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Letzte Tage in Uruguay

Uruguay liegt nicht mal annähernd in der Nähe der Panamericana, deswegen machen wir uns nach dem Unwetter der letzten Tage jetzt ganz schnell auf in Richtung Süden. Die nächsten Etappen erledigen wir quasi im Schnelldurchlauf. Zeit haben wir nur, bis unsere Fähre von Colonia del Sacramento nach Buenos Aires fährt. Unter der Woche ist die Fähre mit dem Auto nahezu unbezahlbar, an manchen Tagen kann man aber Glück haben und es wird zumindest erträglich.

Vorher geht es aber noch für zwei wunderbare Tage nach Colonia del Sacramento, Weltkulturerbe, Städtchen mit wunderbar verträumten Gässchen, kleinen bunten Häusern und einem traumhaften Blick auf den Rio de la Plata. Wenn der halt nicht immer so dreckig braun wäre. Colonia ist nicht nur einen Blick wert, sondern viele. Das haben auch die unzähligen Argentinier gemerkt, die hier jeden Tag mit der Fähre morgens einfallen, die Stadt unsicher machen und abends wieder zurück in die Heimat fahren. Dann ist es unglaublich ruhig und still hier. Wir übernachten direkt am Wasser, unter Palmen, geweckt vom Geschrei der Papageie. So haben wir uns Südamerika vorgestellt. Traumhaft schön. Und so ist es auch!

Wir treffen Mike wieder, der uns Dank unserer Positionsangabe gefunden hat und Chris, die vor zwei Jahren nach Uruguay ausgewandert ist und heute das Hostel Remus Art betreibt. „Hostel“ ist dabei aber schamlos untertrieben, es ist eher ein toll eingerichtetes Bed & Breakfast. Wenn wir ein paar Tage mehr Zeit hätten, wären wir sicherlich nochmal zum Käsefondue geblieben. Mit Mike leeren wir noch eine Flasche Rotwein im Sonnenuntergang vor Colonia und genießen die Zeit, bevor es wieder in die Großstadt geht. Letzter Stopp Buenos Aires, bevor wir endlich, endlich ins Hinterland fahren, immer auf dem Weg zu unserem eigentlichen Panamericana-Startpunkt in Ushuaia.

Fähre nach Buenos Aires

Wir versuchen die Fähre via Internet zu buchen. Die Webpreise sind unschlagbar günstig, auch wenn wir lustiger Weise auf die argentinische Webseite der Fähre geleitet werden. Auf der uruguayischen Seite dürfen nur Einheimische buchen, Ausländer müssen auf die andere Webseite. Dort gibt es ähnliche Preise, natürlich ein bisschen teurer, aber dummerweise kommen wir mit Visa und Amex nicht weiter, beide Karten werden abgelehnt. Bleibt also nur die Hoffnung, dass wir im Büro in Colonia mit ein bisschen Tränendrücken den argentinischen Webpreis bekommen. Freudig erklärt und die Dame im Büro, dass sie unsere Buchung sieht und das auf den urguayischen Einwohner-Preis reduzieren kann. Ausländer dürfen zu den günstigen Webpreisen auch direkt im Büro buchen – sagt einem nur keiner. Statt über 200 Euro haben wir am Ende 69 Euro für die Fähre bezahlt.

Dass unser Auto zu hoch sein könnte, hat uns natürlich niemand gesagt. Wir fragen sicherheitshalber nach, was zu ein wenig Verwirrung in Colonia führt. Hier würde es passen, wenn wir die Boxen vom Dach nehmen, sagt der Offizier der Fähre. Aber ob es auch in Buenos Aires passt. Wir warten ein bisschen gespannt auf den Anruf, denn wenn das nicht klappen würde, dann hätte das einen kleinen Umweg von bescheidenen 500 Kilometern zur Folge; bis zur nächsten, ersten Brücke über den Rio Uruguay in Fray Bentos.

