Security-Einweisung

Mittwoch, 14.09.2016, Tilbury. „Die Sicherheitseinweisung für Passagiere muss innerhalb von 24 Stunden nach Betreten des Schiffes erfolgen“, sagt der 2nd Mate während seines Vortrags am zweiten Tag. „ich habe sie dann gestern halt nicht gesehen, Sirs and Madams“.

Michael Suarez ist nicht nur für die Sicherheit der Mannschaft an Bord zuständig, sondern auch für die Passagiere. On behalf of the Chief Officer erklärt er uns, wie Schwimmwesten anzuwenden sind und wie wir evakuiert werden, wenn wir so krank sind, dass wir nicht auf der Krankenstation fernoperiert werden können. Entweder ändert das Schiff dann die Route oder ein Hubschrauber kommt und zieht und mit der Seilwinde von Bord. Das sei aber noch nicht vorgekommen, sagt er, solange er hier an Bord ist.

Fallen wir vom Schiff, er verspricht uns, dass die Grande Angola eine Kurve fährt und uns wieder aufsammelt. Wir müssten halt nur ein paar Minuten schwimmen, fünf vielleicht. Oder auch zehn. Nun, so genau kann er das nicht sagen. Es hängt ein bisschen von den Umständen ab. Vielleicht auch mehr als zehn. Aber das sei noch nicht vorgekommen, solange er hier an Bord ist.

Als ich frage, wie schnell das Schiff denn sinke, muss Michael erst mal tief Luft holen. Zehn Minuten vielleicht. Das Fragezeichen hinter dieser Aussage lässt sich förmlich mit der Hand fangen. Der Chief Officer lehnt mit verschränkten Armen am Türrahmen und runzelt so vielfältig seine Stirn, dass ich für einen Moment nicht weiß, ob es nicht doch nur zwei Minuten sind oder so lange wie Leonardo und Kate Zeit für ihre hinreissende Verabschiedung hatten. Acht Stunden, meint der Chief, bis es ganz weg ist. Vielleicht aber auch ein bisschen schneller. Das hänge von den Umständen ab. Michael ist anzusehen, dass das auch noch nicht passiert ist, seit er an Bord ist.

Wenn einer der zwei unterschiedlichen Alarme ertönt, dann hat uns das „Sonny-Boy“ entweder vorher schon mitgeteilt, weil es eine Übung ist; oder es ist ein Notfall. Das sei aber noch nicht vorgekommen, seit er an Bord ist. Außer vielleicht, wenn jemand von der philippinschen Crew mit der Zigarette im Bett eingeschlafen ist.
An der Rettungsübung, Drill, müssen wir nicht teilnehmen. Das macht allein die Crew. Wir können dann zusehen, fotografieren und das Leben genießen. Klingt fast so, als müssten die Offiziere auch nicht daran teilnehmen.
Robert ist aber ganz erpicht darauf, das Rettungsboot von innen zu sehen und auszuprobieren. Michael ist ein wenig verwundert, aber er fragt den Master, ob das möglich sei. Ich sehe uns alle schon notwassern.

So wie es aussieht, können wir in allen Häfen an Land gehen. Securitylevel 1 (Passkontrolle) gilt für alle Häfen, die wir anlaufen. Securitylevel 2 (Taschenkontrolle, genauer hinschauen) wird es wohl nicht geben. Und Level 3, akute Anschlagsgefahr, davon ist momentan nicht auszugehen. Schön, dass wir zum Beispiel in Dakar und Rio an Land gehen können. Was auch immer wir dann dort tun. Ein Shuttle wird uns wohl vom Kai zum Terminal bringen. Aber dann? Dann müssten wir uns selbst kümmern. Wir werden sehen. Vielleicht in Zarate, wo wir voraussichtlich drei oder vier Tage vor Anker liegen werden.

Welche Decks wir betreten dürfen, erklärt Michael uns, wo wir die Waschmaschine finden und wann wir auf die Brücke dürfen. Eigentlich haben wir das alles schon selbst ausbaldowert. Aber es macht Spaß, dem 2nd Mate bei seiner Sicherheitseinweisung zuzuhören. Und er hat sichtlich Spaß daran, uns zu unterrichten; scheinbar ein bisschen Abwechslung für ihn.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich jetzt sicherer fühle. Wenn wir Untergangsangst hätten, wären wir wohl gar nicht erst hier. Unsere Rettungswesten, -anzüge und Helme haben wir schon selbst gefunden, weil sie nachts bei Seegang im Schrank klappern, die Notfallmarkierung entspricht internationalem Standard (wenn auch die Stewardess fehlt, die während der Erläuterung faxen machen) und das Rettungsboot musste schließlich auch noch nie ernsthaft zu Wasser gelassen werden, beteuert Michael. Zumindest nicht, seit er an Bord ist. Und das sind immerhin schon vier Monate …

3 Kommentare
  1. Michael
    Michael sagte:

    Na dann ist ja alles gut. Ihr werdet ja weniger als vier Monate an Bord sein, es kann also gar nichts passieren. Davon mal ganz abgesehen: Zur Not ab in den Landy, der kann bekanntlich alles. Vermutlich auch schwimmen ;-) Wünsche Euch eine gute Reise ohne irgendwelche Zwischenfälle (auch wenn so eine Heli-Evakuierung sicherlich einen schönen Blogeintrag geben würde… ;-)
    Aloha, Michael

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen