaben sind in Argentinien eine ganz andere Hausnummer. Argentinien ist achtmal so groß wie Deutschland, das spiegelt sich nicht zuletzt in den Strassenschildern wider. Da steht dann nicht „Eschweiler 11 Kilometer“, sondern halt „Ushuaia 2117 Kilometer“. Und das steht da nicht nur, um die Touristen zu beeindrucken, sondern vor allem, weil dazwischen halt nicht so viele nennenswerte Orte, geschweige denn Städte liegen. Also gibt man die nächsten Ziele an, und seien sie noch so weit entfernt.

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Das ist nicht etwa ein Müllhaufen am Straßenrand, sondern ein Altar für Difunta Correa. Die Geschichte kann man auf Wikipedia nachlesen: Sie ist die Schutzheilige der Reisenden, LKW-Fahrer legen an ihren Schreinen volle Wasserflaschen nieder, weil das Kind der verdursteten Correa Dank der Muttermilch überlebt hat.

"Altar" für Gauchito Gil am Straßenrand

„Altar“ für Gauchito Gil am Straßenrand

Ähnlich der Straßenaltäre für Difunta Correa, aber noch viel weiter verbreitet und weithin zu sehen, sind die Altäre für Gauchito Gil. Ein bisschen wie Robin Hood, dazu noch die Legende um das kranke Kind seines Henkers und geboren war der Volksheilige Gauchito Gil. Entlang der Nationalstraßen sind fast überall im Land kleine rote Häuschen mit wehenden roten Flaggen zu sehen.

 

Peninsula Valdes

Nach 1.700 Kilometern sind wir endlich auf Valdes angekommen. Stundenlang wie am Bindfaden gezogene Straßn, immer gerade aus. Alle Nas’ lang mal ein Auto oder LKW, alle paar Stunden eine kleine Stadt oder eine YPF-Tankstelle, eine Lebensmittelkontrolle oder eine Mautstelle. Und dann endlich die Peninsula Valdes.

Valdes – 3.600 Quadratkilometer Weltnaturerbe

Valdes ist eine rund 3.600 Quadratkilometer große Halbinsel an der argentinischen Atlantikküste, UNESCO Weltnaturerbe und weitestgehend unberührte Wüstenlandschaft. In unseren Breitengraden bekannt geworden ist Valdes wegen der vor der Küste vorbeiziehenden Orcas, die an Land hechten, um eine der Robben als Vorspeise zu vertilgen. Dabei gibt es natürlich neben der Orcas noch zahlreiche andere Tiere, viele verschiedene Vogelarten, Seeelefanten und –löwen, Wale, Gürteltiere, Guanacos und ach was weiß ich noch alles. Schafe gibt es auch, aber das ist ja jetzt nicht so erwähnenswert.

Sonnenuntergang auf Valdés

Sonnenuntergang auf Valdes

Valdes ist viel größer als wir uns die Halbinsel vorgestellt haben. Um die einzelnen Aussichtspunkte, Buchten und Strände zu erreichen, ist man schon mal ein paar Stunden unterwegs. Die Straßen sind geschotterte Wellblechpisten mit unzähligen kleinen Querrillen, gefüllt mit ultra-feinem Sand. Fahren ist sensationell beschissen, das Auto quietscht und wackelt an allen Ecken. Und der Staub der Strecke kriecht in jede Ritze. Geschlossene Fenster und trotzdem wird die Sonnenbrille dreckig; tief einatmen geht nicht, weil wir das Gefühl haben, dass der Wüstenstaub im geschlossenen Auto tief in unsere Lungen kriecht. Als wir nach zwei Tagen Valdes in Puerto Madryn ankommen, verbringen wir erstmal zwei Stunden mit dem Putzen den Autos; von innen und außen. In der Nacht schließen wir uns ungewollt ein, weil der Mechanismus der Hecktür so verstaubt ist, dass das Schloss nicht mehr aufgeht. Aber das sind nur die Kollateralschäden zwei schöner Tage auf Valdes.

Sand- und Schotterpisten

Sand- und Schotterpisten

Wild Camping ist zwar nicht erlaubt, aber es wird an einigen Stellen auf der Insel geduldet. Wir verbringen die Nächte direkt am Wasser, belohnt werden wir mit einem sensationellen Sonnenuntergang – wir sind uns einig, dass es der schönste ist, den wir je gesehen haben. Und immer weht der Wind, dieser patagonische. Immer! Und es gibt in dieser kargen platten Landschaft keinen einzigen Baum, der das Zeltdach unseres Reisemobils schützt. Immer schlägt der Wind gegen die Zeltplane. In einer Nacht stellen wir das Auto zweimal um und drehen die Nase wieder in den Wind, damit es wenigstens ein bisschen erträglich bleibt.

Die Tiere lassen sich nicht in so großer Vielfalt sehen, wie wir gehofft hatten. Orcas haben wir genauso wenig gesehen, wie Laufvögel und Gürteltiere. Das tut aber dem Ausflug keinen Abbruch. Wale, Pinguine und Seelöwen/-elefanten gab es zu Genüge. Dazu die reizvolle Landschaft, die unglaubliche Stille und das Erlebnis einer einzigartigen Insel.

Wir sind uns noch nicht ganz einig, ob Valdes das Must-See ist, als dass es immer angepriesen wird. So viel gibt es in Patagonien eh nicht zu bestaunen, da ist diese Ecke schon eine besondere Ausnahme. Wer hier in der Gegend ist, sollte auf jeden Fall hin fahren. Aber extra hierhin? Einig sind wir uns, was den Eintrittspreis anbelangt. Gut 22 Euro kostet die Einreise pro Person. Ein Haufen Geld, keine Frage. Aber wir betrachten das nicht als Eintrittsgeld in einen Naturpark, sondern als Beitrag zur Erhaltung einer einmaligen Landschaft. Schön, dass solche Flecken noch nicht dem Tourismus zum Opfer gefallen sind.

Mehr Bilder gibt es in unserem Bilderbuch Valdes

Bilderbuch Valdés

Bilderbuch Valdes – ein kleiner Ausflug zum UNESCO Weltnaturerbe an der argentinischen Atlantikküste.