Kein Problem, heisst es kurze Zeit später, unser Auto sei 2,32 Meter hoch, das Gate in Buenos Aires 2,30 Meter. Das passt schon. Es passt wirklich, denn 2,20 Meter sind tatsächlich mindestens 2,50 Meter. Ich möchte nicht wissen, wer da nachgemessen hat. Buenos Aires halt, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Flucht vor dem Sturm

Dass es in der Nacht nach meinem Geburtstag heftig regnen und stürmen würde, dass hatten wir schon erwartet. Vorsorglich schauen wir uns natürlich immer den Wetterbericht der kommenden Tage an, bevor wir die nächste Etappe planen. Deswegen haben wir alle beweglichen Teile eingeklappt, verstaut und gut befestigt. Es wurde dann doch ein bisschen schlimmer, als erwartet, sodass wir mitten in der Nacht das Hubdach wieder eingeklappt und notgedrungen unser für eine Person ausgelegtes Notbett im Untergeschoss zu zweit einweihen konnten. Der Wind hat so heftig oben gegen die Zeltplane geschlagen, dass wir ein bisschen Angst um unser Auto bekommen haben. Man muss ja nichts riskieren! Die Suche nach einem windgeschützten Stellplatz blieb erfolglos, der Wind drehte immer und permanent in andere Richtungen. Hier zeigen sich dann erstmals die Nachteile zu den großen Unimog-Reisemobilen und den MAN-Trucks mit Kabinenaufbau. Da wackelt der Sturm vielleicht ein bisschen an der Kabinentür, das war es dann aber auch schon.

Die Idee, dass Notbett zu zweit benutzten zu wollen, war irgendwie von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zu eng, zu hart, zu viel U-Boot-Feeling. Für eine Person ist das okay, wenn der andere oben im Dach schlafen kann (muss, weil krank oder überdrüssig), zu zweit: no way! Deswegen haben wir uns dann am Morgen nach einem weiteren Blick auf die Wetterdaten und einem kurzen Schnack mit KachelmannWetter via Twitter dazu entschieden, unsere Zelte im Paraiso Suizo vorzeitig abzubrechen und vor dem Wetter zu fliehen.

Wir fliehen ins Hotel

Keine Chance. Sturm mit 80-90 km/h, dafür ist das Dach nicht gemacht. Die Sturmwarnung galt noch für weitere 24 Stunden, erst am Samstag morgen ab 5.00 Uhr sollte es wieder besser und ruhiger werden, langsam aufklaren. Selbst unsere Flucht von fast 100 Kilometern in Richtung Argentinien brachte uns nicht in ruhigere Gefilde. Deswegen irgendwann schweren Herzens der Entschluss, in ein Hotel auszuweichen. So hatten wir uns unseren Start in Südamerika nicht vorgestellt, aber wir wollen ja auch noch etwas von der Reise und vom Auto haben. Und genau für solche Situationen haben wir in unserem Reisebudget ein bisschen Spielraum gelassen: für eine sichere Nacht im Hotel.

Für uns heißt es damit etwas überstürzt schon wieder Abschied zu nehmen. Unsere Reisetruppe von der Grande Angola, die sich hier nochmal spontan zu meinem Geburtstag getroffen hat, trennt sich für … … … ach, darüber wollen wir eigentlich gar nicht nachdenken. Es war eine tolle Zeit mit Euch! 😢

 

Montevideo

Montevideo ist die erste Station auf unserer Reise entlang der Panamericana. Direkt nach der Ausschiffung von der Grande Angola haben wir uns in die Hauptstadt Uruguays gestürzt. Ein bisschen aufgeregt, dass es jetzt endlich losgeht und ziemlich neugierig auf Südamerika.

