Seekrankheit

Was gegen Seekrankheit hilft

„Das wird lustig“, sagte Ingo, ehemaliger Fregatten-Funker mit Übersee-Erfahrung. Das Wichtigste sei die Erkenntnis, dass man sich daran gewöhnt. Nun, wir werden 30 Tage Zeit haben, um uns an die Seekrankheit zu gewöhnen, wenn wir mit dem Schiff nach Uruguay unterwegs sind.  Trotzdem schadet es ja nicht, sich vorher schon mal ein bisschen schlau zu machen, was es mit der Seekrankheit so auf sich hat.

Was ist Seekrankheit eigentlich?

Seekrankheit ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eigentlich nur eine Sinnestäuschung. Im Normalfall bringt das menschliche Gehirn alles in Einklang. Alle Sinne, von den Augen bis zur Haut, machen die gleiche Erfahrung und melden diese wie gewohnt an das Gehirn. Bei der Seekrankheit ist das nicht so.

Befindet man sich beispielsweise unter Deck, dann sehen die Augen einen viereckigen Raum. Nichts ungewöhnliches also. Die Muskeln, Füße, Sehnen merken jedoch, dass sich der Raum bewegt und melden selbiges an das Gehirn. Wenn das mal nicht verwirrend ist. Das Gleichgewichtsorgan nimmt die Beschleunigungskräfte in verschiedene Richtungen war, obwohl die Füsse einen festen Boden melden. Die Verwirrung ist perfekt. So – vereinfacht ausgedrückt – entsteht Seekrankheit.

Dass sich das Gehirn daran gewöhnt kann man leicht feststellen, wenn man wieder von Bord ist. In manchen Situationen kurz nach einer Seereise meldet das Hirn schwankende Wände, wenn man abends im Bett liegt, ähnlich einem ordentlichen Rausch. Dann ist es genau umgekehrt: Das Hirn bringt die dann richtigen, falschen Signale durcheinander und suggeriert, dass es jetzt eigentlich eine schaukelndes Bett geben müsse.

Seekrankheit – die Symptome

Unterschiedlich stark sind die Symptome und auch noch bei jedem anders. Bei Frauen kommt es eher dazu, als bei Männern, bei Jüngeren häufiger als bei Älteren, bei Fetten eher als bei Fitten. Manche werden nur Müde, manche Füttern die Fische. Es lässt sich nicht klar definieren, die Wirkung ist letztlich bei jedem anders.

Was kann man dagegen tun?

Brillen mit künstlichem Horizont, Akupunktur, Vitamin C, Ingwer. Alles schon mal gehört, aber nichts hilft nachgewiesen und zuverlässig. Selbst Sliwowitz (Slivovic) soll angeblich helfen, nur die Dosis ist nie genau angegeben. Ob es am Ende die Seekrankheit oder der letzte Schnaps war, der zur Übergabe führte …?

Eine Reihe von Medikamenten gibt es. Die Wirkstoffe Dimenhydrinat, Meclozin, Scopolamin, Flunarizin und Cinnarirzin haben entweder Nebenwirkungen oder sind auf dem deutschen Markt gar nicht mehr erhältlich. Allein Dimenhydrinat, unter anderem enthalten in Vomex A, wird eine gewisse Wirksamkeit nachgesagt – aber eher gegen Übelkeit und Erbrechen, weniger gegen Seekrankheit an sich. Dimenhydrinat ist auch in Kaugummis der Marke Superpep enthalten. Die gibt es in der Apotheke. Vielleicht ist das eine Alternative.

Geheimtipp von der Bundeswehr

Scopoderm. Das ist der Wirkstoff, der in Pflastern enthalten ist, die man sich hinter das Ohr kleben kann. Das Wirkstoffdepot hält rund 48 Stunden an und setzt die Empfindlichkeit des Gleichgewichtsorgans herunter. Damit können zumindest aus dieser Ecke nur noch vermindert falsche Tatsachen an das Gehirn gemeldet werden; die Seekrankheit ist nicht mehr so schlimm. Blöd: Die Pflaster können durchaus Nebenwirkungen haben. Und im Gegensatz zu einer Fregatte der Bundeswehr sind auf einem RoRo-Frachter keine Ärzte an Bord. Zumindest ist das nicht die Regel. Und je nachdem, wie stark die Nebenwirkungen einsetzen, steht man dann vor ganz anderen Problemen. Wer also ein Pflaster gegen Seekrankheit mit an Bord neben möchte, sollte deutlich vorher mit seinem Arzt darüber sprechen und es einfach mal ausprobieren. An Land sind die Nebenwirkungen eh viel erträglicher.

Und was machen wir?

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, doch auf die Pflaster zu verzichten. Wir nehmen Superpep und Vomex A mit an Bord und hoffen auf wenig Seegang und wenig empfindliche Nerven. Und wenn gar nichts mehr geht, dann probiere ich das mit dem Slivovic nochmal aus.

Update: So war es wirklich

Nach 39 Tagen auf dem Schiff können wir jetzt aus erster Hand sagen, wie es wirklich war. Seekrankheit hat nicht zwingend etwas mit Seegang zu tun. Seekrankheit trifft auf, wenn sie will. Auch mal gerne erst, wenn man vier Wochen auf See war. Wir selbst sind zwar verschont geblieben, aber nicht alle unserer Mitreisenden. Wir hatten „Scopoderm TTS“-Pflaster dabei, die man hinter das Ohr klebt. Danach ist Ruhe. homöopathische halfen genauso wenig, wie Armbänder für die Handgelenke. Die Nebenwirkungen der Pflaster beschränkten sich bei unseren Versuchskaninchen auf leichte Kopfschmerzen. Die sind aber immer noch viel erträglicher, als die Seekrankheit.

2 Kommentare
  1. Charel
    Charel sagte:

    Hallo ihr beiden. :)
    Nun wo ihr die lange Überfahrt hinter euch gebracht habt, vielleicht noch ein kleines Wort zum Thema Seekrankheit? ;)
    Liebe Grüße und weiterhin eine gute Reise
    wünscht der Chari aus Luxemburg :)

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