Auf das Mausoleum von General Artigas am Plaza Independencia, am wohl wichtigsten Platz des ganzen Landes, da kleben ein paar junge Leute eine große Timeline der Frauenrechte an die Marmorwand. In unserer Wahrnehmung hat Uruguay früher damit angefangen, Frauen auf die gleiche oder zumindest eine ähnliche Stufe zu stellen, wie die Rippenspender der Evolution, als jedes andere Land. Und so liberal Uruguay mit den Frauenrechten umgeht, so liberal zeigen sich das Land auch beim Umgang mit Cannabis. Das Rauchen ist schon länger erlaubt, als in manch anderen Staaten überhaupt bekannt ist, wie viel Spaß so ein Joint machen kann. Nicht ganz so schlimm wie in Amsterdam, aber beim Gang durch die hippen Viertel der Stadt ist man mehr oder minder permanent kontaktstoned – mitrauchen ist ganz einfach, einatmen reicht. Oder die Schwulen- und Lesbenszene. Seit Jahrzehnten anerkannt und mit so einem hohen Stellenwert, dass der Monat der Vielfalt im Staat verankert ist.

Montevideo, spiegelt wider, wie das Land sich fühlt. Mehr als drei Viertel der Einwohner Uruguays leben in der Hauptstadt und man kann an jeder Ecke fühlen, wie jung die Nation sich macht. Montevideo ist nicht so gezwungen „hipp“ wie Berlin, nicht so tradtionell verkopft wie München und nicht so gewollt fröhlich wie Köln. Man hat das Gefühl, dass das hier einfach so und einfach so richtig ist. Montevideo ist so gewaltig modern, ohne die eigene Geschichte zu vernachlässigen. Es ist so weltoffen, dass es mich an unweigerlich an Vancouver erinnert: Jeder ist willkommen und jeder darf und kann, was er will und was er ist.

Endlich raus aus dem Schiff

Endlich raus aus dem Schiff

Zu Fuss durch Montevideo oder mit dem Auto ums Karree

Die Altstadt mit der Fussgängerzone Sarandi ist schnell durchlaufen, die Wege auf der Landzunge sind kurz. Häuser, die an New Orleans erinnern, manchmal auch an Kuba, aber wunderschön anzuschauen. Solange, bis ein Investor sie für sich entdeckt. An den chic verfallenden Altbestand schliesst sich unmittelbar das neue Zentrum an mit Hochhäusern und Bürogebäuden, breiten Verkehrsadern und natürlich kommt dann auch irgendwann ein enorm grässliches Einkaufszentrum. Und zwischendrin immer wieder diese wunderschönen Art Deco-Bauten wie der Palacio Rinaldi und so manches einfache Wohnhaus. Architekturfans kommen hier voll auf ihre Kosten. Nicht umsonst nennt manch einer Montevideo die Art Deco-Hauptstadt von Südamerika.

Altstadt von Montevideo

Altstadt von Montevideo

Glücklich, wer zu Fuss unterwegs ist oder sich auskennt. Denn das Zentrum von Montevideo besteht fast ausnahmslos aus Einbahnstrassen, links abbiegen, weil sich da gerade ein Supermarkt findet, ist oft unmöglich. Stattdessen muss man einmal im Karree um die Ecken kurven. Gewöhnungsbedürftig sind auch ein bisschen die Ampeln, die sich immer auf der gegenüberliegenden Strassenseite befinden. Denkt man nicht dran, fährt man schon mal unvermittelt in eine Kreuzung hinein, während der Querverkehr schon Gas gibt. Aber eines muss man ihnen lassen, den montevideischen Autofahrern: gelassen sind sie. Angehupt hat uns keiner, auch wenn wir noch so durch die Strasse geschlichen sind.

Endlich wieder WLAN

Die erste Nacht nach der Schiffsreise haben wir im Hostel El Viajero verbracht, nachdem wir erstmal vergeblich um durch die ganze Stadt getigert sind. Die Adresse im aktuellen Reise Know How-Reiseführer ist schlicht und einfach verkehrt, das Hostel liegt in einem ganz anderen Stadtteil. Im Hostel endlich wieder schnelles WLAN, ein Skype-Call mit Mama, ein lokales Bier, das viel zu gut schmeckt und dann ab zur Markthalle zurück zum Hafen.

Die Markthalle ist bekannt für ihr gutes Fleisch. Vegetarier haben es hier schwer, wir freuen uns über ein sensationelles „Baby Beef“ und richtigen Tomatensalat mit Unmengen an Zwiebeln. Eine Flasche uruguayischen Sauvignon Blanc darf man hier natürlich nicht unterschlagen. Die Markthalle erinnert auch an Vancouver, wie „Grandville Island“. Nur, dass es Fleisch, statt Obst und Gemüse gibt. Wir sind uns einig: Wir haben noch nie ein besseres Steak gegessen. Wie soll Argentinien das noch toppen?

Die Nacht im Hostel ist laut und warm, die Party findet ohne uns statt. Langsam gewöhnen wir uns daran, unseren Tagesablauf nach der Sonne zu richten. Wir sind weit vor zehn Uhr im Bett. Das erweist sich letztlich auch als ganz praktisch, weil wir das Hostel am nächsten Tag wegen Doppelbelegung unseres Zimmers wieder verlassen müssen. Nicht schlimm, weil die Unplanbarkeit wahrscheinlich eh die meiste Zeit unserer Reise bestimmen wird. Wir entscheiden uns dafür, direkt nach Paraiso Suizo an der Ruta Interbalnearia aufzubrechen. Ein Campingplatz, betrieben von den beiden Schweizern Silvia und Heinz, die eigentlich nie einen Campingplatz in Uruguay aufmachen wollten. Aber das Leben kommt halt manchmal anders, als man denkt.

Meeting am Leuchtturm

Meeting am Leuchtturm

Einkaufen in Montevideo

Für uns heißt es „los geht’s“ und dazu gehört auch der Einkauf im Supermarkt, um den Kühlschrank mit einem Mindestmaß an Vorräten zu füllen. Ein bisschen Gemüse, Käse und Wein, Obst und Kaffee natürlich. Wir haben gelesen, dass die Lebenshaltungskosten in Uruguay annähernd europäisches Niveau erreichen. Dass es so (fast unverschämt) teuer ist, haben wir nicht erwartet. Fast nichts kostet weniger als 100 Pesos, umgerechnet etwas mehr als 3 Euro. Orangensaft: 105 Pesos, Parmesan: 845 Pesos, 6 Liter Trinkwasser: 185 Pesos, billiger Rotwein: 135 Pesos. Und zum Vergleich der gerade neu eingeführte Johnnie Walker-Index: 40 Euro. Zum Vergleich: Grande Angola vor Dakar: 20 Euro, vor Zarate: 16 Euro. Deutschland: 10,99 Euro. Für die Erstversorgung legen wir rund 85 Euro auf den Tresen, vermutlich hätten wir in Deutschland rund 45 Euro für den gesamten Einkauf bezahlt. Das strapaziert das Reisebudget enorm; genauso wie die Tankfüllung. 1,74 Euro für den Liter Premium-Diesel, mashallah.

Kleine Schweiz

Auf dem Weg nach Paraiso Suizo geht es vorbei an den armen und reichen Stadtvierteln von Montevideo, am architektonisch sensationellen Softitel, an unzähligen Kilometern Sandstrand mit Fussballfeldern und Football-Spielen, Tennis- und Golfplätzen. Sport spielt in Uruguay offensichtlich eine wichtige Rolle. Die Jogger entlang der Ramblas lassen sich kaum zählen. Nach über 70 Kilometern erreichen wir unser Ziel, ein Stück Schweiz in Uruguay. Zeit für uns, das Auto zu entstauben und reisefertig zu machen.

Mehr Bilder zu Montevideo gibt es im Bilderbuch Montevideo.

 

Bilderbuch Montevideo

Montevideo war die erste Etappe unserer Reise entlang der Panamericana. Hier haben wir das Schiff verlassen und uns auf unser Abenteuer vorbereitet. Die Bilder zeigen unseren ersten Stadtrundgang und ein bisschen vom Paraiso Suizo, wo wir unser Auto reisefertig gemacht haben.

39 Tage an Bord – hallo Panamericana

Neununddreißig Tage. Irgendwann habe ich angefangen, die Minuten zu zählen. Wie in einem Film. Spaziergänge auf dem Deck, immer im Kreis, alleine, weit und breit kein Schiff, kein Wal, kein Land und auch kein Mensch. Wie die tägliche Stunde im Hof bei Einzelhaft. Gerade wenn das Schiff drei Tage vor Rio vor Anker liegt. Oder drei Tage vor Montevideo. Du weißt, Du kommst Deinem Ziel keine Seemeile näher.

Die Anfangseuphorie verfliegt in dem Moment, in dem Du erfährst, dass Du nicht wie geplant ankommst, sondern Tage um Tage später. Das Essen wird nicht besser, seit der Koch in Santos krank von Bord musste (war ihm das Essen zu eintönig?) und der ungelernte Messboy den Rührbesen übernimmt. Highlight unserer Reise ohne Zwischenstopps: Eine Stunde dümpeln auf offenem Meer, weil die Maschine den Dienst verweigert. Die Tage plätschern irgendwann nur noch so vor sich hin. Du kannst nichts tun, keine Lust mehr zum Lesen, kein Starbucks, um die Zeit zu vertrödeln … manchmal hat man das Gefühl, die Zeit vertrödelt uns. Tick. Tack. Schon wieder zwei Minuten rum.

Die Stimmung schlägt wieder ins Fröhliche um, als wir einen vermutlich festen Zeitplan für die letzten Tage an Bord bekommen. Ein Silberstreif am Horizont, Bewegung im Rio de la Plata. Samstag Abend verlassen wir die Ankerposition irgendwo östlich von Montevideo und fahren auf die Pilot-Position, wo wir unsere Lotsen am Sonntag früh um nullsiebenhundert aufgabeln. Dann geht es westlich in Richtung Buenos Aires. Zarate erreichen wir am Montag um nullzwohundert, Landgang durchaus möglich. Ein neuer (echter) Koch kommt an Bord. 48 Stunden später geht es auf die letzte Etappe in Richtung Montevideo, wieder ein Stück zurück. Freitag geht es von Bord. Endlich?

Zumindest in Teilen. Die Frachtschiffreise war schon ein besonderes Erlebnis! Zwischendrin dachten wir, es sei wirklich ein „once in a lifetime“-Ding. Nie wieder. Dabei war es doch auch irgendwie beeindruckend. Viele Dinge, die man „so alt“ zum ersten Mal erlebt. Kommt ja auch nicht alle Tage vor.

Kein Gefühl für Zeit. Immer wieder die Frage, welcher Tag heute ist. Ein ganzer Monat scheint verschwunden. Was ist meanwhile in der Welt passiert? Wichtiges oder doch nur der übliche, vollkommen belanglose Alltagstrott da draußen? Die Zeit, die manchmal nur so vor sich hinplätschert, verfliegt wie im Flug. Termine und Geburtstage gehen vorbei, ohne dass man gratulieren kann oder irgendetwas erfährt. Die Welt scheint manchmal ein ganz anderer Ort zu sein. Und das alles, während man die unzähligen unterschiedlichen Blautöne des Meeres zu dechiffrieren versucht.

Am Meer kann man sich nun gar nicht satt sehen. Dazu ein paar Wale, Delfine, unerwartete Landgänge in Afrika und Brasilien, viel zu Lachen, kein Telefonklingeln, ganz andere Perspektiven – vom Wasser aus und aus dreißig Metern Höhe. Entschleunigung pur und das Gefühl, endlich angekommen zu sein: Am Ende einer Reise und am Beginn eines großen Abenteuers.

Wer weiß, ob wir nochmal auf ein Frachtschiff gehen. Vielleicht nicht noch zehn weitere Male wie Teresa und Pierre. Vielleicht nicht auf der gleichen Strecken. Vielleicht auch ein oder zwei Wochen kürzer. Aber warum eigentlich nicht?

Auch auf anderen Meeren gibt es schöne Routen.

Hurtig, Mensch,
entscheide weise,
ob Dich ein Frachter führt
auf eine gänzlich and’re Reise!

Angekommen in Uruguay. Unsere Reise auf der Panamericana kann jetzt endlich starten. Wir freuen uns auf die Straße. Wir freuen uns, dass es jetzt so richtig richtig losgeht

Visum und Reisebestimmungen in Südamerika

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass man mit dem Pass der Bundesrepublik Deutschland die meisten Staaten ohne Visum bereisen darf. „Deutsche besitzen die mächtigsten Reisepässe der Welt“ stand in dem Artikel. Das ist – zumindest aus meiner Sicht – nicht ganz korrekt. Denn man muss zwar kein Visum in der jeweiligen Landesvertretung in Deutschland beantragen, sondern bekommt die Einreisegenehmigung in der Regel direkt vor Ort an der Grenze. Aber achtgeben sollte man trotzdem. Egal wo man es beantragt. Denn die Einreise kann mit entsprechenden Auflagen versehen sein. Und das jeweilige Visum oder die Aufenthaltsgenehmigung ist an unterschiedliche Bedingungen geknüpft.

Was es zu beachten gibt, haben wir (mit Stand Juni 2016) auf Basis der Informationen vom Auswärtigen Amt, ADAC und den Konsulaten hier zusammen gefasst.

Visum und Reisepass: Was es in Südamerika generell zu beachten gibt

Generell sollte der Reisepass beim Roadtrip über die Panamericana noch genügend leere Seiten haben. Beim Grenzwechsel zwischen Argentinien und Chile kommen im besten Fall eine ganze Reihe von Stempeln dazu. Dumm, wenn gegen Ende der Reise keine Seiten mehr frei sind. Der Ausweis muss häufig noch mindestens bis zum Ende der Reisezeit gültig sein, in manchen Ländern auch sechs Monate darüber hinaus. Es empfiehlt sich ein Reisepass, der noch mindestens ein Jahr gültig ist. In einigen Ländern benötigen Kinder inzwischen ebenfalls einen eigenen Reisepass. Der Eintrag im Pass der Eltern oder ein Kinderausweis reichen manchmal nicht aus. Deswegen empfiehlt sich auch hier ein eigener Reisepass pro Mensch.

Uruguay

Deutsche Touristen benötigen bei Einreise mit gültigem Reisepass für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen kein Einreisevisum. Grundsätzlich kann kurz vor Ablauf der 90 Tage eine einmalige Verlängerung des Aufenthalts bei der Einwanderungsbehörde in Uruguay beantragt werden.
Für eine weitere Verlängerung muss – je nach Aufenthaltszweck – eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis beantragt werden.

Argentinien

Deutsche Staatsbürger können bis zu 90 Tage als Touristen visafrei nach Argentinien einreisen. Eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bis zu insgesamt sechs Monaten ist vor Ort möglich. Es besteht jedoch kein Anspruch darauf.

Chile

Für einen kurzfristigen Aufenthalt zu Tourismus- oder Besuchszwecken ist kein Visum erforderlich. Bei der Einreise wird an der Grenze kostenlos eine „Tarjeta de Turismo“ (Touristenkarte) ausgestellt, die zu einem Aufenthalt von maximal 90 Tagen berechtigt.

Wichtig: Die „Tarjeta de Turismo“ muss beim Verlassen des Landes zurückgegeben werden!
Bei Verlust oder Diebstahl muss daher vor Ausreise von der „Policía Internacional“ in Santiago bzw. in anderen Regionen von der „Policía de Investigaciones“ eine Ersatzkarte ausgestellt werden.

Der Aufenthalt kann gegen eine Gebühr von 100,- US$ einmalig um 90 Tage verlängert werden. Zuständig sind hierfür das „Departamento de Extranjería“ in Santiago bzw. in anderen Regionen die jeweilige „Gobernación Provincial“.

Bolivien

Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen touristischen Aufenthalt kein Visum. Sie können sich insgesamt 90 Tage pro Kalenderjahr visumsfrei in Bolivien aufhalten, wobei mehrfache Ein- und Ausreisen gestattet sind.

Bei Einreise wird in der Regel ein Einreisestempel mit dem Einreisedatum im Pass eingetragen, jedoch oft kein Gültigkeitsdatum. Die Grenzkontrollen sollten auf dem Landweg nicht einfach durchfahren werden. Bei der Ausreise fehlt dann der Einreisestempel und die Registrierung; im schlimmsten Fall risikiert man Strafzahlungen wegen illegalem Aufenthalt.

Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass deutsche Touristen zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für 30 Tage erhalten, die dann noch zweimal – für jeweils 30 Tage – bei der Migrationsbehörde kostenlos verlängert werden kann. Panamericana-Reisende, die sich länger als 30 Tage in Bolivien aufhalten und kein Gültigkeitsdatum bei Einreise in den Pass gestempelt bekommen haben, sollten sich daher zwecks Festschreibung der Gültigkeit, bzw. Verlängerung des Aufenthalts bei der Migrationsbehörde (migración) melden, um Schwierigkeiten bei der Ausreise zu vermeiden.

Peru

Touristen mit deutscher Staatsangheörigkeit können sich bis zu 183 Tage in Peru aufhalten. Die vorherige Beantragung eines Visums ist für einen touristischen Aufenthalt nicht erforderlich, dieses wird bei Einreise in Form einer Einreisekarte („Tarjeta Andina de Migración“) erteilt.

Bbei Einreise auf dem Landweg sollte unbedingt das Einreisedatum durch einen Stempel der Grenzbehörde im Pass und auf der Einreisekarte dokumentiert und sichergestellt werden, dass die Einreise auch in elektronischer Form im System erfasst wird. Andernfalls wird von einem illegalen Aufenthalt ausgegangen, der zu erheblichen Problemen bei der Ausreise und im ungünstigsten Fall zu einer kostenpflichtigen Abschiebung führen kann.

Da einige Grenzübergänge wie etwa in Puno (bei Einreise aus Bolivien) nachts nicht besetzt sind und folglich die o. g. Einreiseformalitäten nicht erfüllt werden können, sollte bei der Reiseplanung unbedingt darauf geachtet werden, dass die Einreise tagsüber erfolgt.

Ecuador

Für touristische Aufenthalte in Ecuador (bis zu 90 Tage pro Jahr) müssen deutsche Staatsangehörige vor Reiseantritt kein Visum einholen. Vom 1. Tag der ersten Einreise an wird das Jahr für den Aufenthaltszeitraum von 90 Tagen gerechnet. Es gilt also nicht das Kalenderjahr.

Die Einreise mit beschädigten Reisepässen kann zur Zurückweisung durch die Grenzpolizei führen. Der Einreisestempel ist obligatorisch, auch bei Einreise über die Landgrenze von Peru oder Kolumbien. Bei Verstoß gegen ecuadorianisches Aufenthaltsrecht muss mit empfindlichen Strafen gerechnet werden, bei fortgesetztem illegalen Aufenthalt auch mit Abschiebehaft. Der Pass oder eine Passkopie muss stets mitgeführt werden. Außerdem wird empfohlen, auch eine Kopie des Einreisestempels mit sich zu führen.

Kolumbien

Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen rein touristischen Aufenthalt in Kolumbien kein Visum. An den Grenzübergangsstellen wird von der Immigrationsbehörde „Migración Colombia“  per Stempel im Reisepass die Aufenthaltsdauer festgelegt. Reisende sollten daher bei der Einreisekontrolle die Grenzbeamten bitten, eine Aufenthaltsdauer zu genehmigen, die den angestrebten Aufenthaltszeitraum (+Puffer für ungeplante Aufenthaltsverlängerungen wie Pannen oder Krankheut) abdeckt, was in der Regel auch erfolgt. Die zunächst maximale Aufenthaltsdauer beträgt 90 Tage, verlängerbar um weitere 90 Tage.

Reisende, die über die genehmigte Aufenthaltsdauer hinaus im Land bleiben wollen, müssen rechtzeitig vor Ablauf des bereits genehmigten Zeitraums bei der Migración Colombia eine (gebührenpflichtige) Verlängerung beantragen. Migración Colombia ist in allen größeren Städten des Landes vertreten.

Und für andere Staatsangehörige?

Und wir sieht es für andere Staatangehörigkeiten aus? Für Schweizer, Österreicher oder Niederländer? Erzählt uns von Euren Erfahrungen und Tipps für die Reise in Südamerika hier in den Kommentaren!